Damals: Meine erste Philippinenreise

Lang ist’s her, als ich zum ersten Mal auf die Philippinen kam. Es war 1985 gewesen. Ein Bekannter von mir war mit einer Filipina verheiratet und sie hat mir natuerlich Fotos gezeigt und sehr viel erzaehlt. Ich war neugierig geworden. Und so beschloss ich im August 1985 auf die Philippinen zu reisen. Jaja ich weiss, Regenzeit und so, aber ich konnte mich nur schwerlich informieren, da es kaum Literatur gab und in der Buchhandlung hatten sie nur einen Polyglott, der natuerlich nicht gerade viel hergab. Auch in der Stadtbibliothek war nur ein Reisefuehrer zu finden, in dem zwar viele schoene Fotos waren, aber die Infos waren auch eher duenn.

Als ich das der Frau vom Hans erzaehlte, schwaermte sie mir von Cebu vor. Schliesslich kam sie von dieser Insel. Und ich beschloss Cebu zu besuchen, da sie meinte ihr Bruder koenne mir weiterhelfen. Sie wollte, dass ich ihrer Familie viele Dinge mitnehme und meine Kleidung solle ich auf zwei Sets beschraenken, da ich dort alles spottbillig kaufen koenne. Ich stimmte zu und am naechsten Tag ging ich ins Reisebuero um den Flug zu buchen. Ich bezahlte stolze 1680 Mark. Dagegen ist fliegen heute spottbillig geworden.

Der Abreisetag kam und am Vortag hatte mich Helen noch mit allerlei Sachen beliefert fuer die Familie, dafuer brachten die Beiden mich auch nach Frankfurt. Der Flug ging am Spaetnachmittag mit Zwischenlandungen am Golf und in Bangkok.

Als ich in Manila ankam, schockte mich erst mal der Flughafen. Im Vergleich zu Bangkok war er mickrig und er war schmutzig. Der „domestic airport“ war noch schlimmer, von hier musste ich ja nach Cebu weiter. Naja dachte ich: „Dritte Welt halt, hab ja in Afrika schlimmeres gesehen.“

In einer uralten BAC 1-11 ging dann der Flug weiter nach Cebu City. Am Flughafen war natuerlich niemand um mich abzuholen und ich liess mich von einem Taxi in ein Hotel bringen. Es war das Raja Hotel am Osmena Circle gewesen, das es schon lange nicht mehr gibt. Man muss bedenken das dieses und das Khan Irak damals zu den besseren Hotels zaehlten. Gute 30 Stunden war ich unterwegs gewesen seit der Abfahrt in Bayreuth und es war nach Mitternacht, als ich im Hotel ankam.

Ich schlief also zuerst einmal und am naechsten Morgen rief ich die Nummer an, die Helen mir gegeben hatte. Dort verlangte ich nach Dodong und sagte ihm, dass  ich aus Deutschland kaeme und etliches fuer sie mitgebracht haette von seiner Schwester. Dann fragte ich, ob Helen denn nicht Bescheid ueber meine Ankunft gesagt haette und er verneinte. Anschliessend fruehstueckte ich und eine Stunde spaeter kam Dodong, ein junger Mann Ende zwanzig, untersetzt und mit auffallend grobporiger Haut. Wir unterhielten uns ganz nett und er bot mir an nur fuer das Bezahlen des  Spritverbrauches mich um die Insel zu fahren. Ich nahm das Angebot dankend an und wir machten also aus in zwei Tagen abzufahren. In den naechsten zwei Tagen stromerte ich also in Cebu herum, schaute mir die Santo Nino Kathedrale an, war in Fort Sankt Pedro, bestaunte Magellans Kreuz, flanierte in der Colon Street, besuchte den Taoist Temple, schaute am Abend ins Casino vom Cebu Plaza Hotel, bewunderte die bunten Jeepneys und last, but certainly not least, bestaunte ich die huebschen Philipinerinnen. Am Abend war ich in einer schoenen neuen Disco und es gefiel mir eigentlich recht gut.

Am naechsten Tag ging ich dann auch Klamotten kaufen und ich kann euch sagen das Zeugs war wirklich billig: Levis Jeans fuer knappe 20 Mark im Gaisano, lokale Marken unter fuenf Mark, T-Shirts ab einer Mark usw. Ich deckte mich also mit allem moeglichen ein. Ich ging dann auch noch ins White Gold und shoppte dort. Spaeter erfuhr ich, dass das auch einem Gaisano gehoert.

Dann kam der Tag unserer Abreise und wir fuhren um die Insel Cebu herum. Ins Detail werde ich hier aber nicht gehen, das mache ich spaeter in einem Reisebericht. Wir fuhren also zuerst in den Norden Richtung Bogo und dort erlebte ich meinen ersten Hahnenkampf. Anschliessend durften wir dort auch mithelfen den Verlierer zu verspeisen. Wir uebernachteten beim Barangay Captain und am Abend durften wir Tuba trinken. Das ist ein Wein, der aus der Bluete der  Kokosnusspalme gewonnen wird und die gibt es dort ja wirklich zu Millionen.

Am naechsten Tag fuhren wir dann an der Ostkueste wieder Richtung Sueden. Dodong, der Bruder von Helen hatte uebrigens so einen lokalen Ownertype Jeep und damit war das Fahren eher gemutlich.Wir hielten hie und da, schauten, fotographierten, sprachen mit den Menschen, scherzten mit den Kindern und bestaunten auch hier die huebschen Maechen. Und am Abend schliefen wir in der einzige Pension des Ortes Balamban. Das war eine Herberge, sag ich euch. Klo gab es nur auf dem Gang; die Zimmer waren gerade so gross wie Karnickelstaelle und auf dem Bett gab es nur eine Matte und keine Matratze.

Abendessen gab es beim Pfarrer des Ortes und das war eine interessante Begegnung. Aber davon werde ich im spaeteren Reisebericht erzaehlen.

Am naechsten Tag stand Moalboal auf dem Programm und hier war ein wenig mehr los als in den anderen Orten. Wir uebernachteten in Pacitas Nipa Huts und assen das Abendessen irgendwo am Strand in einem Restaurant. Damals gab es auch noch Sand am Strand.

Am naechsten Morgen machten wir einen Ausflug zum white Beach, aber es gab keine Strasse und so mussten wir laufen. Dannach ging es zu den Kawasan Faellen bei Badian und dort kletterten wir bis ganz nach oben und badeten dort auch. Uebernachtet wurde bei der Grossmutter von Dodong in Alegria.

Am naechsten Tag machten wir dann den suedlichen Teil der Ostkueste, die uebrigens wunderschoen ist und fuhren an der Westkueste zurueck bis nach Argao. Dort uebernachteten wir im weltberuehmten Argao Beach Club, den es damals noch gab. Nach der Edsa Revolution wurde der Beach Club nach kurzem Betrieb geschlossen und ist verfallen. Zur Zeit wird dort wieder „aufgeruestet“.

Am folgenden Tag kamen wir wieder nach Cebu City und zurueck ins Raja Hotel.

Ich blieb noch zwei Tage in Cebu City und plante schon meine Weiterreise nach Bohol. Am Vorabend meiner Abreise rief mich Dodong im Hotel an und lud mich auf die Geburtstagsfeier seiner juengsten Tochter ein. Eine philippinische Feier wollte ich mir natuerlich nicht entgehen lassen. Und so ging ich hin. Es waren viele Leute dort und der Tisch war voll mit lokalen Speissen. In der Mitte prangte ein Spanferkel, das bei einem philippinischen Fest einfach nicht fehlen darf. Es schmeckte allen sehr gut und hinterher wurde die Gitarre ausgepackt und die Pinoys sangen, was sie gerne machen und oft auch recht gut koennen. Auf diesem Fest wurde mir auch eine junge Dame vorgestellt und ich verschaute mich Hals ueber Kopf. Wir unterhielten uns sehr lange und beschlossen uns morgen zu treffen. Ich verschob daher meinen Trip nach Bohol.

Naja am naechsten Tag trafen wir uns, und da sie nicht nach Bohol mitreisen wollte, blieb ich eben in Cebu. Wir verbrachten eine gute Zeit zusammen, aber wie es damals noch haeufig war, fanden die ersten drei Treffen mit einem Anstandswauwau statt. Danach? Nun wirds privat und wir wollen das Maentelchen des Schweigens darueber ausbreiten.

Die drei Wochen gingen viel zu schnell vorbei und ich musste zurueck nach Deutschland.

The End

Share This Post
Related Posts
Chief Justice Corona: Ein „Opfer“ praesidentlicher Willkuer
Kreuzigungen auf den Philippinen
Eine verrueckte Geschichte 7. Teil
2 Comments
  • Reply

    […] damals 1985, als Marcos noch Praesident war, es aber im “Untergrund” schon brodelte. Hier koennt ihr ueber die Reise nachlesen, aber die Rundreisedetails gibt es nur an dieser […]

  • Reply

    Danke für die interessanten Berichterstattung über die Philippinen. Ich war vorletztes Jahr zum ersten Mal in den Philippinen und würde sehr gerne zurückgehen, um dieses interessante Land noch mehr zu entdecken. Ich war mit dem Reisebüro meines Bruders (s. Webseite). Seine Frau ist Philippinin. Sie sind mindestens einmal pro Jahr in den Philippinen.

Leave Your Comment

Your Name*
Your Webpage

Your Comment*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>