Allan 3. Teil

Die Entscheidung des  Arbeitsgerichtes war nur dann anfechtbar, wenn Allan den Betrag, den der Labor Arbiter seiner Schwaegerin und deren Mann zugesprochen hatte, beim Arbeitsgericht einzahlen wuerde. Der Betrag wuerde aber nur dann an die beiden ausbezahlt werden, wenn die Berufung entschieden war. Da Allan aber keine halbe Million hatte, gab es auch keine Berufung und das Urteil wurde rechtskraeftig. Nun drohte der Sheriff (das philippinische Equivalent eines Gerichtsvollziehers) zu kommen um zu pfaenden, und es gab leider kein Minimum, das man wie in Deutschland behalten durfte. Allan schaffte erst mal alle Wertsachen zu uns ins Haus. Dann wurde das Auto an meine Frau „verkauft“, was heisst es wurde ein Kaufvertrag gemacht, und der Wagen umgeschrieben. Allan hatte nun nur noch altes Geruempel im Haus. Der Tisch war alt und wackelte, die Stuehle waren billigster Plastikmist, geschlafen wurde auf Matten auf dem Boden und selbst das Geschirr bestand nur aus billigsten angeschlagenen Gegenstaenden. Dafuer lief mein Haus mit Allans Sachen ueber. Alles hatte er bei uns untergestellt einschliesslich seiner Verkaufsvitrinen. Das Auto parkte nun immer bei uns, aber das war kein allzu grosses Problem, da Allan nur zehn Minuten zu Fuss weg wohnte.

Dann kam der Sheriff und zog unverrichteter Dinge wieder ab, da ja nun wirklich nichts verwertbares bei Allan geblieben war. Allerdings musste Allan mit wiederholten Besuchen rechnen, und daher blieben seine Sachen erst mal bei uns.

Allans Mutter war stinksauer und schritt ein. Sie setzte sich mit den Eltern der Schwaegerin in Verbindung und versuchte durch sie bei der Tochter einen Verzicht durch zu bringen. Die Eltern stimmten nicht zu, da sie ja im Fall, dass Allan bezahlen konnte, auch etwas vom warmen Regen abbekommen wuerden. Allans Vater drohte nun mit blutiger Vergeltung. Die ganze Situation eskalierte und auf beiden Seiten tagten die „Familienraete“ Tag und Nacht. Am Ende kam dann ein Angebot von der Seite der Schwaegerin. Allan sollte 12 Monatsraten zu 5000 Pesos bezahlen und die Tochter mit ihrem Mann wuerden danach unterschreiben, dass alles bezahlt worden war. Allan traute ihnen nicht, und meinte, er wuerde nur zustimmen, wenn zuerst unterschrieben wuerde. Das ganze ging wochenlang hin und her, aber am Ende unterschrieben die beiden und Allan war von diesem Problem enthoben. Er bezahlte  seine Monatraten puenktlich, allerdings sprach seine Frau seitdem nie mehr mit ihrer Schwester. Das Verhaeltnis der beiden ist komplett zerstoert und selbst als deren Vater vor zwei Jahren gestorben war, sprachen die beiden nicht einmal angesichts der Familientragoedie miteinander.

Da Allan ja nun keine Arbeit mehr hatte, begann er in Cabadbaran eine Art philippinisches Restaurant zu betreiben. Das lief zu Anfang ganz ordentlich und als er dann eine Karaoke dazu kaufte, wurde es fuer viele zur „Stammkneipe“. Natuerlich hatte er auch einige huebsche Kellnerinnen und so verdiente er genug um  seine Schulden bei den Eltern des Unfallopfers, sowie bei der Schwaegerin zu bezahlen. Das Auto wurde an ihn „zurueck verkauft“ und alles war so einigermassen im Lot.

Zwei Jahre frueher hatte jemand, der bei mir Schulden hatte, diese mit fuenf Feuerloeschern bezahlt, und da die Gemeindeverwaltung in Cabadbaran auf Feuerloescher bestand, lieh sich Allan einen von mir. Drei waren schon verkauft und der andere war bei uns im Haus. Allerdings hatte ein Vertreter fuer Feuerloescher Allan weiss gemacht, dass die gelben Loescher nicht zulaessig seien und meinen Loescher in einen roten umgetauscht, den man alle zwei Jahre nachfuellen muss. So sicherten sich die Verkaufer ein regelmaessiges Nachfolgegescheft.  Die gelben musste man nur alle zehn Jahre nachfuellen. Man sieht also, dass die Pinoys nicht nur „Langnasen“ ueber den Tisch ziehen, sondern die eigenen Landsleute genauso bescheissen.

Wir hatten auch einen grossen kommerziellen Grill aus Edelstahl fuer Huehnchen, Haxen und Liempo und den mietete Allan nun von uns. Die Miete lief auf Kommissionsbasis, das heisst wir bekamen zehn Pesos pro Huehnchen und da Allan etwa 1000 Huehnchen im Monat verkaufte, war das eine nette Nebeneinnahme. Es ging also wieder aufwaerts fuer ihn.

In der Nachbarschaft seines kleinen „Restaurants“ wohnte ein Ex-Colonel der Armee. Dem war das erfolgreiche Geschaeft von Allan ein Dorn im Auge und er begann echte Probleme zu machen. Er beschwerte sich zuerst laufend bei der Polizei und der Gemeindeverwaltung wegen Laermbelaestigung. Allan bestand darauf, dass die Beamten den „Laerm“ von der Wohnung des Ex-Colonels aus konntrollierten und dabei stellte sich heraus, dass der dort oben so gut wie nichts hoerte. Das ging also fuer den Neidhammel erst einmal in die Hosen.

Einige Wochen spaeter kam der Colonel dann mit einigen Soldaten taeglich zum Saufen und dann wurden Gaeste angepoebelt. Diesesmal lag es an Allan sich zu beschweren, da der Colonel sich um das bereits ausgesprochene Lokalverbot nicht scherte und die Krakeeler brachten auch ihr eigenes Bier mit, da Allan ihnen nichts servierte. Die Polizei zwang den Colonel das Lokal zu verlassen und kamen taeglich mehrmals nachschauen, dass er sich auch daran hielt. Eines Abends kam der Typ dann mit etwa 30 Mann und innerhalb kuerzester Zeit waren die am randalieren und schlugen das Moebiliar in Stuecke. Dazu wurde Allan massiv bedroht und er entschloss sich den Laden aufzugeben. Am naechsten Morgen begann er alles, das nicht kaputt war in seinen L300 zu laden, aber da hatte der Colonel was dagegen. Mit seinen dreissig Mann im Hintergrund wurde Alan nun moerderlich verpruegelt. Einige Stunden spaeter kam er bei mir im Haus an. Mein Gott sah der schlimm aus. Beide Augen waren fast geschlossen, an der Stirn hatte er eine grosse Platzwunde, sein linker Arm war ausgekugelt und er hatte schlimme Schmerzen. Wir brachten ihn erst einmal ins Krankenhaus, wo die Wunde genaeht wurde und der Arm wieder eingerenkt wurde.

Einige Tage spaeter hielten wir „Kriegsrat“ in meiner Wohnung.

Fortsetzung folgt

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