Das Handy 1. Teil

Heute ist Montag, nach einem Wochenende, welches mal wieder besonderes Kopfschütteln bei mir auslöste. Denn vor gut 2 Wochen, hat meine Schwägerin mit 38 Jahren ihr neuntes (!!!) Kind bekommen oder war es doch schon das zehnte? – egal. Vom Handy ihres Mannes aus, schickte sie aus dem Krankenhaus heraus eine SMS, wohl in der Hoffnung irgend etwas materiell Zählbares dafür zu erhalten. Meine Frau fand das aber eher zum Ignorieren … sie weiß wohl warum.

Naja etwa 3 Tage später schwebte dann die Schwägerin doch bei uns ein, wie sich zeigen wird, finanziell völlig abgebrannt und hungrig. Das Kind lies sie dann immerhin doch zuhause. Wir lassen sie bei uns mit essen und geben ihr noch etwas Essen mit nach Hause, da warten schliesslich ja ihre hungrigen Kinder. Später hören wir, dass sie bereits in der Nachbarschaft und bei anderen Verwandten gebettelt hat. Die haben sie dann zu uns geschickt, naja was solls …

Sie weiß inzwischen dass wir ihren Bockmist, der sich offensichtlich in immer kürzeren Zeitabständen wiederholt, nicht kommentarlos hinnehmen und so macht sie normalerweise natürlich einen Bogen um uns. Wie meinte sie doch kürzlich: sie hätte ihr Gesicht verloren und könnte uns deshalb nicht mehr anschauen. Dachte noch: „Na Mädchen, alles halb so wild, Hauptsache Du verlierst Deine Stimme nicht, mit der Du Deine Schwester am Telefon immer anbettelst …“ Ist das böse? Aber ja, das ist purer Zynismus, was auch sonst!

Bevor sie geht, schwatzt sie ihrem Bruder, der materiell gerade seine Kleider am Leibe „sein Eigentum“ nennt und ein Handy, das er vor Jahren geschenkt bekam, genau dieses ab. Sie müsse es ausleihen, da ihr Mann wieder auf eine andere Insel zur Arbeit müsse und sie dann nicht erreichbar sei … bla bla bla. Ich denk mir meinen Teil, aber was gehts mich an, wenn erwachsene Menschen einen unlogischen Schwachsinn miteinander vereinbaren. Von Anderen wissen wir ja auch, dass deren Kinder auf Kosten von im Ausland arbeitenden Verwandten „ausgebildet“ werden, die wohl aber des Öfteren ihre Zeit beim „Zocken“ zubringen und das Ausbildungsgeld sonstwie verjubeln.

Da gibt es Geschichten von Leuten, die sich von den im Ausland lebenden Verwandten Geld leihen, um Taxis zu kaufen. Kurz nach Bezahlung kommt die Polizei beschlagnahmt alles, Taxi weg, Geld weg, aber das sind ja alles nur ehrliche Menschen – nein eigentlich Heilige, für welche die dumme Verwandtschaft im Ausland ihre Hände ins Feuer legt. („Leute sagt mir Bescheid, wenn die „durch“ sind. „Adidas“ sind lecker, ich bring Ketchup mit!“) Wer hier die Wahrheit ausspricht, ist anschliessend der Böse oder der Dumme oder Beides zugleich! Also halte ich doch meinen Mund. Wenn die Pinoys so ticken und statt Löcher zu stopfen, nur andere aufreissen… ? Mir egal. Mit der Zeit stumpft man ab, denkt sich seinen Teil und hält die Klappe (nach dem Motto: wo ich mich raushalte, komm ich schon mal in nichts rein …).

Nun war am letzten Montag der Geburtstag unseres Pflegekindes. Ihre Mutter (meine Schwägerin, die „Handyleiherin“) rief an, wir dachten um ihrer „leiblichen“ Tochter zu gratulieren, doch weit gefehlt. Sie wollte nur die Telefonnummer von ihrer Tante, da deren Bruder Nardo (ein notorischer Säufer) im Krankenhaus lag und sein „Testament“ seiner Schwester erzählen wollte, das Geheimrezept für leckeres Hunde-BBQ oder was weiß denn ich. Meine Frau gab ihr die Nummer, konnte sich dann aber doch nicht verkneifen zu sagen, dass wenn man soviele Kinder hat, wohl irgendwann den Überblick mit den Geburtstagen verliert (wir ergänzen uns hier und da, wie man sieht …).

Wegen Nardo sollte man vielleicht wissen, dass er kürzlich in ein Krankenhaus mit Wasser im Brustkorb eingeliefert wurde, welches sich aufgrund einer TB bildete. Das Krankenhaus macht von aussen und von innen eher den Eindruck, dass man hier alte und leidende Hunde einschläfern lassen kann, aber weniger danach, wieder gesund werden zu können. Jedoch wir leben in einem Entwicklungsland, also Augen zu und durch …

Nachdem Nardos älteste Tochter neben seinem Krankenbett vor Erschöpfung umgekippt war, ging meine Frau ins Krankenhaus und bezahlte erst mal das Notwendigste (etwa 3.500 Peso). Nardo und seine Tochter waren gerührt, wenn gleich die Tochter inzwischen von ihrem Vater mehr als enttäuscht ist und auch sagte, dass sie ihn am Liebsten in eine Kiste packen und im Meer versenken würde. Das hört sich herzlos an, aber das Mädchen hat wirklich mehr um die Ohren, als es ertragen kann. So ist ihre Mutter vor wenigen Monaten mit einem anderen Kerl durchgebrannt und hat die kleinen Kinder beim versoffenen Mann zurück gelassen. An wessen Backe klebt der Mist? Richtig – die älteste Tochter muss sich um den kranken Vater, die Geschwister, den Haushalt, den Job usw. kümmern und vielleicht noch aufpassen, dass der alte Säufer sie nicht noch zwischen Tür und Angel an irgend einen Perversen verkauft …

Bei ihren Brüdern läuft auch nicht alles rund, dass zumindest einer davon sich vor der Polizei auf einer Nachbarinsel verstecken muss, weil er wohl etwas zuviel mit Drogen hantierte. Allerdings erzählt er immer die Story, dass er des Hühnerdiebstahls bezichtigt würde, da er wegen der vielen hungrigen Geschwister zuhause, sich an Nachbars Huhn vergriff … Hahaha, Geschichten gibt’s … Der eine kauft gestohlene Taxis, der andere klaut Hühner, die aber heimlich Shabu gefressen haben und sich jetzt … (lassen wir’s, die Sache ist zu ernst, als dass man sie ins Lächerliche ziehen sollte).

Nardo kam dann kurz nachdem seine Frau abgehauen ist, mit einem „Irokesen-Haarschnitt“, seiner Schwester sowie einem weiteren Bruder an Weihnachten zu uns. Allerdings nicht im Stil der drei Könige, die Weihrauch, Myrrhe und Shabu oder so ähnlich bringen, sondern zum Betteln! Vor Jahren, als wir in den Ferien hier waren und im Hotel übernachteten, haben die uns schon mal „überfallen“! Ich saß morgens nach dem Frühstück noch auf der Toilette, als jemand die Klotür aufriss. Als ich auf die Toilette ging, wusste ich gar nicht, dass wir Gäste haben – jetzt schon! Der Tag war gelaufen, aber nicht nur für mich, denn ich habe die Säufertruppe damals kurzerhand aus dem Hotel geworfen. Zwar war ich fortan der böse Foreigner ohne Manieren, allerdings haben die Schluckspechte zwischenzeitlich auch nichts in Sachen „Manieren“ dazu gelernt. Oder warum nur meinten die wohl, dass man einen Weihnachtstag bei der Verwandtschaft mit Betteln beginnen soll? Wie auch sonst – so dumm kann ja nur ich fragen!

Fortsetzung folgt

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