Bantayan – alles halb so schlimm 2. Teil

So gingen wir zunächst was einkaufen und dann zum Strand vom „Marlin Beach Resort“. Alles leer, weisser Sand, sauber – wir richteten uns für den Tag ein. Das Essen war ok, die Angebote mit Booten, Wasserski und anderen Wassersportarten umfangreich, obwohl wir die gar nicht nutzten. Im Laufe des Tages kamen dann noch ein paar Tagesgäste dazu und wir wollten am Folgetag den ganzen Tag hier verbringen. Auf der Rückfahrt vom Strand, entdeckten wir das „Mobydick“, ein Pizza-Restaurant mit „Holzkohle-Ofen“. Da wollten wir später rein. Also duschen, umziehen, Pedicab und los. Unsere beiden Fahrer brachten uns zur Pizzeria und fragten, wann wir denn zurück wollten. „2 Stunden wird das sicher dauern“, meinten wir. Wir wollen ja nicht hetzen, sondern geniessen und uns erholen. Wir gingen davon aus, dass sie jetzt enttäuscht wegfahren. Doch: „OK, we wait for you.“

„Wie, warten die jetzt 2 Stunden vorm Lokal?“ Wir können es kaum glauben, aber sie tun es. Mir scheint wir sind der Hauptgewinn der lokalen Lotterie … oder im Urlaub bei netten Menschen? Während die Fahrer vorm Lokal warten, aber ohne den Eindruck zu erwecken „jetzt macht mal mit dem Essen“, suchen wir uns einen Platz. Irgendwie müssen wir die Tische zusammenschieben, um auch alle 6 zusammen sitzen zu können. Ich will den Stuhl zur Seite schieben – „Stuhl?“, „ist der festgeschraubt?“ Das ist doch kein Stuhl? Die Angestellten lachen sich fast schlapp. Das Ding zum Sitzen in der Form eines Stuhles, war aus Beton gegossen und zwar da wo sich sonst normalerweise die Stuhlbeine befinden, gab es hier einen großen Betonklotz. Zwar formschön und lackiert, aber „sauschwer“! Gut der Küchenchef kam gleich zu Hilfe und bewegte das „Teil“ und die Tische, dass wir alle Platz daran fanden.

Nach dem Essen, auf der Rückfahrt sind die Pedicab-Jungs sogar so begeistert, dass sie auf dem Rückweg später gleich zusagen, den nächsten morgen wieder am Tor auf uns zu warten. Manchmal, so scheint mir, kann man mit kleinen Mitteln einen Menschen glücklich machen! Der Rückweg verlief im Dunkeln, sobald wir aus der Stadt raus waren. Scheinwerfer? Am Fahrad? – vergiss es! Angst vor der White Lady macht sich bei unserem Pflegekind breit. Man sieht kaum was und fragt sich, wie die Pedicab-Fahrer es schaffen, keine anderen Fahrer zu erwischen und auch nicht in den Straßengraben zu fahren, der an dieser Stelle rund 1m tief ist. „Doch, doch. Das hat letzte Woche einer geschafft.“ Bei Regen sei der mit seinem Rad runter gerutscht. Da der ja kein Geld für die Reparatur hatte, hätten seine Kollegen zusammen gelegt und geholfen das Bike zu reparieren. Wahrscheinlich war es wirklich so. Obwohl die Menschen auf Bantayan materiell kaum etwas haben, der Zusammenhalt der Leute fällt auch uns auf. Die Menschen hier sind wirklich anders als in der Großstadt.

Am nächsten morgen wollen wir wieder zum Strand. Ein freundliches „Good morning.“ begrüßt uns am Marlin Beach. Die haben uns nicht geglaubt, als wir gestern sagten, dass wir heute wieder kommen. Wir suchen uns die Plätze aus und geniessen einen entspannenden Tag. Am Abend wollen die Kinder was essen? Pizza – was auch sonst! Also kehrern wir zum MobyDick zurück. Unser Jüngster ändert aber während des Bestellens seinen Wunsch: einen Hamburger will er. Gut der steht auch auf der Karte, also „und einen Hamburger für den Kleinsten“. Die Zubereitung dauert auch heute recht lange, ok der Ofen war noch kalt, der Pizzateig musste zubereitet werden, usw. Irgendwann war es dann soweit, die Bedienung kam mit unserer Bestellung. Sie gab jedem seine Bestellung, auch unserem Jüngsten seinen Hamburger. Da fragt er, ob es keinen Zucker gäbe. „Wie bitte, Hamburger mit Zucker? Warum?“ …

Weil der Hamburger etwas scharf sei. Nachdem er am Nachmittag schon vorm Salzwasser „theatralisch“ kapitulierte, dachten wir zunächst, das sei eventuell eine Übertreibung, um sich etwas Aufmerksamkeit zu verschaffen. Kinder können manchmal besser kalkulieren als Erwachsene rechnen können! Inzwischen hat er nochmal abgebissen und fing jetzt aber damit an, die Teile aus dem Mund auszusortieren. „Da stimmt doch was nicht.“ meinte meine Frau noch. Da ich neben ihm sass, wollte ich dann gleich mal demonstrieren, dass dies ja nur eine Übertreibung sein kann.

Also nahm ich den Hamburger, biss rein und … „da spuckst Du ja Feuer!“ Sind die denn bescheuert? Einem 8-jährigen Kind einen Hamburger zu geben, den man zuvor derart scharf würzte? Noch bevor ich mich beschweren kann, steht der Koch schon neben mir mit einem Fläschen, das wie Tabasco aussieht. „Warum steht auf der Karte nicht, dass der so scharf ist? Und warum serviert man diesem Kind dieses wirklich scharfe Zeugs ohne weitere Rückfrage oder Warnung?“ Gut, wer so fragt sollte sich auf keine brauchbare Antwort einstellen. Man lächelte, fragte noch ob es denn nicht schmeckt, blablabla … Da könnte man explodieren, aber wir sind im Urlaub, also bestellen wir was nach …

In der Nacht beginnt es zu regnen, nein es schüttet regelrecht! Stromausfall, der Ventilator steht, das Zimmer heizt sich auf, Schwüle. Es wird unerträglich, an Schlaf ist nicht mehr zu denken. Haben die denn keinen Generator? Der Guard ist der Einzige den ich finde. Er meinte, es gäbe einen Generator, aber der sei kaputt und muss erst repariert werden. Das „voraus schauende Handeln“ ist wohl mit dem Eigentümer in Urlaub gegangen denke ich mir, nachdem ich erfahre dass die Besitzer erst am Wochenende zurück kämen. Naß vom Regen kehre ich ins Zimmer zurück und hoffe dass bald wieder Strom für den „Fön“ kommt.

Am anderen Morgen, kann ich meinen Unmut kaum bremsen. Der Regen macht die Sache auch nicht besser! Die Vertretung der Inhaber meint, man würde den Generator gerade reparieren. „Wie lange ist der denn schon kaputt?“ will ich wissen. Ein Lächeln der Frau signalisiert mir, das war die falsche Frage, Stevaro! Also nochmal von vorne: „Wann sei er denn fertig?“ will ich wissen. Gut das war zwar auch nicht der gewünschte Wortlaut, aber immerhin begleitete jetzt das Lächeln „vieldeutige Worte“. Unterm Strich weiß ich so viel wie vorher, aber wir sind im Urlaub, also entspannen …

Ich sammle den Rest der Familie ein, um zu frühstücken. Im Moment regnet es nicht ganz so stark, aber der Strom ist immer noch weg. Wir gehen ins Restaurant, mit Generator wäre es wenigstens ein wenig heller, denke ich so. Wir setzen uns und bestellen. Auch wenn wir jeden Tag zusammen bestellen, bedient werden wir, dass Du denken könntest, in der Küche regiert ein 1-armiger Blinder, der gerade einen Vorsichtskatalog checkt, während er für andere kochen soll: es kommen 2 Kaffee, dann etwas später 2 Kakao, gefolgt von einer Pause, dann noch mal 1 Kakao und das Besteck. Dann nochmals der restliche Kakao. Was mache ich denn jetzt? Mein Kaffee ist schon leer? Also bestelle ich nochmals einen Kaffee und wäre froh was zu essen zu bekommen. Da kommt es ja: 1 Ei und 1 Omelette. Aber das ist ja gar nicht meines. So verteilt sich die Anlieferung in ein, wenn auch etwas zögerliches, dann aber doch kontinuierliches Logistik-Szenario. Aber, es klingt zynisch, ist es aber nicht: denn wir sind im Urlaub und empfinden das alles halb so wild. Inzwischen kommt der Strom zurück, wir hören ihn, denn die Musik spielt: „Kaiser Chiefs – Ruby“! Nachdem jeden Tag das Stück läuft, ist klar, der Inhaber steht auf englische Musik. Bei uns hämmert sich der Song auch ein, nicht zu letzt, da eine Ähnlichkeit der Musik zu der von „Madness“ besteht, einer englischen Gruppe aus meinen jüngeren Tagen. Doch plötzlich ist die Musik wieder weg, da hat wohl wieder einer am Strom gefummelt!

Da die ersten von uns mit dem Essen fertig sind, bekomme ich dann endlich mein Frühstück, mit dem inzwischen dritten Kaffee. Nein, ich frage die Bedienung nicht warum! Ich fordere sie auch nicht dazu auf, ihr System für morgen früh etwas zu optimieren! Nein – ich bin doch auch „fast ein Pinoy“, auch wenn ich im Moment nicht weiß welches Lächeln ich hierfür wo rausziehen soll. Die gibt bestimmt ihr Bestes und ausserdem sind wir noch immer im Urlaub …

Fortsetzung folgt

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