Christy

In der Geschichte vom Tod meines Freundes Claus wurde Christy ja schon erwaehnt, aber es gibt viel mehr ueber sie zu erzaehlen, als was dort steht.

Zum ersten Mal traf ich Christy 2003. Damals arbeitete sie bei EPCI Bank und sie kam mit einer Kollegin vorbei um uns einen Investmentfond der Bank anzubieten. Esther, meine Bankerin, hatte mich auf ihr Kommen bereits hin gewiesen. Wir hatten allerdings am Fond kein Interesse.

Wir sahen Christy dann fuer einige Zeit nicht, da sie ja in einer anderen Zweigstelle arbeitete und ich immer alles ueber meine abwickelte und Esther sich um alles kuemmerte. Claus war allerdings in Christys Zweigstelle und erwaehnte sie gelegentlich. Irgendwann im Herbst 2004 erwaehnte Claus, dass er Christy Geld geliehen hatte und sie die Zinsen immer sehr unpuenktlich bezahlte. Ich riet ihm, doch das Geld einzufordern, auch ratenweise, denn ich hatte das Gefuehl, dass Claus frueher oder spaeter bei ihr einen groesseren Verlust erleiden wuerde. Claus folgte meinem Rat nicht und so passierte, was zu erwarten war.  Im Juni 2005 verkuendigte Claus dann stolz, dass Christy alles zurueck gezahlt hatte und er ihr kein Geld mehr leihen wuerde. Recht hatte er ja, denn wenn man Geld verleiht, dann eben nur an Menschen, die sich als zuverlaessig erwiesen haben. Christy baute zu der Zeit neben dem neuen Haus von Claus ein Badmintonzentrum mit Restaurant und einigen Shops drin. Das kostete um die 15 Millionen und ich machte mir mal die Muehe eine moegliche Rendite auszurechnen, aber selbst bei bestem Geschaeftsgang wuerde man mit Mueh und Not nur die Kapitalkosten erwirtschaften koennen. Von „Capital Return“ und „Gain“ keine Spur. Das war mal wieder eine Unternehmung, die ohne weiteres Nachdenken begonnen worden war.

Finanziert wurde das Ganze nicht mit eigenem Kapital sondern mit Krediten von der Bank und von Privatleuten, wobei alle moeglichen Landtitel als Sicherheiten dienten, denn da hatte sie nach dem Tod ihrer Tante eine ganze Reihe geerbt. Auch das Grundstueck, auf dem Claus gerade sein Haus baute war eines dieser Grundstuecke. Claus hatte das voll bezahlt, aber er war Deutscher und konnte kein Land besitzen. Deswegen machte er mit Christy aus, dass er den Titel erst verlangen wuerde, wenn seine „Adoptivtochter“ 18 wuerde, und dann koennte man das Ganze auf sie umschreiben. Sicherlich kein schlechter Gedanke, aber nun kommt eben der „Hammer“: Es gab keinen Kaufvertrag und keinerlei schriftliche Unterlagen ueber diesen „Deal“. Wie ja schon erwaehnt war Claus im Geldverleih taetig und hatte zum Zeitpunkt seines Todes Millionen von Aussenstaenden. Auch ueber diese „Verleihgeschichten“ gab es keinerlei schriftliche Vertraege. Der sonst ach so „genaue Claus“, der von allen Verwandten, Bekannnten und Freunden Genauigkeit verlangte, hatte hier uebelst gepfuscht. Und dieser Pfusch mit dem Grubdstueck sollte am Ende sehr teuer werden.

Im September 2005 laesterte Claus einmal mehr ab, dass Christy ihre Schulden nicht bezahlen wuerde. „Was“ unterbrach ich ihn, „du hast doch der nicht etwa wieder Geld geliehen?“ Claus nickte und ich schalt ihn: „Nachdem du schon Schwierigkeiten beim letzten Mal hattest und dir vor genommen hattest nichts mehr zu geben, leihst du ihr schon wieder was? Wieviel denn?“ „1,9 Millionen!“ kam kleinlaut die Anywort. „Du hast sie doch nicht alle“ warf ich ihm an den Kopf, „die Kohle kannst du dir wohl abschminken, da mir Apple erst vor ein paar Tagen gesagt hatte, dass Christy in Schwierigkeiten stecke.“ „ich werde ihr dieses Mal aber wirklich nichts mehr geben,“ warf er ein „vorausgesetzt ich kann diese Aussenstaende kassieren.“ „Viel Glueck dabei,“ meinte ich lakonisch.

Christy hatte natuerlich alle Titel verpfaendet, und so war auch der Titel von Claus‘ Grundstueck als Sicherheit bei der Bank gelandet. Aber oh weh, sie hatte zwei Titel vom selben Grundstueck und der zweite Titel war an eine reiche Familie als Sicherheit vergeben worden. Das wusste Claus damals noch nicht und wir hatten das auch erst nach seinem Tod erfahren.

Am 7. November war Claus gestorben (siehe hier)  und danach sollte es wirklich chaotisch werden. Wie schon erzaehlt, hatte Christy sich ja schriftlich verpflichtet das Grundstueck samt Haus zu erwerben als sogenannten „Repurchase“ und die 1,7 Millionen Schulden waren da auch mit drin in diesem Vertrag. (200k hatte sie ja bereits an das Krankenhaus bezahlt gehabt) Aber es kam wie es kommen musste; Christy war in grossen finanziellen Schwierigkeiten und durch das doppelte Vergeben von Titeln verschiedenster Laendereien war sie dermassen ueberbelastet, dass an eine Rueckzahlung ueberhaupt nicht zu denken war. So verstrich auch der Termin zum Rueckkauf von Claus‘ Grundstueck und dann passierte es. Christy verschwand! Eines Tages war sie weg samt der Familie und kein Mensch wusste, wo sie abgeblieben war. Die Bank lief Amok und Apple und Esther hielten mich auf dem Laufenden. Als es eine Revision gab, stellte die EPCI Bank fest, dass Christy still liegende Konten gemolken hatte und da bei still liegenden Konten jede Transaktion genehmigt werden musste, unterzeichnete sie das selbst, da sie als Assistant Manager dazu befugt war. Insgesamt ergaunerte sie sich auf diese Art ueber 30 Millionen Pesos. Wenn man dann noch die Bank- und die privaten Schulden dazu zaehlt, hatte sie ueber 80 Millionen Aussenstaende liegen, von denen im besten Fall 20 Millionen durch Sicherheiten abgedeckt waren, aber diese Sicherheiten noch viele Jahre durch Prozesse gebunden sein wuerden.

Eine der Schuldnerinnen schnappte sich in einer Nacht und Nebelaktion das Haus von Claus und mit drei „Claimants“ konnte das vor Gericht nur chaotisch werden. Es ist auch heute noch chaotisch und die Anwaelte sind kein Stueck weiter gekommen. Besitz ist nun mal 80% des Gesetzes. Die Erben von Claus duerften wohl leer ausgehen.

Christy war angeblich erst in Pampanga, dann in Ilocos, wo sie einen nahmhaften Politiker sehr gut kannte und dann angeblich in Japan. Wo sie wirklich steckt, weiss kein Mensch und bis heute hat sie sich nicht gemeldet. Das wird sie auch schoen bleiben lassen, warten doch ueber 20 Haftbefehle aus den verschiedensten Klagen auf sie.

Wahrscheinlich lebt sie ganz woanders wie die Made im Speck und lacht sich eins ueber die Dummheit ihrer Geldgeber.

The End

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1 Comment
  • Frank Baumeister
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    1.3 Mio € Ausstände (umgerechnet) … das will mir nicht einmal hier in Deutschland vorstellen, und schon gar nicht auf den Philippinen. Freiwillig kommt die „Gute“ bestimmt nicht zurück…

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