Das Handy 2. Teil

Ich lies mich diesmal aber nicht beirren (fürs nächste Jahr bin ich ja vorgewarnt, da darf dann der Guard am Tor besser aufpassen, sonst beginnt das neue Jahr für ihn mit Jobsuche!) und wir boten der Chaostruppe ein Frühstück an. Da die aber lieber Bier als Kaffee wollten (ich musste mich schon dagegen wehren, mein Bier aus meinem eigenen Kühlschrank zu trinken, welches die so freizügig verteilten!) und Nardos Haarschnitt auch nicht gerade das meinen Kindern vermittelte, was wir bislang als „intakte“ Familienverhältnisse bezeichneten, gab es nachdem jeder von denen ein paar Peso bekam, doch einigen Erklärungsbedarf unseren Kindern gegenüber. Aber seitdem fällt im Zusammenhang mit „ausgefallenen“ Haarschnitten öfter mal der Name „Nardo“, dessen Tochter man nach diesem doch „weiteren Ausholen“ nun vielleicht etwas besser versteht. Tja, aber meine Schwägerin hat irgendwie nicht nur ein kurzes Geburtstagsgedächtnis, sondern vergisst wohl auch gerne Telefonnummern. Denn nur kurz darauf sendet sie vom Handy ihres Mannes (und da fragte ich laut warum sie denn dann das Handy ihres Bruders überhaupt ausleihen musste? Ups – Stevaros Kotterschnauze schlug mal wieder unkontrolliert zu …) die Bitte, die Rufnummer von Nardos Schwester zuzusenden. Da müssen dann aber bei ihrem Bruder alle Lampen schlagartig auf „Rot“ umgeschaltet worden sein, jedenfalls sagte er am nächsten Tag dorthin gehen zu wollen, da er sein Handy wieder bräuchte. Nun ging er am anderen morgen gleich los, sagte noch was von „Fahrrad reparieren“ und war weg. Da er aber bei seiner Schwester wohl kein Essen erwarten kann und er in solchen Fällen immer sehr schnell an den „vollen Teller“ zurück kehrt, dachte ich schon, dass er schnell wieder käme. Als er nach 4 Tagen immer noch nicht da war, dachte ich dass er vielleicht gar nicht dort ankam, wer weiß er sieht wirklich sehr schlecht, da kann schnell etwas passieren …

Also rief meine Frau dort an und erfuhr von ihrer Schwester folgendes: Da sie (meine Schwägerin) und ihre Kinder so hungrig waren, haben sie sich das Handy geliehen und das dann einem Pfandleiher gegen 500 Peso Bargeld gegeben! Stop, stop, stop! Bevor die Frage jetzt von Euch kommt, lest die Antwort: Nein – den Handybesitzer muss man nicht unbedingt vorher deswegen fragen oder wegen solch einer Lapalie behelligen … so dumme Gedanken hat man höchstens in Deutschland! Da sind wir aber gerade nicht.

Inzwischen wollte der Pfandleiher aber mehr Geld zurück und traurig wie es ist, hätte sie selbst die 500 Peso niemals zurück zahlen können, geschweige denn mehr – wovon auch. Also war ihr bestohlener Bruder die letzten Tage unterwegs als Eisverkäufer, um die Schulden seiner Schwester zu bezahlen und sein Handy wieder auszulösen. Deshalb lag er auch bereits um 7 Uhr abends, schon total erschöpft im Bett. Nun gingen aber bei mir sämtliche Alarmbirnen auf Rot! Denn meine Schwägerin hat bis kurz vor der Geburt immer mal bei uns im Haushalt geholfen. Aber nach diesem Intermezzo wird sie unser Haus sicher nicht mehr unbeobachtet betreten. Diese Elster lade ich doch nicht noch zum Diebstahl ein!

Naja bin mal gespannt, welche Erfahrungen ihre Cousine in Singapur mit ihr macht. Denn die hat meine Schwägerin kürzlich wohl in einem ziemlich bemitleidenswerten Zustand erwischt: sie war noch schwanger, zuhause gab es nur Geschrei und Schlägerei und so hat meine Schwägerin von ihrem Mann wohl was auf die „12“ gekriegt, was man an einer Beule auf der Stirn auch sehen konnte. Und gerade in diesem Moment lief die Cousine aus Singapur mit ihrer Schwester (das ist jene, welche ihr die „bombensichere und wahnsinnig zuverlässige“ Kalendermethode zur Verhütung beibrachte, wegen der sie jetzt auch schwanger ist!) an deren Haus vorbei und hörte das Theater. Wahrscheinlich beschwerte sie sich mit ihrem „Horn“ am Kopf über ihre böse Schwester und deren geizigen deutschen Ehemann, der sie seelenruhig vor die Hunde gehen lässt … ich weiß es nicht, ist mir ehrlich gesagt auch wurscht.

Jedenfalls hat sie die Cousine vermutlich eingelullt und die wird sie jetzt als Haushaltshilfe nach Singapur holen. Ich danke Gott täglich auf allen vieren für die Lösung und hoffe dass die Sache nicht noch vor dem Abflug in die Hose geht! Aber man wird vorsichtig, denn auf den Philippinen „kotzen“ an jeder Straßenecke die Pferde vor die Apotheke … Wobei ich mich dann doch manchmal frage: Sollten wir die einladende Cousine eigentlich nicht vorher warnen, dass sie noch rechtzeitig ausreichend Nägel und Hammer einkauft und alles was nicht mit Wurzeln in der Erde festgewachsen ist oder wegen seines Gewichtes nicht zu verschleppen möglich ist, festnagelt? „Mmmh … – Nein!“ Ich lasse mir nicht wieder von denen vorwerfen, mich in Dinge einzumischen die mich nichts angehen. Ausserdem hat deren Schwester (die mit dem schwangeren Kalender!) immer behauptet, dass meine Schwägerin sie bestohlen hätte. Also hat die doch auch einschlägige Erfahrungen und diese bestimmt gewarnt – oder?

Aber vielleicht kapiere ich dummer deutsche Junge sowieso nix: denn seit wann ist es denn auf den Philippinen moralisch verwerflich einen „Foreigner“ zu bestehlen? Und genau da liegt ja mein Problem: das ist nämlich gar kein Diebstahl! Das ist lediglich eine zeitlich unbegrenzte „Dauerleihe“, bei der man wegen „I’m too shy“ und „I forgot“ vorher nicht gefragt hat. Hat zwar lange gedauert, aber jetzt hab ich’s kapiert!

Nun meine beiden fast blinden Schwager, sahen bei der Geschichte auch nicht wirklich souverän aus, dass die sich nun mächtig schämten. Und so zogen sie den Blitzentschluss, auf unser Grundstück nach Leyte zurück zu gehen, um Kampfhähne zu züchten, Kranke zu heilen oder blinde Mädchen zu schwängern – äh zu ehelichen – oder irgend einen anderen Unfug zu treiben. Habe sie noch wissen lassen, dass sie aufgrund ihrer Blindheit im Dschungel besonders gefährdet für Verletzungen und Erkrankungen sind, deren Behandlung ich dann aber sicher nicht zahlen werde! Ob sie es kapiert haben? Ich glaub es weniger …

Zeitsprung. So geht es weiter wie gehabt: eigentlich nix wirklich Neues unter der Sonne. Und bevor die superschlauen Kommentare und Rechtferigungen kommen: Ja ich weiß, das ist alles eine Ausnahme, denn andere haben nur ordentliche Verwandtschaft wo sowas natürlich nicht passiert! Mein Tip: klopft Euch schnell mal selbst auf die Schulter, bevor die Realität Euch rechts überholt … denn inzwischen hat das Pferd ultimativ vor die Apotheke gekotzt, weshalb morgen in der Bildzeitung stehen wird: „Hungrig heimgekehrt: Blinde Brüder beenden Trip“ und „Cousine in Singapur verweigert Asyl“. Zu Deutsch: Shit happens …

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    Diese Geschichten hier habe ich alle gelesen. Sie sind mit das Beste, was ich seit langem im Internet gefunden habe. Gierig warte ich immer auf neue Geschichten. Danke dafuer!
    Nach fast 10 Jahren Philippinen ist auch mir gerade der Inhalt dieser Geschichte leider nicht fremd. Aber das Beste in dieser Richtung habe ich erst kuerzlich aus erster Hand erfahren:

    Meine langjaehrige, sehr gute philippinische Sekretaerin lebt mit ihren 4 Kindern und ihrem Mann in einem sehr grossen Haus. Auch ihre beiden Eltern leben da und auch die eine Schwester ihres Vaters mit ihrer Familie. Eines Tages sterben leider kurz hintereinander beide Elternteile meiner Sekretaerin. Kaum waren diese unter der Erde kommt die Schwester ihres Vaters bei ihr an und sagt, dass sie jetzt Miete zahlen muessten, das haette vorher immer ihr Vater getan, auch fuer ihre Familie. Ok, also wird Miete gezahlt, wenn das so ist, das Haus scheint ihr ja dann zu gehoeren. Gesprochen wurde darueber vorher nie. Nun stand die Wohnung ihrer Eltern leer und die Schwester versuchte diese schon seit langem zu vermieten. Eines Tages findet sie jemanden und ein Anwalt zieht ein. Letzte Woche sitzt der Mann meiner Sekretaerin beim Bier im Garten. Der neue Nachbar gesellt sich dazu. Nach einigen Bierchen fragt er, warum sie denn Miete zahlen wuerden. Bobby (so heisst der Mann meiner Sekretaerin) sagt, er versteht nicht. Nun ja, da erzaehlt dieser Anwalt, dass die Schwester ihn neulich um Rat gebeten hatte. Sie wollte den Titel des Grundstueckes und Hauses auf ihren Namen uebertragen und fragte um Hilfe. Der Anwalt sagte, dass sie dafuer die Unterschriften aller Kinder des verstorbenen Mannes benoetigen wuerde, denn das Grundstueck und Haus wars seins …

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