Bantayan – alles halb so schlimm 1. Teil

Endlich ist es so weit, wir können die Ferien planen. Das schreibt sich leichter als es war, denn die Entscheidung darüber wer wann Ferienbeginn hat läuft anders als in Deutschland. Zumindest bei uns. Aber nun war es soweit, wir können den Urlaub neu planen. Allerdings habe ich doch etwas Zweifel an unserem Vorhaben, denn wir wollten ursprünglich 2 ausgedehntere Visayastouren machen. Die erste sollte uns über Negros, Guimaras, Panay bis nach Boracay bringen. Die zweite sollte über Camotes Islands, Leyte, Biliran und Samar führen. Da ich mir aber nicht sicher bin wie mir das Reisen gesundheitlich bekommt, entschliessen wir uns zu einem „Testurlaub“ nach Bantayan zu gehen. So fahren wir mit dem Auto nach Hagnaya im Norden der Insel Cebu. Von dort geht stündlich eine Fähre nach Santa Fe auf Bantayan. Da wir nur ausspannen wollen und keine Ausflüge planen, lassen wir den Fahrer mit dem Auto wieder zurück nach Cebu City fahren, während wir auf die Fähre gehen …

In Vorbereitung auf die Woche, die wir auf Bantayan zubringen wollten, haben wir uns als Unterkunft das „Tickety Boo Resort“ ausgesucht, sowie eine Alternative falls es in Wirklichkeit wesentlich anders als im Internet aussieht. Am Hafen von Hagnaya sahen wir schon die Werbung fürs Resort – also kann man davon ausgehen dass es nicht so exotisch ist und eine gewisse Frequentierung hat. Die Fähre kam, wir gingen drauf und warteten bis sie endlich ablegte. Die Überfahrt verlief ohne Probleme und rund 1 Stunde später waren wir in Santa Fe.

Ein Bekannter warnte mich bereits vorher: „Pass auf, wenn Ihr ankommt, alles festhalten, die versuchen bereits am Hafen Euch auszunehmen…“ Nun ja, so schlimm kams dann doch nicht. Von unserem Gepäck hat jeder von uns (immerhin 6 Personen) etwas zugeteilt bekommen und so gingen wir aus dem Hafengelände heraus, da Fahrzeuge hier nicht zugelassen waren. Klar, wenn da ein Schiff anlegt, kommt natürlich immer ein Stück Hoffnung mit, auf Einnahmen und was man sonst noch so damit verbindet. Mich nerven die Hafenankünfte auch etwas auf den Philippinen, aber es war doch relativ normal. Ausserdem ich bin im Urlaub, also alles halb so schlimm.

Wir suchten uns ein Tricycle, das uns mit unserem Gepäck zum Resort bringen sollte. Wir fuhren raus auf die Straße und bogen rechts ab. Auffällig war, dass hier kaum Verkehr war. „Sicher eine Nebenstrecke“ sagte ich noch zu meiner Frau. Nach kürzester Zeit bog der Fahrer von der geteerten Straße in einen Weg ein, ließ das Fahrzeug ein paar Meter rollen, da war es ja schon! Sieht gut aus, dachten wir. „Wir wollen trotzdem erst die Zimmer anschauen.“ Aber es wirklich alles ok, die Kinder sahen den Pool „wir bleiben!“ und verschwanden zum Umkleiden.

Das Resort war sauber und gepflegt, die Zimmer zwar schlicht – aber die gab es auch etwas aufwendiger mit Aircon, was wir aber nicht wollten. Egal wo wir im Land waren, haben wir immer schlechte Erfahrungen mit Aircons gemacht. Die kannst Du einstellen wie Du willst, eine Erkältung ist das mindeste was da rausspringt. Etwas wenig Ablagefläche gab es, nun gut wegen einer Woche, egal. Wir waren hungrig und wollten zuerst was essen. Also gingen wir ins Restaurant des Resorts. Da stand gleich hinter dem Eingang ein Billiardtisch. Auch nicht schlecht, da kann man wenigstens während man auf sein Essen wartet, sich die Zeit vertreiben. Nur von diesem Billiardtisch wird später noch zu reden sein!

Wir schauten uns die Karte an, suchten was aus und bestellten. Von unserem Tisch aus konnte man über den kleinen Balkon direkt das Meer beobachten. Der Strand war schmal und verschwand bei Flut, da das Wasser bis zur Mauer vorkam. Also müssen wir doch für den Strandbesuch aus dem Resort raus. OK, dann haben wir wenigstens etwas Bewegung, wir sind ja im Urlaub …

Das Essen kam, die Portionen nicht riesig, aber in Ordnung. Geschmacklich war es eher im Mittelfeld angesiedelt. Gut der Besitzer war ein Engländer, die meistens nicht für überdurchschnittliche Kochkunst bekannt sind, aber so tragisch war es denn nicht. Nach dem Essen wollten die Kinder in den Pool und wir etwas ausruhen – Reisen strengen an, merke ich. Später rufen uns die Kinder, sie haben sich verletzt. Ein aufgepusteter Schlauch eines Autoreifen, bei dem das Ventil rausstand, schnitt einem in den Oberschenkel. Aber wer Kinder hat kennt das, die finden immer einen Weg für Verletzungen.

Am Abend essen wir nochmals im Restaurant, entschliessen uns danach aber doch nach einer Alternative zu schauen. Wir gehen aus dem Resort heraus. Das ist aber dunkel, oben, unten, vorne, hinten – unsere beiden Jüngeren werden „anhänglich“. Als wir an der Strasse sind, sehen wir schemenhaft die Kontur eines Mannes auf einem Fahrrad. Er meint er fährt uns in die Stadt vor. „Wir wollen nur etwas Spazierengehen …“. Das wäre doch viel zu dunkel zum Laufen, meint er und viel zu anstrengend. Er kann es nicht verstehen, dass es doch wirklich Menschen gibt, die „nur“ laufen wollen und fährt minutenlang neben uns her. Ich fürchte, irgendwann will er vielleicht doch für seine „Unterhaltung“ Geld, doch dann ist er plötzlich verschwunden, auf dem gleichen Wege wie er kam, aus dem Nichts – ins Nichts.

Wir liefen noch eine Weile in die Richtung wie wir mittags mit dem Tricycle her kamen und merkten, dass mit vollem Bauch und zu Fuß die Strecken länger sind als mit Motor. So drehten wir irgendwann um und liefen zurück. Kurz vorm Resort war er wieder: der Pedicab-Fahrer, den wir in der Dunkelheit kaum sahen, er uns aber schon lange erkannte. Er versuchte noch mal einen Anlauf, ob er uns denn fahren dürfe? Meine Frau meinte, wir seien gleich da, weshalb sich das nicht lohnen würde. Dies muss er irgendwie anders interpretiert haben, denn er fuhr wieder neben uns her, jetzt bis zum Eingang des Resorts. Er bot seine Dienste gleich für den Folgetag an, wo er meinte uns zu fahren egal wo hin.

Gut, am nächsten Tag frühstückten wir im Resort, wollten aber zum Strand und die Gegend etwas erkunden. Unser „Pedicab-Taxi“ wartete schon vorm Tor. 6 Personen sind dann doch etwas viel für einen Fahrradfahrer und wir fragten ihn, ob er nicht noch einen Kollegen kennt … die Frage war noch nicht fertig gestellt, da standen schon 2 Kollegen von ihm da und 2 weitere wollten schon einbiegen. Nun soviele Fahrzeuge brauchen wir dann doch nicht, aber 2 sind ok. Der Preis für 3 Personen und ein paar Kilometer Fahrt: 30 Pesos. Reich wird man davon nicht und das ist wirklich eine schweißtreibende Angelegenheit. Wir erfuhren von ihm, dass wenn er einen guten Tag hat, vielleicht mal mit 150 Pesos nachhause geht. Normalerweise hat er vielleicht 100 Pesos. Wer in diesem Moment noch denkt, großartig feilschen zu müssen, sollte mal überlegen, wem er an dieser Stelle den Reis vom Löffel zieht, um demnächst sich noch einen größeren Flachbildfernseher kaufen zu können?

Wir starteten nun mit der ersten „Pedicab-Taxifahrt“. Kaum sass ich drin, war ich begeistert! Kein Motorgeräusch, keine Abgase, Gemütlichkeit, Aussicht, Schatten, einfach anders – da könnte ich mich dran gewöhnen. Für die Kinder war es auch ein Erlebnis, der anderen Art. So kamen wir dann nach rund 15 Minuten am Marktplatz in Santa Fe an. Unsere beiden „Taxler“ erkundigten sich, wann sie uns denn wieder abholen könnten. Ich verstand es weniger als Aufdringlichkeit, mehr als Service, wenn gleich die Absicht mit „Pesos“ zu tun hatte. Aber das unterscheidet Stevaro als  Expat, von Stevaro als Urlauber, der sowas nun mal halb so schlimm empfindet …

Fortsetzung folgt

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