Buerokratie auf den Philippinen

Die Deutschen und die Oesterreicher sind eigentlich weltbekannt fuer ihre Buerokratie. Wenn ein i Tuepfelchen im Antrag nicht stimmt, dann muss man ihn eben neu ausfuellen. Die Genauigkeit unserer Buerokratie spricht Baende. Der weltweite Kommunismus hat die Buerokratie von Seiten des Staates zu neuen Hoehen gefuehrt. Aber Buerokratie gibt es nicht nur in Europa, sondern ueberall auf der Welt. Und die Philippinen bilden da keine Ausnahme.

Allerdings hat die Buerokratie ein voellig anderes Gesicht in diesem Land. Genauigkeit ist nicht unbedingt noetig, aber die Fuelle der Formulare, die fuer verschiedene Amtshandlungen benoetigt werden, schlaegt Europa bei mindestens fuenf  „Pferdelaengen“. Ich will gerne mal einige Beispiele anfuehren.

Wenn auf den Philippinen ein Minderjaehriger einen Reisepass beantragt, dann werden nicht nur die ueblichen Papiere gefordert, sondern es muss eine eidesstattliche Versicherung der Person vorliegen, die mit dem Minderjaehrigen verreist. Dazu kommt, dass auch eine Bestaetigung des DSWD (Department of Social Welfare and Development) vorliegen muss. Wenn man nun fur einen Minderjaehrigen einen Pass beantragt, weil man eben einen haben will, falls  man mal schnell nach Hongkong oder Bangkok fliegen will, dann geht das eben nicht. Denn ohne konkrete Reiseplaene gibt es weder einen eidesstattliche Versicherung, noch eine Bestaetigung des DSWD und ohne die gibt es fuer einen minderjaehrigen keinen Reisepass. Womit Plaene der Eltern fuer den einen oder anderen spontanen Reiseentschluss von vornerein gar nicht gemacht werden brauchen. Schliesslich dauert so ein Pass schon einige Tage bis er ausgestellt ist und das ganze war frueher noch mit langen Anreisen in die Hauptstadt der Region verbunden.

Wenn man auf den Philippinen irgendetwas von einem Amt will, dann bekommt man immer eine schoene Liste von sogenannten „Requirements“, also Dokumente und Unterlagen, die fuer diesen Zeck benoetigt werden. Man macht sich geduldig an die Arbeit und wenn man dann alles hat und zum Amt zurueck geht, dann wird einem mit Bedauern mitgeteilt, dass dieses und jenes noch fehlt. Der Einwand, dass es nicht auf der Liste steht ist nutzlos, denn mit einem Laecheln teilt einem der Beamte mit, dass die Liste nicht vollstaendig sei. Nun macht man eben gute Miene zum boesen Spiel und besorgt dann auch diese Dokumente nur um bei der Abgabe zu hoeren, das man noch mehr braeuchte. Dieses Spiel geht meist dann zu Ende wenn man den Antraegen und Papieren eine „Zuwendung“ beilegt. Man wird bei solchen Gelegenheiten auch feststellen,dass bei wechselnden Beamten auch die „Requirements“ wechseln, was der eine benotigt, mag dem anderen egal sein und umgekehrt. Es wird bei solchen Gelegenheiten offensichtlich, dass die Beamten hier die Bestimmungen selbst nicht kennen und ihre eigenen Regeln machen. Das findet man wirklich auf allen Aemtern.

Fast nirgendwo auf der Welt ist es so kompliziert wie auf den Philippinen ein eigenes Geschaeft aufzumachen. Denn da spielen nun staedtische oder Gemeindebehoerden zusammen, und die Kooperation zwischen denen ist oftmals nicht sehr gut. Man benoetigt die Registrierung des Geschaeftsnamen mit dem Department of Trade und Industry, man benoetigt eine Registrierung mit der Security und Exchange Commission im Falle von Corporations und Partnerschaften, man muss sich mit dem Finanzamt registrieren einschliesslich der im Geschaeft zu verwendenden Quittungen, fuer die man dann auch noch eine „Druckerlaubnis“ braucht, man muss sich unter Umstaenden noch mit anderen Behoerden auseinandersetzen wie dem Bureau of Food and Drugs wenn es um Lebensmittel geht, verarbeitet man frisches Gemuese oder Obst kommt zusaetzlich das Bureau of Plant Industry hinzu, bei Fischverarbeitung benoetigt man zusaetzliche Genehmigungen des Bureau of Fisheries and Aquatic Resources usw. Dazu kommen dann noch staedtische Genehmigungen wie „sanitary Permit“ oder „Fire Inspection“. blah, blah, blah…..kurz und gut eine Liste ohne Ende und bis  man ueberall durch ist, ist vielleicht ein halbes Jahr vergangen, im Falle von Verarbeitungsbetrieben koennen es ohne Probleme auch drei Jahre werden. Es ist also kein Wunder, dass die Untergrundwirtschaft schneller waechst als die offizielle.

Aber die Buerokratie hat hier trotz allen Schikanen, Papieren, Dokumenten und was weiss ich nicht alles immer noch ein viel menschlicheres Gesicht als in Europa. Die Beamten sind im allgemeinen freundlich und hilfsbereit (Ausnahmen gibt es natuerlich auch hier) und man kann mit ihnen reden, wenn man z. B. ein Dokument nicht beibringen kann. Bestechung ist dabei gang und gaebe, denn ohne die wuerde man das heissersehnte „Business Permit“ nicht bekommen, oder es wuerde einfach zu lange dauern.

Es gibt ueberall bei allen Aemtern sogenanne „Fixer“ die einem fuer eine Zahlung die ganzen Laufereien abnehmen und das im allgemeinen schnell und zuverlaessig zu erledigen. Man spart meiner Meinung nach am falschen Platz, wenn man sich all den Muehen persoenlich unterzieht. Ausserdem bedeutet „Fixer“ auch Existenzgrundlagen fuer viele Menschen und deren Familien.

Aber es gibt auch ein anderes Gesicht der Buerokratie, eines an einer Stelle, wo es nun wirklich nicht hin gehoert. Die Buerokratie schlaegt naemlich auch die tollsten Blueten in der privaten Wirtschaft. Die Angestellten dort stehen ihren staatlichen oder staedtischen Kollegen um nichts nach, und damit laeuft natuerlich die Wirtschaft sehr viel langsame und zaeher. Jeder Firma hat ihre buerokratischen „Company Policies“ und da wird nicht ein Jota davon abgewichen, da wird kein Zugestaendis gemacht, da ist man wirklich „paepstlicher als der Papst“. Scheinbar will die freie Wirtschaft den Staat auf buerokratischem Wege „besiegen“, denn bei der Steuer gewinnt der Staat sowieso immer. Uns nerven viele Regeln privater Firmen wesentlich mehr als staatliche Regeln, denn bei den staatlcihen wird schon oefter mal ein Auge zugedrueckt, bei den Regeln der Wirtschaft nicht. Das ist natuerlich neben der langwierigen Prozeduren fuer eine Geschaeftseroeffnung ein echter Hemmschuh fuer die Entwicklung der Wirtschaft.

Aber vielleicht werden die Firmen eines Tages aus Kostengruenden auf diese Buerokratie verzichten und stattdessen auf Flexibilitaet bauen und dann wird auch die Wirtschaft besser florieren. Fuer die Menschen im Land waere es ein Segen.

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1 Comment
  • cris45
    Reply

    Hoi Kay,
    Besser kann man das wirklich nicht beschreiben,genau so ist es.Du beshreibst es aus deinen Erfahrungen.Was andere (viele)Expats einfach nur mit fluchen und meckern machen geht bei dir auch ohne und das finde ich gut,denn ändern können wir doch gar nichts.Wenn sich alle die über diese Ph.Bürokratie nur stänkern zusammen tun würden und mit ihrer Meinung alles besser machen wollten,dann hätten wir doch wirklich keine oder vielleicht nur noch Probleme.
    Gruss
    cris

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