Amway und die Pinoys 1. Teil

Im April 1997 eroeffnete Amway auf den Phlippinen und nachdem Bekannte von mir in Deutschland in den fruehen 80er Jahren eigentlich recht erfolgreich waren, dachte ich mir ich koennte es doch auch mal versuchen. Ich fuhr daher in den ersten Tagen nach Cebu um an der Eroeffnung dort teilzunehmen und mich ausfuehrlich zu informieren. Das erste was ich dort lernte, war die Tatsache, dass ich mich nicht einfach anmelden konnte, sondern ich musste einen Sponsor haben, d.h. ich haette entweder einen Pinoy ueber mir oder ich wuerde einen auslaendischen Sponsor benoetigen.

Die ganzen anfaenglichen Meetings waren im Cebu Midtown Hotel und es waren ziemlich viele Amerikaner anwesend. Ich habe mich also in den naechsten zwei Tagen mit ziemlich vielen von denen unterhalten und am Ende traf ich meine Wahl, wer mich sponsern koennte. Unter all den typischen Amis war ein Paar, die ich sehr nett und sympathisch fand und ich unterhielt mich mit ihnen. Leider hatten sie das direct sponsoring material nicht dabei und so wurde die Anmeldung erstmal ueber einen Pinoy gemacht, der direkt von ihnen gesponsert worden war. Innerhalb von zwei Wochen konnten die beiden das aendern und ich informierte mich ausfuehrlich ueber die ganzen Businessplaene und was es sonst noch so alles gab. Amway war 1959 gegruendet worden und gehoerte zu den altesten „direct sellers“ und Multi Marketing Level Companies. Also sollte ich bei denen schon in guten Haenden sein.

Wie ueblich begann ich im Bekannten und Freundeskreis – die Verwandten liess ich aus, die hatten eh keine Kohle – und bereits im ersten Monat hatte ich mein erstes Quicksilver gemacht. Ich bekam bereits einen 6%igen  Kommissionscheck und es liess sich recht ordentlich an. Dann sponserte ich Alan, den ihr ja aus der Geschichte mit dem Grill kennt. Alan hatte selbst ein „direct selling business“ damals und verkaufte Novelty Items in den verschiedenen Kaufhaeusern in Mindanao und er plante in Dipolog groesser einzusteigen und meinte, das waere eine gute Gelegenheit dort auch sogenannte Amway Downlines aufzubauen.

Und so kam unser erster Trip nach Dipolog, wo wir in einem Hotel dann auch drei Tage spaeter unseren ersten Vortrag hielten und etliche Mitglieder werben konnten. Die sollten natuerlich Amway Produkte selbst verwenden und ausserdem Verkaufen und Mitglieder werben. Wenn es nicht so gemacht wird, dann kann das ganze System einfach nicht funktionieren.

Noch gab es nur in Manila einen Amway Store, der Bestellungen entgegen nahm und verschickte. Diese Art von Versand war fuer Filipinos total neu und es lief sehr schleppend, da die Pinoys einfach nicht bestellen wollten. Um das ganze anzukurbeln uebernahmen wir das Bestellen und lieferten beim naechsten Besuch alles beim Besteller ab, wobei einige Vorauszahlungen leisteten und andere bei Anlieferung bezahlten. Aber ihr koennt euch natuerlich denken, dass es wie immer einige gab, die Ihre Bestellungen erst nach dem Verkauf – wenn ueberhaupt – bezahlen wollten, wobei wir natuerlich nicht zustimmten. Wir entschieden keinerlei Ware ohne Bezahlung auszugeben. Aber einige schafften es doch von Alan Ware zu bekommen mit dem Versprechen sofort nach der Lieferung an die Kunden zu bezahlen also noch am gleichen Tag. Die Ausreden die denen dann eingefallen sind warum sie eben nicht nach Lieferung bezahlen konnten waren erstaunlich. Damals dachte ich, dass die Filipinos ueberaus erfolgreich waeren, wenn sie in die Ausfuehrung einer Arbeit oder eines Geschaeftes ebenso viel Energie hinein stecken wuerden, wie in das Erfinden von Ausreden.

Das ganze System hatte jedoch einen Vorteil; die unfaehigen oder unwilligen  Pinoys sortierten sich selbst aus. Auf der anderen Seite zeigte es sich, dass das ganze System nur dann funktionierte, wenn man laufend nachhakte zumindest  zu dem Punkt, bis man dort jemanden aufgebaut hatte, der selbst diese Gruppe voran trieb. Das ist aber ein extrem schwieriges Unternehmen, denn leider gibt es nicht so viele Pinoys, die in der Selbstaendigkeit Erfolg haben. Die meisten erfolgreichen Pinoys hatten schon ein anderes Geschaeft am laufen und die noch nicht erfolgreich waren benoetigten die Peitsche. Mit Zuckerbrot kam man da nicht weit.

Etwa drei Monate nach der Eroeffnung von Amway kamen Les und Karen auf die Philippinen um sich den Fortschritt anzusehen und mitzuhelfen hier etwas aufzubauen. Aber auch die beiden verzweifelten recht bald an der philippinischen „Schlaraffenlandmentalitaet“. Es wollte ihnen einfach nicht in den Kopf, dass man Erfolg erwartete, aber nicht dafuer arbeiten wollte.

Trotzdem waren wir in der Lage einiges an kleineren Erfolgen zu verbuchen. So war die Gruppe in Dipolog zwar die groesste, aber eine andere Gruppe, die hauptsaechlich aus Studenten der Mindanao State University in Marawi bestand und zu 50% aus  moslemische Mitglieder hatte, die da etwas energetischer waren, als die Christen aus der gleichen Universitaet. So bauten wir die Gruppe in Marawi auf und ich war bestimmt alle sechs Wochen dort, wobei ich nicht ein einziges Mal schlechte Erfahrungen machte. Ich blieb aber nie ueber Nacht sondern schlief immer in Iligan. Mittlerweile hatte ich auch 18% an Kommissionen erreicht und Silber schien nicht mehr fern. Aber es sollte nicht mehr soweit kommen.

In Dipolog hatten wir mit Maribel eine „treibende Kraft“ aufgebaut und es wurde besser, aber eines schoenen Tages 1998 teilte sie uns mit, dass sie nach Kanada auswandert, da sie da einen Job bekommen hatte. Wir waren also wieder am Anfang und die Gruppe drohte einzuschlafen. Ein weiter Besuch von Les und Karen brachte uns auch nicht weiter.

Irgendwo sind solche Rueckschlaege auch nicht gerade aufbauend, aber aufgeben wollte ich nicht, da ich viel zu viel Zeit investiert hatte.

Fortsetzung folgt

 

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