Allan 2. Teil

Aber die Ueberraschung, die Allan von seinen Verwandten bekam, sollte nicht die einzige bleiben.

Begonnen hatte die „Pechstraene“ mit Edmarks Weigerung, ihn trotz Vertrages nach Davao zu lassen, was wiederum Allan nicht hinderte trotzdem einen Verkaufsstand im Gaisano in Davao zu eroeffnen, denn Gaisano sah Allans Vertrag und verweigerte seinerseits Edmarks neuem Vertreter den Zugang, der dann in Victoria Plaza taetig wurde. Beide Staende verkauften gut und Edmark haette es darauf beruhen lassen koennen, was sie aber nicht machten. Stattdessen versuchten sie Allan mit Gewalt aus dem Geschaeft zu draengen, der sich natuerlich wehrte und durch einstweilige Verfuegungen das auch erreichte. Edmark lieferte Allan keine Wahre mehr, der diese dann ueber einen Freund, der die Vertretung in Manila hatte, bezog. Es war ein rechter Zirkus und Edmark bekam natuerlich mit, dass ein Freund lieferte, aber der rechnete Allans Verkaeufe mit ab und Allan rechnete nur alte Lagerbestaende von nicht so gaengigen Artikeln ab, so dass Edmark hier ein wenig ins Schleudern kam. Auf die Idee jemanden vor Ort zu schicken und ueberpruefen, was Allan verkaufte, kamen sie anscheinend nicht.

Aber natuerlich kam es noch viel schlimmer. Als Allan von seinem Verkaufsstand in Butuan kam und nach Cagayan de Oro fuhr, lief ihm in Buenavista ein 12jaehriger Junge ins Auto, den er nicht hatte kommen sehen, da der hinter einem geparkten LKW ohne zu schauen auf die Strasse lief und zwei Meter von Allans wagen entfernt auf einmal mitten auf der Strasse war. Allen konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und der Junge wurde schwer verletzt. Er fuhr sofort mit dem Buben ins Krankenhaus, wo ein Schaedelbasisbruch diagnostiziert wurde.  Da das Krankenhaus fuer diese schweren Verletzungen nicht ausgeruestet war, wurde der Bub in das Medical Center nach Cagayan de Oro verlegt.  Dort starb er 10 Tage spaeter ohne das Bewusstsein wieder erlangt zu haben. Allans Versicherung hatte zwar das Krankenhaus bezahlt, obwohl der Betrag ueber die Deckungssumme hinausging und boten den Eltern noch die Beerdigungskosten an, nicht ohne Allan auf moeglichen Regress hinzuweisen. Die Eltern weigerten sich und verlangten 500.000 Pesos als Schadensersatz plus die Beerdigung, die nochmals ueber 100k kosten sollte. Hier spielte nun die Versicherung nicht mehr mit und deshalb kontaktierten die Eltern Allan und sagten, dass sie ihn anzeigen wuerden, wenn er nicht selbst mit der „Kohle“ rueber kaeme. Soviel Geld hatte Allan nicht, da ihn die Streitereien mit Edmark ja auch zusaetzliche Kosten verursachten fuer den Anwalt und das Gericht. Die Eltern erstatteten Anzeige und nach seiner Gegendarstellung wurde ein Haftbefehl gegen Allan ausgestellt und er sollte gegen eine Kaution von 80.000 Pesos frei kommen. Das Geld hatte er nur teilweise und so sprang ich mit 50k ein und Allan wurde wieder auf freien Fuss gesetzt.

Zwischenzeitlich kam eine Vorladung vom philippinischen Arbeitgericht. Seine Schwaegerin und deren Freund, die uebrigens mittlerweile geheiratet hatten, reichten Klage ein und beschuldigten Allan so ziemlich aller Vergehen gegen das Arbeitsgesetz, die man im Buch fand. Nun hatte Allan aber seine Mitarbeiter nicht nur fair behandelt, sondern sie lagen mit Grundgehalt und Provision nicht unerheblich ueber dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestgehalt. Allan hatte zuch Ueberstunden mit Zuschlaegen bezahlt, die SSS abgefuehrt und  Sonntagsarbeit dem Gesetz gemaess bezahlt. Ueber eine halbe Million Pesos forderten seine Schwaegerin und deren Mann von ihm. Bei der ersten Verhandlung machten sie ein „Friedensangebot von 300k, aber Allan hatte kein Geld und damit wuerde nun in zahlreichen Hearings die echte Sachlage ermittelt werden. Allerdings klagten die beiden bei der DOLE  (Department of Labor and Employment) in Dipolog und so hatte Allan zu jedem Hearing dort hin zu fahren.

Zwischenzeitlich hatte Edmark durch eine einstweilige Verfuegung eines Richter in Manila erwirkt, dass Allan keines ihrer Produkte mehr verkaufen durfte. Der Richter in Cagayan de Oro sah das anders und erklaerte die Verfuegung fuer ungueltig, aber all das half Allan nichts mehr, denn nun hatte Edmark einen „Geistesblitz“; alle existierenden Vertraege mit Gebietsvertretern wurden annuliert und das ganze System auf Multilevel Marketing umgestellt. Alle Vertreter wurden als Verkaeufer uebernommen – auch Allan – aber nun durften sie nur noch privat nach Kunden suchen und sollten im Stile von Tupper Parties Kunden und Mitarbeiter werben. Die ganzen Gebietsvertreter sprangen ab, auch Allan, denn keiner wollte das dumme Spiel von Edmark mitmachen, aber die Mitarbeiter der Gebietsvertreter waren nur allzu bereit in die Bresche zu springen. Trotzdem fielen Edmarks Verkaeufe ins Bodenlose, was Allan durch einen der Vizepraesidenten erfuhr, der die gesamte Zeit Allan heimlich unterstuetzt und informiert hatte. Ich kann mich noch gut erinnern, als Allan all seine Verkaufstaende in Dipolog, Ozamis, Davao, Butuan, Surigao und Cagayan abholte und zu Hause deponierte immer noch in der Hoffnung, dass ein Gericht Edmark zwingen wuerde, die MLM Geschichte rueckgaengig zu machen. Allan war arbeitslos und hatte mehr Probleme an der Hand als ein Hund Floehe. Edmarks Praesenz ist durch das neue System drastisch gefallen und vor etwa drei Jahren begannen sie wieder mit Staenden in Kaufhaeusern, aber es wurde nie mehr was es mal gewesen war.

In der Unfallsache wurde sich Allan mit den Eltern des Buben einig und es waren 100.000 Pesos als Schadensersatz ausgehandelt worden, die Allan auf Raten abzahlen konnte. Auch wenn Allan nach deutschem Recht keinerlei Schuld am Unfall traf in diesem Land ist ein Autofahrer immer schuld, wenn er einen Fussgaenger anfaehrt.Einige Wochen spaeter bekam ich dann auch meinen Anteil an Allans Kaution zurueck.

Als wieder mal ein Hearing bei der DOLE in Dipolog anstand um die arbeitsrechtlichen Ansprueche der Schwaegerin und dessen Mann zu klaeren, hatte Allan zur gleichen Zeit ein Hearing in seiner Unfallsache gehabt und das Arbeitsgericht schriftlich davon verstaendigt, dass er um Verlegung bitte. Dieses Schreiben war mit LBC geschickt worden, aber es kam nie an und so entschied das Arbeitsgericht gegen Allan, da er nicht anwesend war, was der Labor Arbiter als Mangel an Respekt dem Arbeitsgericht gegenueber ansah und haute Allan mit seiner Entscheidung fuer die vollen geforderten 500K in die Pfanne.

Allan war am Ende.

Fortsetzung folgt

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