A1 Sprachkurs und ein geplagter Ehemann

Wie ihr ja wisst geht es zurueck nach Deutschland. Das ist mit viel Papierkram und jeder Menge Vorbereitungen verbunden. Bin also „sozusagen“ im Stress mit all dem buerokratischen Schmarrn. Aber leider fuehrt entweder kein Weg vorbei, oder das Vorbefuehren koennte eklatante Nachteile bei der Visumserteilung haben. Also machen wir jetzt erst mal alles so, wie die Behoerden das gerne haetten, aber laden „nichtsdestotrotz“ schon mal die Kanonen fuer die spaeteren Beschwerden und den nachfolgenden „Krieg“. Und es stehen jetzt schon einige unangenehme Themen zur Debatte.

Heute geht es um den bei allen Visumsapplikanten so beliebten A1 Sprachkurs. Bedauerlicherweise muss er gemacht werden und auch die Auslaenderbehoerde des Zuzugsortes ist dieser Ansicht. Dabei gibt es doch den schoenen Paragraphen, dass zurueckkehrende Deutsche, die viele Jahre im Ausland gelebt haben, und einen auslaendischem Ehepartner haben, per se wie Investoren oder Hochqualifizierte zu behandeln sind und damit die A1 Pruefung nicht benoetigen, vorausgesetzt der Ehegatte spricht Deutsch auf dem C1 Level. Ich denke doch, dass ich diese Voraussetzung erfuelle.  Leider bleibt es hierbei bei der Theorie des nicht Beoetigen des A1 Kurses.

Nun denn, meine Frau nimmt seit 9. Oktober an einem Sprachkurs in Davao teil. Der „Herr Lehrer“ erscheint mir und auch ihr qualifiziert und er achtet sehr darauf, dass keiner zur Pruefung faehrt, der die Pruefung nicht mindestens 10 mal bei ihm im Klassenzimmer bestanden hat. Unterricht is taeglich von 9-12.30 und kaum sind die Unterrichtstunden beendet, klingelt das Telefon. „Honey, you have to help me, I don’t understand …und ein Schwall von  „gruen lackiertem Gibberisch“ dringt in mein Ohr. Ich bitte sie das Ganze zu wiederholen. Diesmal klingt es „nach gut durchgeruehrter blassvioletter Papageienscheisse“. Ich flehe sie an, mir das ganze zu texten und ich werde bestimmt gleich antworten. Na gut sie laesst sich darauf unter Protest ein – wir haben schliesslich unlimiterte Anrufe – und legt auf.

Ich atme auf aber nur fuer drei Minuten, dann laeuft auch schon die erste SMS „ein“. Bevor ich noch auf das „Lesen Knoepfchen“ druecken kann, kommt die zweite. Und die dritte und die vierte…… bis alle 28 Fragen bei mir angekommen sind. Ich arbeite mich durch diesen „Dschungel“ von SMS bis ich alle beantwortet habe. Ich schnaufe auf und habe fuer dreissig Minuten meine Ruhe.

Dann geht es wieder los….. sie nimmt das ganze sehr ernst und lernt viele Stunden am Tag. Und sie fragt mir im Stile eines mit einer Million Patronen geladenen Maschinengewehrs zahllose Loecher in den Bauch. Ich bin geduldig, ich antworte, ich schau sogar mal alte Grammatikregeln nach, weil ich die lateinische Bezeichnung fuer die Befehlsform vergessen habe – jaja ich weiss, Dummheit sowas zu vergessen, aber ich habe seit 45 Jahren nicht mehr an den „Herrn Imperativ“ gedacht- und so vergeht der Tag schneller als ich dachte. Die andere Arbeit bleibt liegen und ich muss dauernd dies und jenes verschieben.

Am schoensten ist dann die letzte SMS des Tages: Honey i will sleep now. Luv u! Aufatmen von meiner Seite und ein Paar Stunden Ruhe fuer mich.

Am Freitag kommt sie spaetnachmittags aus Davao und sie ist noch keine fuenf Minuten da, und schon kommen die Fragen. Ich erklaere ihr, doch das mal alles selbst zu beantworten und ich wuerde es korrigieren. Sie schmollt, ich mache ihr klar, dass ich Deutsch kann und sie nichts lernt, wenn ich alles beantworte. Sie schmollt weiter und legt die Buecher weg. Der Freitag Abend war sozusagen „gegessen“. Nun am Samstag nimmt sie dann ihre Buecher her und lernt, sie schreibt, sie lernt und dann darf ich Lehrer spielen und ihre Arbeit korrigieren. Ich korrigiere und schreibe 96% auf das erste Blatt. Die Fehler kreuze ich nicht an, nur den Satz und lasse sie selbst suchen. Sie will schmollen, ich schau sie scharf an und sie sucht und findet auch gleich. Auf das zweite Blatt schreibe ich 100% und sie freut sich.

So geht das nun seit dem 12. Oktober bis heute. Aber sie lernt fleissig. Und sie macht Fortschritte.

Heute nachmittag kam ein Bekannter und wir sprachen gerade Deutsch miteinander. Langsam zum mitschreiben sozusagen. Ich verstehe fast kein Wort was sie sagt – ihre Aussprache ist eine Katastrophe – aber sie meint es gut und das zaehlt. Fuer meinen philippinischen Bekannten hat sich das sicherlich wie „Dantes Inferno mit einem Schuss gruenkarierter Carabaohoelle“ angehoert, aber er meinte sie koenne das schon ganz gut.

Naja ehrlich gesagt, sie hat eine Menge gelernt in der kurzen Zeit und der „Herr Lehrer“ aus Davao ist voller Hoffnung, dass sie am 29. November zur Pruefung darf. Wenn sie bestehen sollte stifte ich erst mal – ganz im philippinischen Stil – eine Kerze an die Madonna obwohl ich evangelisch bin. (aber eh nur auf dem Papier)

Wie ich all die Ehemaenner beneide, die sich in Deutschland am warmen Ofen ausruhen, waehrend ihre Liebsten auf den fernen Philippinen konjugieren und deklinieren.

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4 Comments
  • Thomas Schönfelder
    Reply

    Ich bin auch mit einer Philippina verheiratet. Hatte denselben Stress mit dem A1 Deutschkurs. Was mich aber immer noch aufregt, ist, das sie in Deutschland angekommen, den A1 Kurs im Rahmen des Intergrationskurses, der ja dann folgt, noch einmal machen musste. Ich bin Rentner mit einer Minirente und da wurmt es mich schon, das auch die Kostenerstattung nur mit Sozialhilfe für die Partnerin gewährt wurde, statt das die einfach meine niedrige Rente zugrunde legen. So durfte ich mich dann noch auf der ARGE prostituieren, bloß damit ich den Integrationskurs nicht auch noch bezahlen muss. Bei so vielen Stunden sind auch ein Euro, jetzt ja inzwischen 1,20Euro/Stunde ordentlich Geld.

    Frechheit sowas. Und dann wird der schon belegte Deutschkurs trotz Verpflichtung zur Teilnahme im Integrationskurs nicht anerkannt!

    Zum Glück ist inzwischen für mich alles überstanden. Arbeit hat meine Frau zwar noch keine, worüber ich aber dank des kommenden Frühlins und Sommers nicht böse bin, da ich so meine Freizeit mit ihr zusammen uneingeschränkt genießen kann. So können die schönen warmen sonnigen Tage endlich kommen.

  • Rai
    Reply

    Weshalb wenden die Behörden die Regelung Ehepartner von langjährig im Ausland lebenden Deutschen nicht an ?

  • Tom
    Reply

    Mööönsch Kai, kommst Du zurück nach Ostfriesland? :)
    Das wäre doch wunderbar. Ich drücke die Daumen für den Sprachkurs! Gruß Tom

  • Reply

    Hallo Kai,
    daß deine Frau deutsch lernt, ist für das Leben in D auf jeden Fall begrüßenswert. Aber daß es für die Aufenthaltserlaubnis erforderlich ist, kann ich gar nicht glauben, da ihr doch langjährig verheiratet seid. –
    So, dann hast du ja bald wieder Zeit, beim Fußballmanager mitzumachen 😉

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