Das Bett – Made in Philippines (Teil 2)

Als ich noch gesund war, ich Geld verdienen wollte und man mich gefragt hätte, ob ich denn jemand kenne der sowas baut, hätte ich bestimmt niemanden weggeschickt. Da lass ich mir doch erklären, was man will und für 2 satte Monatsgehälter kann man aber durchaus selbst Hand anlegen oder mal einen unter der Hand beauftragen. Naja – nicht jeder will sich das Geld verdienen (hungrig scheint ja auch niemand zu sein) und ich selbst muss ja noch lange nicht der Masstab sein! Aber der Geschäftssinn der Philippinos ist nicht zu vergleichen mit dem der Chinesen im Land. Auch wenn sie noch so oft auf diese „bösen und geldgierigen Intsik“ schimpfen.

Also gingen wir nach Colon. Nach dem Besuch mehrerer Manufakturen, mit denen wir jedoch nicht weiterkamen, sahen wir einen Laden, indem man unseren Wunsch verstand und für rund 9.500 Peso das Stockbett bauen wollte. Ergänzen sollte man noch, dass dieses Bett massiv aus Holz und sehr stabil gebaut wird. Der Lattenrost scheint zumindest unverwüstlich beschaffen zu sein. Da ich aber mit dem Preis noch nicht ganz glücklich war und mir was die Masse angeht wohler fühlen würde, wenn der Bettenbauer die Matratze mal gesehen hätte, riefen wir ihn abends nochmal an, bevor wir den Auftrag vergeben wollten. Doch schon beim ersten Wort hatte der plötzlich gar keine Zeit mehr, um uns das zu bauen!

Also hat der in den wenigen Nachmittagsstunden entweder einen „Lottogewinn“ mit einem irren Großauftrag an Land gezogen oder hat er bzw. seine Frau (die machte schon gleich so einen gierigen Eindruck) seine Kalkulation unseres Bettpreises nochmals durch gegangen. Vermutlich war es das letztere und er hat bemerkt, dass er zu wenig daran verdient (zumal das ja für einen Ausländer ist).

Also durften wir nochmals losziehen. Diesmal ging es in einen Laden, wo die Chefin selbst einen interessierten Eindruck machte und sowohl das Verkaufsgespräch führte als auch die Preisverhandlungen. Allerdings fast 13.000 Pesos sind ja schon ein stolzer Preis – auf alle Fälle im Vergleich zu dem unseres „Lottogewinners“. Immerhin konnten wir vom Preis noch etwas runterhandeln und wir einigten uns auf 11.500 Pesos. Ist zwar immer noch kein Schnäppchen, aber solide Arbeit hat seinen Preis (dachten wir zumindest).

Achja, ohne Anzahlung geht natürlich nichts. 2 Drittel wollte die Gute. Das war dann aber doch zu viel, wir gaben ihr die Hälfte und liessen uns das quittieren. Sie schrieb uns noch die Telefonnummer auf, da wir vor Fertigstellung das ganze begutachten wollten, um gegebenenfalls noch korrigierend eingreifen zu können.

Nun wir näherten uns bereits dem geplanten Fertigstellungstermin und wollten anrufen. „out of service“ war die lapidare Message die eine Ansage runterleierte. Da dies über Tage so ging, schaute ich bei der Hausverwaltung unseres Condos doch mal in ein Telefonbuch. Aha – falsche Nummer – sah ich, schrieb die neue auf und rief an. Kaum zu glauben, aber auch die war „out of service“. Rechnung nicht bezahlt, heisst das auf deutsch, bestätigte mir leider auch die Hausverwaltung.

Wieviel haben wir anbezahlt? Aua – da wirds aber eng! Also wieder nach Colon, der Laden stand aber immer noch da. Die Besitzerin erkannte uns auch wieder und zeigte uns das fast fertige Bett. Die finale Lackierung fehlte noch, aber sonst sah alles recht gut aus. Lediglich schwebte in dem Hinterzimmer der Gestank von Lösungsmitteln, der selbst mir auffiel, obwohl mein Riecher sonst fast komplett ausfällt.

Da wir von der Holzbeize etwas dreckige Finger bekamen, wollten wir uns die Hände waschen. Doch dann folgte etwas was ich noch nie gesehen habe: die gute Frau holte einen Schlüssel, um den mit Holz und einem Schloss verriegelten Wasserhahn freizulegen! Haben die Angst davor, dass ihre sicher unterbezahlten Arbeiter das Wasser klauen? Ich dachte ich bin im Film …

Und dann fragte uns die Besitzerin noch, ob wir jetzt bezahlen wollten. Das ist ja wohl der Gipfel! Am Folgetag sollte geliefert werden und dann bezahlen wir, sofern alles ok ist. Weshalb ihr Telefon nicht ging, erklärte sie übrigens mit einem Defekt – na wenn man das jetzt so nennt! Oder meinte sie einen Defekt auf dem Konto, da das Geld zu schnell verschwindet?

Nun am Tag darauf wurde endlich geliefert. Die Hausverwaltung schlug das Doppelbett ab und dann kam das Installationskommando. Kopfteil, Fußteil, Mittelteil – moment … da stimmt was nicht! Ich holte das Massband und tatsächlich! Die Breite des Kastens war 41 Zoll, also 104 cm und nicht 120 cm. Dabei hatte ich denen bei Auftragserteilung ein Bild gemalt wie es aussehen soll und ganz groß die Masse daran geschrieben. Aufregung machte sich breit, die „rechte Hand“ der Chefin hatte den Auftragszettel dabei. Gerade rechtzeitig, als sie zu Hause anrief und ihr Problem schilderte, drehte sie den Zettel um und meine Zeichnung mit den Abmessungen kam zum Vorschein.

Ein typischer Fall von „dumm gelaufen“. Sie bekam wohl den Rückzug empfohlen, den sie auch fast diskussionslos antrat. Aber nicht ohne uns zuvor noch zu empfehlen, zwei passende Matratzen für das gelieferte Bett zu kaufen. Solch ein Blödsinn, dann hätte ich auch ein Bett von der „Stange kaufen“ können, das wäre viel billiger gewesen. Also sie wollten eine Woche später wieder kommen, mal gespannt obs dann passt, immerhin konnten wir ihr noch eine dritte Telefonnummer entlocken …

Eine Woche verstrich ohne irgendeine Aktion. Wir probieren wieder das Telefon, klar „out of …“, was auch sonst! Also fahren wir wieder hin. Aussage war: sie wollen eventuell Mitte nächster Woche „was tun“ – aber ich weiss nicht so genau was? War wahrscheinlich eine Umschreibung dafür, dass die Chefin noch nicht weiss mit welchem Geld sie welches Material kaufen kann, denn zu sehen gab es nix. Wir bestehen darauf endlich für unser geleistetes Geld etwas brauchbares zu sehen! Und fahren nach hause um über einen Plan B nachzudenken.

Als man endlich liefert, sogar mit den richtigen Massen … Nein – Nerven schonen und nicht noch mehr Details! Das Bett steht, aber wirklich gute Arbeit ist anders …

Als Konsequenz für die Zukunft: entweder steht etwas so da wie es dann auch sofort brauchbar angeliefert und aufgestellt wird oder wir vergessen alles weitere … Jedenfalls „anfertigen“ lassen wir so schnell nichts mehr!

Aber wer das Land kennt, der weiss warum hier fast nichts auf Anhieb klappt und warum der „Einäugige“ hier oft „König unter den Blinden“ ist! Also zurücklehnen, tief durchatmen und ein kühles SMB trinken.

Ende gut – alles gut.

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