Allan 1. Teil

Es war im Juni 1997 gewesen, und Amway war gerade einmal zwei Monate auf den Philippinen taetig. Ich hatte bei Amway mitgemacht und war sozusagen ein Mitglied der (fast) ersten Stunde, nachdem ich am 9. April 1997, zwei Tage nachdem Amway Philippines aus den Startloechern gekommen war, einen Distributorvertrag unterschrieben hatte. Ich sah im Prinzip von Amway gute Verdienstmoeglichkeiten, aber es verlangte einem auch Einsatz ab. Im Prinzip ging es ja nur darum, dass jedes Mitglied, neben wohl limitierten Verkaeufen, das Produkt selbst verwendet und dann verdient eben jeder der aktiv ist und sich entsprechende „Downlines“ aufbaut. Aber es ist nicht einfach, dieses Prinzip zu vermitteln.

Wie gesagt im Juni traf ich dann Allan. Er hatte im Ororama in Cagayan de Oro einen Stand von Edmark und verkaufte sogenannte Novelty Items, unter anderem einen handbetriebenen Cutter, der mich bei der Vorfuehrung begeisterte und den ich kaufte. Den verwende ich auch heute noch – dreizehn Jahre spaeter – und ich muss sagen, das war fuer 500 Pesos ein guter Kauf gewesen. Da ich ja regelmaessig in Ororama war, begann ich Allan Amway schmackhaft zu machen und er unterschrieb. Das war der Beginn einer Freundschaft mit einem Filipino, die auch heute noch besteht.

Allan stammte aus Dipolog und hatte sehr viele Freunde und Verwandte dort und wollte natuerlich, dass ich ihm dort helfe eine Gruppe aufzubauen. Gesagt – getan, wir fuhren also mit seinem L300 das erste Mal nach Dipolog, wobei er gleichzeitig nach einem Platz suchte, um einen weiteren Edmark Stand zu eroeffnen. Damit will ich dann auch mal kurz auf die Miete eingehen, die Allan in Ororama berappen musste. Fuer seinen vier Quadratmeter grossen Stand musste er 5000 Pesos monatliche Grundmiete bezahlen und zusaetzlich 20% von den Bruttoeinnahmen abliefern. Ororama kassierte in guten Monaten mehr als 100k und ihm blieben in dem gleichen Monat netto weniger als 50.000 Pesos. Die Chinesen, die ja nun wirklich 95% der philippinischen Wirtschaft kontrollieren, wissen schon wie man die dicke Kohle auf dem Ruecken der Filipinos macht. Als wir in Dipolog ankamen, hielten wir gleich am ersten Abend ein Seminar, das von Allans Freunden sehr gut vorbereitet worden war, denn es kamen ueber dreissig Menschen, von denen sich neun nach dem Seminar zum Kauf des Starterkits entschlossen, das damals immerhin 2000 Pesos kostete und nur fuer 900 Pesos Ware enthielt. Der Rest waren Broschueren und Informationsmaterial einschliesslich Videotapes und anderem. Das war der Beginn einer grossen Gruppe, die innerhalb des naechsten Jahres auf ueber 400 Menschen anwachsen sollte. Aber es geht hier ja nicht um Amway sondern um Allan.

Wie gesagt, wir wurden Freunde und an den Wochenenden unternahmen wir oefters gemeinsame Ausfluege mit grillen und was halt bei einem philippinischen Ausflug so dazu gehoert. Allan und seine Frau (er hatte damals zwei Kinder) waren Mormonen und er nahm seinen Glauben sehr ernst und hatte auch zwei Jahre im mittleren Osten als Missionar verbracht. Durch ihn lernte ich auch etwas mehr ueber die Mormonen, einschliesslich deren Geschichte, die zum Teil fuer einen „normalen“ Christen schon merkwuerdig anmutet. Wichtig dabei ist zu erwaehnen, dass Mormonen keine Kirche, sondern einen Tempel haben und keinerlei Laster froehnen. Also nix mit „Weibern“ und „Saufen“! (Die anfaenglich propagierte „Vielweiberei“ gab es schon lange nicht mehr)

Allan betrieb sein Geschaeft mit Edmark ernsthaft und verdiente recht gut. Als Hilfe hatte er seine Schwaegerin und deren Freund eingestellt, ebenso andere Verwandte, die die Staende in Ozamis und Dipolog betrieben, wobei aber das Geschaeft am besten lief, wenn Allan persoenlich vor Ort war.

Als wir eines Tages wieder nach Dipolog fuhren, schaute er vorher in Ozamis im Gaisano vorbei, wo er auch einen Stand hatte, und wo die Schwaegerin die Demos machte und den Verkauf leitete. Das Geschaeft dort ging etwas zaeh und so entschlossen wir uns in Ozamis zu uebernachten, und am nachmittag mal den Laden anzukurbeln. Der Unterschied war schon gewaltig. Wenn Allan die Demos machte dann wurden echt nach jeder Demo etliche der Cutter verkauft, wenn man das mit Zahlen verglich, die seine Schwaegerin machte, dann hatte Allan in vier Stunden sieben mal so viel verkauft, wie die Schwaegerin in einer Woche.  Das erboste Allan schon etwas und er ermahnte die beiden, doch bitte etwas positiver und enthusiastischer in den Demos zu sein. Als wir drei Tage spaeter auf dem Rueckweg von Dipolog wieder in Ozamis vorbei schauten, waren die Verkaufszahlen deutlich besser geworden, wenn sie auch immer noch gewaltig hinter Allans Zahlen hinterher hinkten.

Und so verging die Zeit. Meine Amway Gruppe wuchs und ich hatte bereits die erstrebten 21% Provision auf alle Verkaeufe innerhalb meiner Gruppe erreicht. Aber eines der Hauptprobleme war, dass die meisten anderen Mitglieder nie genug Geld hatten, um bestellte Ware auf Anhieb zu bezahlen, sondern immer erst mit einer bis vier Wochen Verspaetung an mich loehnten. Zudem klappte die Bestellung per Versand ueberhaupt nicht, denn ich musste die Ware immer von Cagayan mitbringen, wo es glueckerlicherweise bereits eine Niederlassung gab. Ich machte meinen Leuten klar, dass ich keine Lust hatte mich dauernd abzuschleppen und sie sollten doch bitte das Versandsystem in Anspruch nehmen, was aber auch weiterhin nicht klappte.

Allan hatte zwischenzeitlich auch anderen Novelty Items von Edmark zu verkaufen, die aber nicht so gut liefen, wie der manuelle Cutter. Ich hatte auch festgestellt, dass man mit dem Ruehreinsatz vom Cutter hervorragend Mayonnaise machen konnte, was Allan in den Demos mit aufnahm und was inerhalb von sechs Monaten Standard bei allen Edmark Demos geworden war.

Zu dieser Zeit wollte sich Allan nach Davao erweitern – in Butuan und Surigao war er ja bereits auch – was ihm aber von Edmark untersagt wurde, da sie Davao an einen anderen geben wollten, obwohl er einen Vertrag mit Edmark hatte, dass er die Generalvertretung fuer ganz  Mindanao hat und dafuer hatte er damals auch kraeftig bezahlt. Es folgte nun eine Streiterei mit Edmark, bei denen Edmark klar zeigte, dass sie am laengeren Hebel sassen, denn ploetzlich waren Bestellungen verspaetet, was vorher nie vorgekommen war. Und so hatte Allan manchmal eine Woche lang nichts zu verkaufen, was ihn aber Geld kostete, da er ja seine Miete und Angestellten bezahlen musste.

Allan entschloss sich Dipolog und Ozamis aufzugeben, und da seine Schwaegerin nicht gewillt war wo anders zu arbeiten, entliess er sie und ihren Freund.

Das sollte aber ein aeusserst unangenehmes Nachspiel haben.

Fortsetzung folgt

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