Allan 4. Teil

Wir hielten Kriegsrat wegen des Colonels und dessen Verhalten und ich war natuerlich stinksauer, weil er eben auch meinen Gasgrill kassieren wollte, der ueber 40.000 Pesos gekostet hatte. Davon hatte ich alleine 5000 Pesos fuer das hitzebestaendige Glas in der Tuere bezahlt. Allan wollte einige Freunde einschalten, um sich die Gegenstaende mit Gewalt zu holen, aber ich war dagegen und so beschlossen wir, es erst mit Hilfe der Polizei zu versuchen.

Zwei Tage spaeter fuhren wir also mit Allans Auto nach Cabadbaran. Dort suchte ich alleine, mit einer eidesstattlichen Versicherung von Allan, in der er bestaetigte, dass ich der Eigentuemer des Gasgrills sei und die er zwei Tage vorher beim Notar machen liess, das Restaurant auf. Ich sprach  mit dem Colonel und zuerst war er freundlich, aber nachdem er die Papieren gecheckt hatte – ich hatte natuerlich auch die Rechnungen fuer den Grill dabei – verwandelte sich seine Freundlichkeit sehr schnell in Zorn. Er rief zwei seiner Soldaten, die sich drohend vor mir aufbauten und fragte lachend, ob ich denn auf mein „Recht“ bestehen wolle. Ich wollte natuerlich nicht wie Allan enden und stand auf, warf ihm noch einen sehr veraechtlichen Blick zu und verzog mich schweigend. Allan hatte in einer Carenderia zwei Strassen weiter auf mich gewartet. Dort traf ich ihn jetzt und berichtete von meinen vergeblichen „Verhandlungsversuchen“.

Wir entschlossen uns zuerst mal auf die Polizei zu gehen. Dort angekommen trugen wir unser Problem vor. Die Beamten waren sehr freundlich und zuerst wurden unsere Aussagen aufgeschrieben und wir mussten unterschreiben. Danach wurde alles schoen brav in das Reportbuch – dem sogenannten Botter – eingetragen, natuerlich im allerschoensten Beamtenenglisch. Dann machte uns der Polizist klar, dass wir auf den Polizeichef warten muessten, der wuerde uns dann alles weitere erklaeren. Allerdings kaeme der erst am naechsten Morgen, da heute sein freier Tag war.

Wir fuhren also nach Butuan und logierten dort im Almond Hotel. Unser Abendessen nahmen wir im New Narra Restaurant zu uns, das die besten Fruehlingsrollen servierte, die ich auf den Philippinen je gegessen hatte. Leider gibt es die seit dem Umzug des Restaurants nicht mehr.

Am naechsten Morgen fuhren wir zurueck nach Cabadbaran und dieses Mal trafen wir den Polizeichef an. Er liess sich noch einmal die ganze Geschichte erzaehlen und dann fuhren wir  zusammen zu Allans ehemaligem Restaurant. Der Colonel war nicht dort, aber drei seiner „Gorillas“ hingen herum und der eine ging los, um den Boss zu holen. Der kam dann auch eine halbe Stunde spaeter und begruesste den Polizeichef wie einen alten Freund. Als der dann unsere Forderungen zur Sprache brachte, behauptete der ganz frech, dass Allan ihm 120.000 Pesos schuldete und er deswegen den ganzen Krempel nicht heraus rueckte. Natuerlich war diese Behauptung erstunken und erlogen und er hatte auch keinerlei Papiere um das zu beweisen. Aber da die beiden wohl ganz dicke Freunde waren, meinte der Polizeichef, da koenne er nichts machen (er wollte nichts machen und hat den ganzen Besuch dort nur zur Schau abgezogen) und wir muessten privat klagen. Dann lachten die beiden zusammen hoehnisch und wir gingen ohne noch etwas zu sagen. Im weg gehen sah ich dann noch, wie die beiden mit einem „High Five“ ihren Erfolg bekraeftigten. Eine halbe Stunde spaeter lief ich dann am Restaurant vorbei und sah die beiden zusammen beim Bier trinken.

Wir fuhren zurueck nach Cagayan und beratschlagten. Ich schlug vor, dass wir in der Nacht von Sonntag auf Montag einfach hinfahren und unsere Sachen zurueck klauen. Diese Nacht hatte ich deswegen ausgesucht, da gemaess Allans Erfahrungen ab zehn Uhr tote Hose sei und eben frueher geschlossen wurde. Allan organisierte vier Bekannte, die uns dabei helfen sollten. Am Sonntag fuhren wir nach dem Mittagessen nach Cabadbaran. Da wir gegen 5 Uhr dort ankamen, entschlossen wir uns erst einmal ausserhalb der Stadt in einer Carenderia herum zu haengen und einen unserer Begleiter in Allans „Exrestaurant“ zu schicken. Dodong fuhr dann mit dem Tricicle in den Ort und kam nach einer Stunde zurueck. Das Restaurant sei offen, aber fast leer. Mittlerweile war es dunkel geworden und wir verlegten unseren Aufenthalt in eine Karaokebar nicht allzuweit vom Restaurant in der Hoffnung, dass der Colonel die Konkurrenz nicht aufsuchte. Dort gab es auch „Snacks“ und so assen wir zu Abend, wobei ich Pancit oder Sotanghon nun nicht als Imbiss ansehe, sondern schon als volle Mahlzeit.

Alle Stunde lief einer der Bekannten am Restaurant vorbei und gegen zehn Uhr kam dann die „Vollzugsmeldung“; die „Kneipe“ war geschlossen. Bis kurz vor zwei Uhr hielten wir uns weiterhin in der Bar auf, scherzten mit den Maedels und tranken strikt nur antialkoholisches. Dann ging es los zum Restaurant. Allan parkte direkt rueckwaerts mit der Tuere sehr nahe zum Eingang und wir verhielten uns still fuer etwa 30 Minuten. Der Ort war wie ausgestorben und wir sahen keinen Menschen auf der Strasse. Dann stieg Allan aus und versuchte den Schluessel, aber der passte nicht mehr. Der Colonel hatte ein anderes Schloss eingebaut. Dann versuchte Allan mit seiner ATM Karte das Schnappschloss zurueck zu schieben und nach etwa 5 Minuten klappte es, und die Tuere war offen. Ich sass vorne im Wagen und schaute rechts und links die Strasse hoch und die anderen luden hinten zuerst meinen Grill und danach alle anderen Sachen in den Wagen. Innerhalb von etwa 45 Minuten war die Aktion „Rueckklau“ beendet. Niemand war gekommen und wir fuhren zurueck nach Cagayan. Dort angekommen parkten wir den Wagen vor unserem Haus und alle gingen heim.

Am naechsten Morgen luden wir alles aus und deponierten es im leerstehenden Nachbarhaus. Dann sicherten wir das Haus mit einem Vorhaengeschloss.

Am naechsten Nachmittag tanzte der Colonel mit dem Polizeichef von Cabadbaran bei Allan im Haus an und beschuldigten ihn, seine Sachen abgeholt zu haben. Allan bot ihnen eine freiwillige Haussuchung an, bei der natuerlich nichts gefunden wurde. Anschliessend kamen sie zu mir, wo die „Suche“ ebenso erfolglos war, wobei ich allerdings dem Polizeichef das Betreten meines Hauses untersagte, aber den Colonel schnell durch die Bude fuehrte. Gefunden wurde natuerlich nichts. Ins Nachbarhaus schaute kein Mensch.

Eine Woche spaeter holte wir dann alles aus dem leeren Haus heraus. Allan hat nie mehr was vom Colonel gehoert, aber er fuhr drei Tage spaeter nach Cabadbaran um dort festzustellen, dass das Restaurant geschlossen war. Ohne Allans Einrichtung und Equipment konnte der Colonel ohne Geld auszugeben auch nichts mehr damit anfangen. Allan eroeffnete etwas spaeter eine Huehnergrillerei mit Karaoke in Cagayan.

The End

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