Allerheiligen

Auf den Philippinen werden all christlichen Feiertage genauso gefeiert, wie in anderen Laendern, aber die Wichtigkeit erscheint zumindest nach aussen hin etwas anders. Denn Allerheiligen und Allerseelen hat hier einen viel gewichtigeren Stand, als  in vielen anderen Laendern. Christentum hier ist halt doch ein wenig anders, denn es wird wesentlich offener zur Schau getragen, wobei das dauernde „Praise the Lord“ nicht unbedingt so ernst zu nehmen ist. Und wie so oft in diesem Land wird vieles an Allerheiligen eben auch uebertrieben.

Denn an diesem Tag wird nicht nur der Toten gedacht, nein, man verbringt sogar den ganzen Tag auf dem Friedhof und einige Mutige auch noch die Nacht dazu. Es beginnt am 1. November und kann sich – je nach Gegend – bis auf den 2. ausdehnen, jenen Tag, der urspruenglich fuer die Toten gedacht waren. Bereits am Morgen gehen die Pinoys in Massen auf den Friedhof. Tische und Stuehle werden mitgebracht und Styroporboxen enthalten genug zu essen und trinken fuer jedermann, denn nicht nur das „leibliche Wohl“ der Verstorbenen ist wichtig, nein auch dem eigenen Wohl muss Genuege getan werden. Es werden  zuerst Kerzen angezuendet und es wird gebetet und danach geht es weiter mit froehlichen Unterhaltungen, Essen und Trinken und mitunter auch Kartenspiel oder Mahjong. Das Klicken der Steine ist dann nur schwerlich ueberhoerbar. Der „Spielteufel“ muss halt immer mit dabei sein. Und man wird leider auch mehr als genug Betrunkene auf den Friedhoefen sehen. Zudem ist Allerheiligen Familientag, denn auch aus entfernten Orten reisen die Verwandten an, um auf dem Friedhof ihrer Lieben zu gedenken. Auch die Graeber werden mit Blumen und Ballons geschmueckt, wobei weiss dominiert, denn es ist hier auch die Farbe der Trauer.

Oft wird ein Teller mit Essen gefuellt auf das Grab gestellt, damit die lieben Toten auch was bekommen. Man prostet ihnen zu und spricht ueber sie und die ekelhafte Tante Clara, die zu Lebzeiten niemend mochte, ist auf einmal der beste Mensch gewesen, denn man darf  ja den lieben Verstorbenen nichts boeses nachsagen. Der soziale Aspekt mit Familientreffen scheint bei den Totenfeiern wirklich im Vordergrund zu stehen.

Im Laufe des Tages – je nach dem – gehen dann alle in die Kirche und fuer die lieben Verblichenenen werden Messen gelesen, wobei auch oft die Namen der Toten genannt werden, denen die Messe gewidmet ist. Das geht natuerlich nur mit einer Spende an die Kirche. So hat mich gestern meine Frau angetextet um die Namen meiner Eltern und Grosseltern zu erfragen, die ja in die Messe mit eingeschlossen werden sollten. Ich selbst schaue mir den „Zirkus“ dort im Heimatdorf meiner Frau nicht mehr an und bleibe lieber zuhause.  Zudem regnet es um die Jahreszeit unaufhoerlich in Surigao, was aber die Filipinos nicht davon abhaelt, trotzdem den ganzen Tag dort auf dem Friedhof zu verbringen. Eigentlich erstaunlich, denn Pinoys beschweren sich ja sonst sogar bei jedem Tropfen, der vom Himmel faellt und meinen sie koennten nicht raus gehen, da es eben regnet. Gelegentlich ziehe ich dann schon auch mal los, um mir auf dem Friedhof das bunte Treiben anzusehen, das mich immer wieder erstaunt.Aber es macht mehr Freude, wenn man dabei keine Familie dabei hat.

In Metro Manila sind die Geschaefte meist ab Mittags geoeffnet, aber in etlichen Provinzen und auch hier auf Mindanao sind die Geschaefte und auch die Malls geschlossen. Das ist aber auch der einzige Tag im Jahr, wo das vor kommt, dass sogar die Malls schliessen. Schiesslich machen die sonst an Sonn -und Feiertagen die besten Geschaefte.

Heute ist dann alles wieder vorbei und die „lieben Verstorbenen“ verschwinden dann fuer ein weiteres Jahr in der Versenkung und werden kaum einmal erwaehnt, bevor man die Ernnerung an sie im naechsten Jahr wieder „heraus kramt“.

Aber nun moechte ich noch ganz kurz von meinem ersten „Allerheiligen“ auf den Philippinen erzaehlen. Es war 1986 und Inday und ich waren nach Dinagat gefahren um daran teilzunehmen. Damals hatte Paniog noch keinen eigenen Friedhof und Indays Vater lag in Melgar begraben. Als wir auf den Friedhof kamen, war das fuer mich nur eine leere Wiese. Es gab keine Grabsteine und keine Kreuze. Die Menschen verteilten sich auf der Wiese und jeder schien genau zu wissen, wo die Graeber seiner Verwandtschaft waren. Auch meine Schwiegermutter strebte zielstrebig zu einer Ecke der Wiese, die sich durch nichts vom Rest unterschied und meinte, dass hier das Grab ihres verstorbenen Mannes war. Stuehle und Tische wurden aufgestellt und danach wurde gebetet. Dann wurde aus Koerben und Taschen essbares ausgepackt und es wurde gespeisst. Gegen 11 Uhr begann es zu regnen und ueberall wurden Schirme aufgespannt und Planen aufgehaengt. Darunter gingen die Festlichkeiten weiter. Am fruehen Abend verliessen wir den Friedhof um an einer Messe fuer die Toten teilzunehmen. Die Geschaeftigkeit auf dem Friedhof unterschied sich von der Grosstadt nur durch die geringere Anzahl der Menschen, ansonsten war es das gleiche. Nur gut, dass ich nicht gezwungen bin jedes Jahr daran teilzunehmen.

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