Als zwei Adam und Eva spielten…. 4. Teil

Claus schwieg nach dieser Eroeffnung erst mal verbluefft fuer einen Moment um dann ‚rauszuplatzen, dass die Muellers wohl wieder in die Waelder gezogen sind.  Die Beamten vom Immigration Buero schauten unglaeubig, weil sich wohl keiner so recht vorstellen konnte, wie jemand freiwillig im Urwald leben wollte.  „Schaut doch mal und denkt logisch,“ sagte Claus, „der Helmut hatte mir ja mitgeteilt, dass er in die Berge  zurueck wolle und die geklauten Gebrauchsgegenstaende deuten auch darauf hin“.  Die Frage war nur, wohin sie diesesmal gewandert sind. Damals war der Sueden von Mindanao noch voller Waelder und es gab viele Moeglichkeiten sich darin zu verlieren.  Man vertagte sich erst einmal und wollte sich dann am naechsten Morgen im Office treffen, um zu beraten was man tun koenne.

In der Fruehe wurden im Buero der Immigration erst einmal ueberall Karten ausgebreitet und lang und breit diskutiert, wo die Muellers sich hin gefluechtet haben koennten.  Moeglichkeiten gab es viele z.B. von Polomolok zurueck nach GenSan und dann in die Berge suedlich von General Santos, oder oestlich davon, ebenso waere die Gegend um den Mount Apo von Kidapawan aus gesehen eine Moeglichkeit. Es haette aber auch zurueck Richtung Allah Valley gehen koennen, ja sogar das suedliche Bukidnon kaeme in Frage. „Also so kommen wir nicht weiter,“ meinte Claus, “ die koennten praktisch ueberall sein und wir sollten zuerst einmal die Jeepney Fahrer in Polomolok befragen und heraus finden, wer die gestern mitgenommen hat und wohin, das gaebe dann zumindest einen Anhaltspunkt.“ Man einigte sich auf diese Variante und fuhr also los nach Polomolok. Dort an den Jeepney Haltestellen wurde man auch schnell fuendig, und es gab einige, die sich an die Muellers erinnern konnten. Als Langnase faellt man halt doch mehr auf. Allerdings wussten sie nur zu sagen mit welchem Jeepney die Muellers abgefahren waeren, aber nicht wo sie ausgestiegen waren und der Fahrer, der sie mitgenommen hatte, war unterwegs, sollte aber in 2-3 Stunden wieder in Polomolok sein. Da blieb nichts anderes als warten.

In der Tat kam der erwartete Fahrer nach weniger als drei Stunden in Polomolok an, war allerdings keine grosse Hilfe, da sie mit ihm nur zurueck nach General Santos gefahren waren. Da seien sie ausgestiegen und weiter wusste der Fahrer nichts zu berichten. Also fuhr die ganze Truppe von Immigration Beamten zusammen mit Claus zurueck und begannen nun in GenSan an den Jeepney Haltestellen und den Bus Terminals zu fragen. Auch hier liess der Erfolg nicht lange auf sich warten. Die Muellers waren in einen Bus nach Davao gestiegen. Zum Glueck war jener Bus auf dem Weg nach GenSan und wieder musste man warten, aber warten gehoert auf den Philippinen einfach dazu. Als der Bus ankam, erinnerte sich der Kondukteur nur all zu gut an die Familie Mueller und erzaehlte, dass die in Davao an der Kreuzung nach Bukidnon ausgestiegen seien. Damit ergaben sich nun zwei Moeglichkeiten. Entweder die Waelder im Hochland um Buda herum, oder eben weiter noerdlich, wobei es hier wieder schwieriger wurde, denn da gab es zuviele Moeglichkeiten. Man entschloss sich also in Buda zu suchen. Da das Immigration Buero kein Geld fuer solche Aktionen hatte, blieben die ganzen Kosten wie Sprit und Essen und vielleicht sogar Uebernachtungen an Claus haengen.

Am naechsten Morgen fuhren Claus, der Boss der Immigration und ein Mitarbeiter mit dem Auto von Claus in Richtung Davao und Buda. Auch hier waren sie in der Lage schnell wieder auf eine Spur der Muellers zu stossen, waren sie doch in einer Carenderia gewesen und dort aufgefallen, weil sie rohes, mitgebrachtes Gemuese verzehrt hatten. Allerdings verlor sich nun die Spur, denn keiner konnte sich erinnern wo sie nach dem Essen hingegangen waeren.  Eine Umfrage im Ort erbrachte nichts und auch die oertliche Polizei hatte keine Ahnung, versprach aber die Augen aufzuhalten. Unseren „Detektiven“ blieb nichts anderes uebrig, als unverichteter Dinge wieder zurueck zu fahren.

Die Wochen vergingen und man hoerte nichts mehr von den Muellers und obwohl es die Mitarbeiter der Immigration anfaenglich beschaeftigt hatte, geriet es nun ein wenig in Vergessenheit, denn anderes, neueres und damit wichtigeres fiel an. Bis eines Tages eine Nachricht der Polizei aus  Buda auf den Tisch der Immigration flatterte.  Die hatte angeblich von Mitgliedern der NPA gehoert, dass in den Bergen von Davao del Norte ein paar verrueckte Auslaender mit Kindern campen wuerden.  Es war zwar eine Spur, aber eine sehr duenne. Diese Ecke war nicht besiedelt und nur vereinzelte Tribes hielten sich dort auf und es gab einige Lager der NPA dort. Eine Suche ohne genauere Angaben erschien sinnlos. Man bat die Polizei in Buda den genaueren Aufenthaltsort heraus zu finden.  Wieder herrschte wochenlanges Schweigen und die naechsten Nachrichten ueber die Muellers kamen dann aus einer ganz unerwarteten Ecke. Es schien so, als ob sich die Muellers nicht mehr bestaendig an einem Ort aufhielten sondern alle paar Tage weiterzogen. Vielleicht hatten sie Angst erwischt zu werden und sind deshalb mobil geblieben. Auf jeden Fall kamen nun die neuesten Nachrichten  aus der Gegend um San Fernando in Bukidnon. Hier wollte nun absolut niemand nachforschen, denn das war damals eine  Hochburg der NPA. Dort hatten die ihr Hauptquartier fuer das zentrale Mindanao.

Claus dachte lange nach und beschloss nach Valencia in Bukidnon zu fahren. San Fernando war nur etwa 30 Kilometer entfernt und er hatte einen guten Bekannten in Valencia, der dort Kagawad war. Moeglicherweise kannte der jemanden, der Beziehungen zur NPA hatte. In Valencia angekommen suchte Claus seinen Bekannten auf und erzaehlte ihm die ganze Geschichte.  Der meinte, dass er eine Menge Leute kenne, die Beziehungen haetten und sicherlich helfen koennten, die Muellers zu finden. Nach einigen Tagen begannen auch schon die Neuigkeiten einzutrudeln und aus denen ergab sich der Aufenthaltsort der Muellers nur zu genau. Die Mueller handelten mit einigen NPA Mitgliedern und bezahlten mit Reiseschecks, was bedeutete, dass sie nicht so mittellos waren, wie sie das den Menschen in GenSan  glauben machten. Claus bekam ein Angebot von einem Bekannten des Kagawad gegen eine „Eintrittsgebuehr“ von 2000 Pesos an den Aufenthaltsort der Muellers gebracht zu werden. Er stimmte zu und zwei Tage spaeter waren sie in einem alten Jeep unterwegs in die Waelder. Die letzten zehn Kilometer mussten sie laufen. Der Guide der „Expedition“ hatte zwei bewaffnete Maenner dabei, die den Marsch der Gruppe absicherten, da man sich ja mitten in NPA Gebiet befand. Als die Gruppe im „Camp“ der Muellers ankamen, war die Ueberraschung riesengross. Helmut hatte sich nicht traeumen lassen dass sie gefunden wuerden, und er flehte Claus an, sie doch in den Waeldern zu lassen. Claus verneinte und so wurden die Muellers von den Bewaffneten gezwungen mit zurueck  zu kommen. Die Habseligkeiten der Muellers waren schnell gepackt und die Gruppe marschierte zurueck zum Jeep. Ohne weitere Zwischenfaelle kamen sie dort an und fuhren zurueck nach Valencia. Von dort rief er in der Immigration in GenSan an und die bestimmte,  die Muellers erstmals in die Obhut der Polizei zu uebergeben. Dort wurden dann bei der Durchsuchung der Familie ueber 10000 US Dollar in Reiseschecks gefunden. Claus fuhr dann nach General Santos zurueck.

Einige Tage spaeter wurden dann die Muellers zurueck nach GenSan gebracht und dort hatten die Medien einen „Field Day“. Helmut wurde befragt und der erzaehlte nun bereitwillig die ganze Geschichte. Am Ende des Interview sagte Helmut noch, dass er Claus  das „Zusammenschlagen“ schon laengst vergeben haette.

Einige Tage spaeter waren die Muellers auf dem Rueckweg nach Deutschland.

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5 Comments
  • Reply

    Ich glaube daß es ein Potenzial an Menschen gibt, die sich nicht anpassen wollen oder können.Warum läßt man diese Menschen nicht in Ruhe …..

    • Kai
      Reply

      Diese Geschichte ist bereits vor ueber 20 Jahren passiert. Die Familie hielt sich ohne gueltiges Visum auf den Philippinen auf und fuer meinen Freund stand einiges auf dem Spiel, da er ja durch seine Bekanntschaft mit dem Chef der Immigration eine sofortige Abschiebung verhindert hat. Es gibt kein Paradies mehr und man kann nicht in die Waelder ziehen und dort leben, als wenn der Rest der Welt nicht mehr existiert.
      Egal was fuer eine Einstellung ein jeder zum Leben haben mag, aber sobald ich Knder habe, darf ich mich der Verantwortung nicht entziehen. Kinder bei einer solchen Verrueckheit mitmachen zu lassen ist unverantwortlich.
      Aber egal, das ist lange her und die Familie fuehrt heute vielleicht ein ganz normales Leben.

  • Torsten
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    Sei froh wenn dir solch traurige Lebensläufe erspart bleiben – nachdem in Deutschland keiner weggesperrt wird, wenn er nicht gerade seine Umgebung direkt bedroht häufen sich solche Fälle und auch ich kenne über 15 Jahre persönlich einen solchen – einfach nur traurig… als Sohn eines Arztpaares schießt er trotz hervorstechendem Eliteschulweg völlig quer, – barfußlaufen durch die elterlichen Warteräume ist noch das geringste Vorkommnis, eher Technikhass und aus dem Fensterwerfen von Computern mit Patientendaten – da die Eltern vermögend sind, würden sie eh immer für Sozialleistungen rangezogen, so finanzieren sie ihm lieber seine „zurück zur Natur-Experimente“ was wohl billiger kommt und besser weit weg – da ists wenigstens weniger peinlich, denn die letzten Stationen waren Alpen,USA, Kanada, Norwegen, Australien, Salomon-Islands, … solche Menschen sind unheilbar krank und mit etwas Unglück begegnest ihnen ein Leben lang immer mal wieder.

  • Reply

    „Einige Tage spaeter waren die Muellers auf dem Rueckweg nach Deutschland“.

    waere ja durchaus interessant, vielleicht in einem 5. Teil, den weiteren „Werdegang“ der Familie Mueller in Deutschland noch mit verfolgen zu koennen….

    • Kai
      Reply

      Interessant waere das sicher, aber bedauerlicherweise habe ich keine Kenntniss davon und ich denke, dass auch Claus nie weitere Infos bekam. Also wird das weitere Leben der Muellers wohl im Dunkeln bleiben.

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