Armut und Proritaeten

Einmal mehr gab es einen internationalen Survey bezueglich pro Kopf Einkommen und da zeigte sich ein erschreckendes Ergebnis. So soll es hier viele Gegenden geben, in denen mehr als die Haelfte der Menschen von weniger als einem Dollar leben muss. Ein Link zum PDF File ist hier, wo man anhand eines Kartenindex die Armutsverteilung sehen kann.

http://www.nscb.gov.ph/poverty/sae/NSCB_Lo…Philippines.pdf

Nun wie zutreffend ist diese „Verteilung“? Ich habe mir einige Gebiete, die ich persoenlich gut kenne einmal angesehen und finde, dass zumindest dort stark uebertrieben worden ist. Zudem wuerde fuer die oft in diesem Bericht erwaehnten 60-70 US Cents kein Mensch auf den Philippinen arbeiten. Auf dem Land geht unter 3.40 Dollar gar nichts und in den Staedten sind es 8-10 US Dollar, die fuer einen normalen Hilfsarbeiter bezahlt werden muessen. Fachkraefte verdienen deutlich besser.

Nun gut, oft genug gibt es naterlich nur einen Verdiener, aber man sollte beruecksichtigen, dass fast jeder Filipino irgend ein Nebeneinkommen hat. Da gibt es eben kleine Stores und Garkuechen ohne Ende, man verkauft Avon oder ein anderes MLM Produkt und so weiter. Ein grosser Anteil der Arbeit ist Schwarzarbeit, die von solchen Statistiken nicht erfasst wird und die „Untergrundwirtschaft“ blueht. Damit ist hier Kleinunternehmertum gemeint, das weder registriert ist noch Steuern bezahlt. Namhafte Wirtschaftswissenschaftler schaetzen die Untergrundoekonomie auf die gleiche Groesse ein wie die steuerzahlende registrierte Wirtschaft. Dem Staat entgehen natuerlich Milliardenbetraege an Steuern und der Durchschnitts Philippiner ist nicht so schlecht dran, wie es oft dargestellt wird. Es verhungert niemand auf den Philippinen, das ist eine Tatsache.

Aber es gibt zweifelsohne Armut auf den Philippinen. Allerdings in vielen Faellen auch selbst verschuldete Armut, denn viele der Maenner sind bedauerlicherweise nicht sehr arbeitsfreudig. Die philippinische Frau ist da sehr viel fleissiger. Aber egal wie gross die dargestellte Armut auch scheint, man sollte bedenken, dass die Philippenen eine Handysaettigung auf dem Markt hat, der seinesgleichen sucht. Zirka 70% aller Philippiner haben ein Handy. Und es wird laufend benutzt. Nicht umsonst sind die Philippinen „Weltmeister im SMS versenden“. Taeglich werden etwa 3 Milliarden Textmessages durch den Aether gejagt. Auch in armen Familien sind ein oder mehrere Handies die Norm geworden. Und statt Nahrung als Prioritaet Nummer eins zu setzen, ist es nun die Load fuer das Cellphone. Ein Pinoy, der keine Load hat, wird alles dransetzen um eine zu organisieren. Handy ist hier zum Statussymbol Nummer eins geworden. Bei Lebensmittel laesst der Philippiner diesen Einsatz vermissen.

Auch Alkohol und Zigaretten haben einen weitaus hoeheren Stellenwert als Lebensmittel oder Schulgeld. Jeder Inhaber eines „Tante Emma Ladens“ wird bestaetigen, dass die Verkaeufe dieser „Sin Products“ (so bezeichnet die Regierung das und kassiert mit Freuden immer weiter steigende Steuern) den Verkauf sinnvollerer Gueter weit uebersteigen. Man sieht also deutlich, dass die Prioritaeten zumindest in unseren Augen nicht die richtigen sind.

Die Arbeitslosigkeit wird in Zahlen echt verniedlicht. Von 7.5% wird gesprochen, wenn die wirklichen Zahlen wohl eher das vierfache betragen duerften. Aber hier wird die Untergrundwirtschaft ploetzlich beruecksichtigt und Inhaber eines kleinen Geschaeftes erscheinen dann nicht als arbeitslos. Aber selbst echte Arbeitslose geben sich vielfach ueberhaupt keine Muehe Arbeit zu finden. Man jammert wie schlimm man dran ist und dass es keine Arbeit gaebe, aber wenn man intensiver nachforscht, dann muss man feststellen, dass der „Jammerer“ sich noch nie in seinem Leben irgendwo beworben hat. Wenn man dann nach den Gruenden fragt, bekommt man als Antwort, dass es sinnlos sei, sich die Arbeit einer Bewerbung zu machen, da es sowieso keine Arbeitsstellen gaebe. Nun von nichts kommt eben nichts!

Wenn man arbeitenden Filipinos bei der Arbeit zusieht, dann wird man feststellen, dass vieles in einem derartigen Schneckentempo gemacht wird, dass man als Arbeitgeber auch keine Lust hat, solche Menschen einzustellen. Aber merkwuerdigerweise sind Pinoys im Ausland meist gute Botschafter ihres Landes, denn dort arbeiten sie fleissig und sind beliebt. Nicht umsonst sind mehr als 10 Millionen Philippiner fest im Ausland angestellt und sie schicken etwa 16 Milliarden US Dollar nach Hause um die Familie zu unterstuetzen. Auch das ist Einkommen, das bei vielen Statistiken scheinbar unter den Tisch faellt.

Eine kleine Geschichte am Rande moechte ich noch erwaehnen, da sie intensiv mit Armut zu tun hat und zeigt, wie viele Armen wirklich denken und handeln:  Zwischen 2004 und 2006 haben wir in Zusammenarbeit mit dem philippinischen Sozialamt (DSWD) eine Aktion fuer unterernaehrte Kinder gestartet. Es war sicherlich keine grosse Aktion mit 40 Kindern im Programm, aber es war ein Anfang. Einmal im Monat kauften wir Nestle Produkte und das DSWD unternahm die Verteilung unter unserer Aufsicht. Anfaenglich gediehen die KInder gut und wenn immer ein Kind Normalgewicht erreicht hatte, kam ein anderes Kind an dessen Stelle. Nach zirka einem Jahr hoerten die Gewichtszunahmen fast alle auf. Die Kinder nahmen trotz der Zusatznahrung nicht mehr zu. Eine Beobachtung, die wir damals machten, war, dass kaum jemand dieser armen Familien zu Beginn ein Handy hatten, aber zu spaeteren Zeiten im Besitz eines solchen waren. Wovon wurde das gekauft, fragten wir uns zurecht. Wir haben dann ziemlich schnell herausgefunden, dass die Eltern der Kinder die Milch und Babynahrung verkauften (unter Preis natuerlich) und davon Alkohol, Handies, Load und manchmal auch Reis kauften. Was wir den Kindern zukommen lassen wollten, wurde von denen gestolen, die eigentlich gluecklich sein muessten, dass jemand ihren Kindern hilft. Danach haben wir die Aktion eingestellt.

Man sieht also deutlich, dass viel Armut ihre Ursachen in falschen Prioritaeten hat. Helfen macht das in vielen Faellen nicht besser, im Gegenteil.

Wir haben unsere Lektion gelernt und werden derartige Hilfsaktionen in Zukunft einfach unterlassen.

Man sollte daher Armut auf den Philippinen etwas kritischer sehen und eben selbst eruieren und danach abschaetzen und entscheiden, ob man unter den gegebenen Umstaenden noch helfen mag.

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