Als zwei Adam und Eva spielten…. 1. Teil

Mein verstorbener Freund Claus erzaehlte mir vor etlichen Jahren eine Geschichte, die sich absolut unglaublich anhoerte. Ich konnte den Wahrheitsgehalt  der Story aber von einigen Reportern bestaetigt bekommen und so wie es hier geschrieben wird, ist es tatsaechlich geschehen.

Irgendwann mitte der achtziger Jahre (1986?) war ein deutsches Ehepaar auf den Philippinen angekommen und war in den Sueden Mindanaos gereist. Sie hatten eine vierjaehrige Tochter namens Nicole, zudem war die Frau – sie hiess uebrigens Monika – schwanger. Der Ehemann – Helmut genannt – war in Deutschland kaufmaennischer Angestellter gewesen, Monika hatte bis zur Entbindung als Kellnerin gearbeitet und war danach – zumindest voruebergehend – Hausfrau und Mutter.Die beiden hatten einen Traum, den man im Prinzip nur als idiotisch bezeichnen konnte; sie wollten  in den Urwaeldern von South Cotabato wie Adam und Eva leben und sind nach ihrer Ankunft in General Santos City auch gleich in die Provinz weiter gereist und in den Bergwaeldern verschwunden.

Claus hoerte zum erstenmal von den beiden, als eine Radiostation in GenSan von den beiden „Kanos“ berichtete, die scheinbar voellig mittellos in der Naehe des Marktes gesehen worden waren und dort nach essbarem im Muell wuehlten. Die Reporter vermuteten, dass die Auslaender ausgeraubt worden waren, denn die wahre Geschichte kannte keiner und konnte sich auch keiner vorstellen. Das war kurz nach Weihnachten 1986 gewesen. Natuerlich hatte Claus die Nachrichten nicht weiter beachtet und sie fuer eine „Uebertreibung“ der Reporter gehalten. Diese Nachrichten wurden auch von Linda gehoert. Linda war die Frau eines Freundes von Claus. (Ich hatte Linda erst nach dem Tod von Claus kennengelernt. Sie hat die Geschichte auch bestaetigt.) Linda ueberredete nun ihren Mann Fritz doch mal in der Naehe des Marktes nachzusehen, moeglicherweise koennten das ja sogar deutsche Landsleute sein. Fritz und Linda fuhren dann gemeinsam von Polomolok – ihrem Wohnort – nach GenSan und begannen ihre Suche. Nach einigen Fragen wurde die „Urwaldfamilie“ auch von den beiden gefunden. Es waren tatsaechlich Deutsche. Die waren gerade bei einer Radiostation gewesen und hatten dort ein paar Pesos als Spende bekommen. Anfaenglich waren die „Gefundenen“ nicht sehr gespraechig und zeigten sogar Widerstand irgend etwas zu sagen. Da Fritz Mitleid mit den Kindern hatte – das Baby war zwischenzeitlich auch auf die Welt gekommen – lud er sie zu sich nach Hause ein. Nach einigem Zoegern stimmten Helmut und Monika zu und dann fuhr man zusammen los um die Sachen der Deutschen aus einer Huette am Strand zu holen, in der die Familie nach ihrer Rueckkehr aus den Waeldern gehaust hatte. Allerdings flehten sie Fritz an nur ja nichts der Immigration zu melden. In der Huette angekommen traf Fritz fast der Schlag. Das innere der Huette glich einem Schuttabladeplatz. Verschmutzte Klamotten, verschimmelte Essensreste ja sogar blutige T-Shirts lagen am Boden ‚rum und es stank.  Fritz fuehlte sich nun ueberfordert und beschloss sich an Claus zu wenden. So fuhren die Muellers – so wollen wir Monika, Helmut und die Kinder der Einfachheit nennen – zusammen mit Linda und Fritz zum Haus von Claus.

Als Claus die Muellers sah, schlug er die Haende ueber dem Kopf zusammen und fragte was um Gottes Willen denn passiert war, denn die Muellers waren nicht nur abgemagert sondern offensichtlich auch krank. Helmut schien an Gelbsucht zu leiden, Monika hatte eine boese, vereiterte Fussverletzung und auch die Kinder waren krank, insbesondere das Baby. Klaus lud also erstmal die Muellers zu sich ein und stellte ihnen ein Zimmer in seinem Haus zur Verfuegung. Wieder baten die Muellers doch der Immigration nichts zu sagen, aber Claus meinte, dass sie wohl nichts zu befuerchten haetten, da der Chef des Immigrationbueros ein guter Freund sei. So zogen die Muellers nun bei Claus ein und mein Freund hatte keine Vorstellung, was er sich da aufgeladen hatte. Er der ordnungliebende penible Mann mit diesem „Sauhaufen“, das sollte noch was geben.

Claus kuemmerte sich nun erstmal um die Familie, waehrend Fritz  und Helmut schnell zum einkaufen fuhren. Nicole jammerte wie hungrig und durstig sie sei und Monika sagte ueberhaupt nichts, beantwortete keinerlei Fragen von Claus. Allerdings sollte Claus die ganze Geschichte noch erfahren. Offensichtlich war,  dass alle dringend medizinischer Versorgung bedurften und Claus rief einen Freund an, der Arzt war. Der kam auch bald und kuemmerte sich erstmal um das Baby, das einen schlimmen Durchfall hatte, danach wurde Nicole versorgt, die eigentlich ok war nur eben unterernaehrt. Monikas Wunde wurde versorgt und nach der Rueckkehr von Fritz und Helmut kam auch der an die Reihe. Nachdem das noetigste getan war, hatte die Frau von Claus zusammen mit Linda aus dem eingekauften ein Essen gemacht und nun sollte gegessen werden. Da kam dann aber schon ein Protest von den Muellers, die meinten, dass sie normalerweise so etwas nicht essen wuerden. Auf die Frage, was denn „genehm“ waere, gab es aber keine Antwort. Nicole ass mit sichtlichem Appetit, aber die beiden Erwachsenen stocherten erst nur so ‚rum im Essen,  aber als Monika doch der Hunger uebermannte begann auch Helmut zu essen aber mit weniger Gusto.

Danach zog sich Helmut mit Frau und Kindern in das Zimmer zurueck, waehrend sich die Freunde noch ueber den Fall unterhielten. Sie raetselten hin und her, konnten sich aber beim besten Willen nicht vorstellen, was da passiert war und wie die Muellers in diese Lage gekommen waren. Auf die Wahrheit kam keiner, wie sollten sie auch unwahrscheinlich wie diese klang, aber die sollten sie noch frueh genug erfahren.

Zum Abschluss versprachen Fritz und Linda regelmaessig vorbei zu schauen und auch Obst und Gemuese von der Farm mitzubringen. Dann verabschiedeten sich die beiden und fuhren zurueck nach Polomolok. Claus schaute ihnen nach. Er hatte ja keine Ahnung, was er sich da aufgehalst hatte.

Fortsetzung folgt…..

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