Das nackte „Schwein“

Sicher werdet ihr euch fragen, was hinter diesem Titel steckt. Ich kann euch versichern, es geht um nichts pornographisches hier. Aber ich habe es nun eben zum xten Male gesehen und dachte mir, das ist sicher ein paar Zeilen wert.

Filipinos feiern gerne –  das machen ja fast alle Menschen – aber selten wird der letzte Peso anderswo in eine Feier gesteckt so wie hier. Selbst bei aermeren Leuten muss bei Fiesta aufgetischt werden und der Geburtstag dementsprechend gefeiert werden, obwohl das eher bei dieser Gruppe noch in Massen geschieht, wobei aber der letzte Peso durchaus die „Gurgel“ runter fliesst. Ab Mittelstand wird es jedoch „lustig“, denn da laesst man es richtig krachen. Selber kochen ist in vielen Faellen out und man laesst kochen. Die vielen Caterfirmen beweisen, dass das Geschaeft bleuht und jedes Restaurant bietet Catering als Zusatzleistung an. (Wer es nicht weiss, Catering heisst Essen und Geschirr samt Tischen und Stuehlen ins Haus liefern einschliesslich Bedienung am Bueffet.) Unvermeidbar dabei ist natuerlich das Karaoke System, denn singen tun sie fuer ihr Leben gern, wobei die Qualitaet des Gesanges proportional mit dem Alkohlkonsum abnimmt. Reichere Leute heuern eine Lifeband an, denn das ist „in“. Und man zeigt halt gerne, dass man’s  hat.

Ich selbst bin kein so grosser Freund von diesen Feiern und halte meine Geburtstagsparty lieber im kleinen Kreis. Mein Sohn und meine Frau denken da aehnlich wie ich. Nicht so meine Tochter; sie ist sehr philippinisch und kracht gerne auf. Gestern hatte meine Frau Geburtstag und heute meine Tochter und so wurde gestern gefeiert, da ja um Mitternacht der Geburtstag von Marion auch beginnt. So war es schon immer, aber in der Vergangenheit waren das eben kleine familiaere Parties. Aber gestern am fruehen Nachmittag kam der Caterer und baute erst einmal Tische und Stuehle samt der „Gesangsanlage“ auf. Ich musste meine Autos auf der Strasse parken, da die offene „Zeltgarage“ ja fuer das Bueffet gebraucht wurde. Hundert Gaeste waren geladen und 150 sind wohl gekommen. Um acht Uhr begann dann das „grosse Fressen, denn das gehoert nun mal dazu. Und ein Lechon (ueber Holzkohle gegrilltes Schwein) gehoert selbstverstaendlich auch dazu, denn keine Party ist vollkommen ohne das gegrillte „Spanferkel“, wobei die aber etwas groesser sind als bei uns in Deutschland. Zwischen 20 und 40kg duerfen sie schon wiegen, ansonsten nennt man das Lechon de Leche, was eher unseren Vorstellungen eines Spanferkels entspricht.

Die Gaeste „griffen“ also an und standen am Bueffet um sich ihre Teller zu beladen. Bei so manchem Teller haette man einen Zaun herum bauen muessen, voll wie die waren. Auf die Idee, dass man zweimal gehen kann, kommt scheinbar keiner. Oder ist es die Furcht das bei einer zweiten Runde moeglicherweise nichts mehr da ist?

Nachdem die Teller auf dem Tisch abgestellt waren nahm man einen zweiten Teller und attackierte das Lechon. Und wie immer war das Schweinderl innerhalb von fuenf Minuten total „nackt“, das heisst die knusprige Haut war entfernt worden, obwohl noch kaum Fleisch abgeschnitten war. Ich habe noch keinen Pinoy kennen gelernt, der auf die Haut nicht „abfaehrt“ und selbst die zahnlose Oma bekommt ihren Anteil, auch wenn sie nur darauf herum lutschen kann. Und wer zu spaet kommt, der kriegt keine knusprige Haut mehr ab. Diese „Hautexzesse“ kann man bei jeder Party beobachten.

Uebrigens ist das bei gegrillten Huehnchen aehnlich. Jeder „klaut“ Haut! Mittlerweile verkaufen ja die Huehchenfabrikanten vom Verarbeiten uebrig gebliebene Haut, die dann an Barbecuestaenden knusprig gegrillt wird. Und sie gehoert zu den ersten Spiessen, die ausverkauft sind.

Nach dem Essen wurde gesungen und das Bier floss in Stroemen. Allerdings gab es keinen Schnaps zu trinken, da meine Tochter nicht wollte, dass alle innerhalb einer Stunde besoffen sind.

Und sie hat 40.000 Pesos fuer die Party ausgegeben. Gut dass es ihr Geld war und nicht meines. Wenn ich mir vorstelle, was man dafuer alles kaufen kann, tut mir das fast schon weh. Aber jedem das Seine!

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3 Comments
  • Romanus Kaufmann
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    unser lechon oder spannferkel haben wir als „grundstein-legung“ für unser haus gemacht. das tier wurde um 11 uhr geschlachtet, das blut auf dem gelände verteilt, für die guten oder gegen die bösen geister … ich weiss es nicht, ich habe das ritual delegiert -:)und wir wollten es auch als begrüssung und „befriedung“ mit allen unseren neuen nachbarn …
    das spannferkel und das fest war um 17.00 bereit. zuerst hätte ich das tier mit dem bulo (bolo) selber aufschlagen sollen … das konnte ich glücklicherweise umschiffen, da gerade der vater der land-besitzerin an forderster front stand.
    dass ich nun den ersten teller erhielt ist ja mehr als klar … aber was lag darauf? haut, schwarte – 7 cm fett und wenig fleisch. mir wurde beim anblick schon fast übel … und meine frau (expat und vegetarierin) haben uns lange angeguckt. verstohlen habe ich das fett in das tobel geworfen … und mit grossem staunen zugeguckt, wie die schwarte und das fett im nu weg war. in fünf minuten nur noch fleisch am knochen??!!
    nachtrag: es war unser erster enger kontakt mit pinoys und familien. wir sind in einer armen ecke, wo hunger z.t. alltag ist. das fett ist nahrung und betriebs-stoff. wir dickbäuche brauchen nicht noch mehr fett – das war vor 50 a bei uns auch anders …
    gruss – muurer

  • Annie C.
    Reply

    Bwhahahaha! Arme sau!…auf Deutsch gesagt. Es ist sehr interessant beschrieben…die ganze Philippinische art zu feiern. I am very much amused! Ich bin Pinay aber „Lechon“ ist nicht mein fall.

  • Reply

    Also, in Sachen „Hautklau“ war ich schon immer Pinoy und hatte nie ein Problem, mich anzupassen … 😉

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