Bettler in den Philippinen

Nun, wer kennt sie nicht die Bettler. Ueberall in den Staedten kann man sie sehen. In erster Linie sieht man bettelnde Kinder, Frauen und Behinderte. Aber auch durchaus arbeitsfaehige Maenner kann man gelegentlich betteln sehen. Es gibt immer bestimmte Gebiete in einem Ort wo sie in groesseren Mengen auftreten und da wo Touristen sind, sieht man ganz besonders viele Bettler.

Das Betteln liegt sicherlich nicht immer an der Armut. Oftmals werden Frauen und Kinder vom Mann der Familie zum Betteln geschickt und gepruegelt, wenn sie sich weigern, denn der Mann ist oft zu faul, um zu arbeiten. Dann gibt es „Reiche“, die betteln gehen, weil man „gut“ verdienen kann. Es gibt Behinderte, denen echt keine andere Wahl bleibt, aber auch solche, wo die Familie die Behinderung ausnuetzt und die Behinderten zum Betteln schicken. Es soll sogar vorgekommen sein, dass Kinder absichtlich verstuemmelt werden, damit sie beim Betteln Mitleid erregen.

Es gibt verschiedene Arten der Bettelei. Kinder lungern fast immer auf der Strasse herum und folgen Passanten, die so aussehen, als ob sie Geld haetten. Und dabei koennen sie maechtig aufdringlich sein. Das Wort „bitte“ kennen sie ueberhaupt nicht und die Ansprache ist oft sehr unfreundlich wie: „Hey Joe, give me money!“ Bei solchen Anreden gibt es bei mir nichts. Viele von ihnen setzen dann eine Leichenbittermiene auf, als wenn sie im Sterben laegen, oftmals verbunden mit der Handbewegung des Essens. Aber wenn man ihnen was zu essen gibt oder anbietet, wird es oefter zurueck gewiesen.  Oft sind es auch normale Kinder die betteln. Die stehen oft auf der Strasse herum und wenn sie zum Beispiel einen Auslaender sehen, werden sie ganz schnell zum Bettelkind.  Die Behinderten sitzen oder liegen meist auf einer Decke oder Matte auf dem Gehsteig um zu betteln, wobei die Behinderung deutlich gezeigt wird. Sie sind fast immer freundlich, aber bitte scheint in ihrem Wortschatz  auch zu fehlen. Das Danke, wenn man gibt, kommt aber meistens. Viele Behinderte – insbesondere Blinde – findet man auch auf grossen Busstationen in den Staedten, wo sie entweder durch den Bus gehen, oder von Fenster zu Fenster um Almosen zu empfangen. Oft kann man auch Frauen und groessere Kinder sehen, die einen Saeugling auf dem Arm tragen und dann eben mit dem Hinweiss, dass der Saeugling Hunger hat ihre Hand ausstrecken. Aber fast alle haben etwas gemeinsam: Sie betteln mit einer Leidensmiene und weinerlicher Stimme, was mich persoenlich abstoesst.

Man muss aufpassen, denn es gibt auch organisierte Bettelei. Hier werden in erster Linie Kinder eingesetzt und die bekommen sozusagen ihr Revier zugewiesen. Die Organisation vertreibt dann Bettler, die nicht dazu gehoeren und haelt das Revier sauber. Dafuer muessen die Bettler einen Teil ihres Einkommens bei der Organisation abliefern. Es ist oft schwer zu sagen, ob ein Bettler einer Organsiation angehoert oder nicht. Bei Kindern sieht man sehr oft solche, die sehr lange, ehemals weisse, aber heute schmutzig graue T-Shirts tragen. Die sehen alle gleich aus. Sieht man solche Shirts, dann weiss man, dass derjenige die „Uniform“ der Bettelbande traegt.

Man kann auch sehr viele Blinde als „Bettelmusikanten“ sehen. Die sitzen an der Strasse oder in den Busbahnhoefen und musizieren und bekommen auch ganz schoen was an Geld zusammen. Sie spielen meist nicht sehr gut, aber fast immer sehr laut, denn natuerlich muss die Musik ueber Verstaerker und Lautsprecher kommen. Aber ich bitte euch: „Welcher Bettler kann sich das denn leisten?“ Das ist eben „Betteln zum Beruf gemacht“.

Aber die schlimmste und fieseste Art sind die „falschen Prediger“. Man sieht sie hauptsaechlich in Bussen und Schiffen. Vor der Abfahrt wird dann vor den bereits vorhandenen Fahrgaesten „gepredigt“ was das Zeugs haelt. Danach werden dezente Umschlaege verteilt, und weil es im „Namen Gottes fuer die Armen“ stattfindet, geben sehr viele etwas Geld. Da kommt dann ganz schoen was zusammen. Und was glaubt ihr wer das Geld bekommt? Natuerlich der Prediger samt Familie. Die Armen, in deren und Gottes Namen der Prediger bettelt, bekommen natuerlich nichts. Es gibt eine Familie in Cagayan, die sind auf diese Art und Weise wohlhabend geworden und haben das auch saeter mit Haus und Auto weiter gemacht.

Allerdings verbietet das philippinische Gesetz das Betteln. Und bestraft werden kann nicht nur der Bettler, sondern auch der Spender. Aber es  ist mir kein Fall bekannt, wo das Gesetz in Anwendung kam, aber denn ich habe zu diesen Kreisen auch keine Verbindung. Auch das philippinische Sozialamt weist darauf hin Bettler nicht zu unterstuetzen, da sie das abhalten wuerde eine Arbeit zu suchen. Und bei Kindern sollte man schon gar nichts geben, denn die gehoeren in die Schule.

Betteln ist philippinischer Alltag und man sollte sehr genau abwaegen, ob man was gibt. Ich selbst gebe hoechsten Behinderten etwas, aber nur wenn es keine Kinder sind, und dann auch nur, wenn die Behinderung klar ist.

Und hier noch eine kleine „Bettelgeschichte“.

In den 80er und fruehen 90er Jahren habe ich mit schoener Regelmaessigkeit einen Bettler am Busbahnhof in Agora, Cagayan gesehen. Der Bettler war „blind“ und die Augen hinter einer dunklen Brille versteckt. Er wurde meistens von einer aelteren Frau „gefuehrt“ und manchmal auch von einem etwa zehnjaehrigen Maedchen. Er machte seine Runde an den Busfenstern entlang und sprach jeden mit weinerlicher, zitternder Stimme an: „Maam, Ser!“ Und er war sehr oft erfolgreich, wie ich beobachtete. Ich sprach mit meiner Frau darueber und die meinte der sei ein „Fake“. Und so nahm ich mir eines Tages, als ich mit dem Bus ankam, die Arbeit hinter ihm und seiner Tochter in gebuehrendem Abstand herzulaufen, als diese den Terminal verliessen. Ausserhalb der Sichtweise des Busbahnhofes nahm der Mann seine Brille ab und musste ploetzlich nicht mehr gefuehrt werden. Ein „Wunder“ war geschehen. Er konnte sehen. Und 200 Meter weiter stieg er mit der Tochter in sein Auto und fuhr weg. Und am Abend wird er zu Hause fernsehen wie alle Pinoys.

Es ist eben nicht alles was es zu sein scheint!

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4 Comments
  • Amy
    Reply

    Und dann habe ich den Eindruck, es gibt noch die „Gelegenheitsbettler“. Die treten nur auf den Plan, wenn sie zufällig einen Touristen sehen. Man kann es ja mal versuchen.

  • Rai
    Reply

    Und dann habe ich den Eindruck, es gibt noch die „Gelegenheitsbettler“. Die treten nur auf den Plan, wenn sie zufällig einen Touristen sehen. Man kann es ja mal versuchen.

  • Reply

    Ich kann mich deinen Beobachtungen anschliessen.
    Manchmal, wenn ich in Cagayan bin und mir am Abend Kinder bettelnd folgen, dann sage ich ihnen nett aber bestimmt, dass sie hier warten sollen.
    Im Mc Do kaufe ich dann für jedes Kind ein Hamburger Menu und bringe es ihnen.
    Ich bleibe bei ihnen, bis sie aufgegessen haben. So haben sie wenigsten ab und zu etwas sicheres zu beissen.
    Meistens erhalte ich von ihnen ein freundliches „Thank u Sir“. Hmm, nicht immer … Aber mit vollem Mund spricht man ja bekanntlich nicht.

    Gruss aus Camiguin
    waebi

    • Kai
      Reply

      In Camiguin hast du auch eine andere „Art“ bettelnder Kinder. Das durften zumeist Kinder mit Elternhaus sein, wo es halt nicht so gut abgeht und sie essen deswegen auch. Aber der „versoffene Vater“ in der Stadt duerfte mit einem Hamburger kaum zufrieden sein.

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