Delikatessen oder nicht? Seltsam oder normal?

Die Frage in der Ueberschrift sagt nicht unbedingt etwas ueber das Thema aus, aber es geht heute mal wieder um eine der Lieblingsbeschaeftigungen der Menschen: Das Essen! Wobei man sich ueber das Wort Delikatessen oder seltsam sicherlich streiten kann, denn Geschmaecker sind verschieden.

Auch hier gibt es einige „Absonderlichkeiten,“ aber fuer die Pinoys eben durchaus normales zum essen. Und so manches was wir essen, finden die Pinoys schlicht und einfach ungeniessbar. Ich kann hier sicherlich nicht alles erwaehnen, und dem einen oder anderen moegen auch noch andere Beispiele einfallen, wobei man aber sehen sollte, dass eine solche Betrachtung immer subjektiv sein wird, denn Geschmaecker sind wie gesagt verschieden.

Eine der bekanntesten Delikatessen duerfte Balut sein, ein gekochtes und 19-21 Tage angebruetetes Entenei, dessen Verzehr fuer einen „Weissen“ schon fast als „Mutprobe“ zu bezeichnen ist. Dazu moechte ich mich aber nicht weiter auslassen denn hier habe ich ausfuehrlich darueber geschrieben.

Chicharon Bulaklak ist eine weitere Delikatesse, die selten zu Hause zubereitet wird, aber im Restaurant zu den ganz beliebten Vorspeisen gehoert. Es handelt sich in fast allen Faellen um gekochte und dann knusprig frittierte Schweinedaerme, obwohl eigentlich das „Bauchnetz“ verwendet werden sollte. Nun ist das ganze ja eigentlich nicht so abwegig, aber wer mal beim Reinigen der Daerme zugesehen hat, dem vergeht wohl in den meisten Faellen der Appetit.

Fliegende Fuechse gelten als absolute Topdelikatesse, aber da sie unter Naturschutz stehen – einige Arten sind schon fast ausgestorben – werden sie nur noch selten angeboten. Gottseidank kann ich dazu nur sagen. Aber das beste sollen angeblich die mit dem fruchtigen Kot gefuellten, zubereiteten Daerme sein. Fliegende Fuechse ernaehren sich von Fruechten und so schmecken die gefuellten Daerme eben „fruchtig“. Ich muss da leider (Gottseidank) passen.

Ein deftiges „Hundegulasch“ ist ganz besonders als Snack bei der trinkenden Bevoelkerung beliebt. Dieser „Pulutan“ ist gemaess Gesetz verboten, aber solche Verbote sind fuer die Pinoys nicht wirklich wichtig, denn das Hunderagout gehoert nun einmal beim trinken dazu. Ein moeglicherweise vorbei kommender Polizist wuerde wohl mit trinken und sich auch am „Fifigulasch“ ergeotzen. Und so werden auch heute noch viele Hunde geschlachtet und wandern in den Kochtopf.  Auch ich habe es unwissentlich schon einmal gegessen und im Stile einer Calderita zubereitet, hat es nicht einmal schlecht geschmeckt. Aber wissentlich wuerde ich es nicht essen. Hasenbraten hingegen ist verpoent, und der Pinoy wird immer auf die Frage nach Hasenbraten, mit dem Hinweis antworten, das Kaninchen ja „Pets“ seien. Das beweist wohl, dass der Hund im allgemeinen nicht als Haustier angesehen wird.

Weitere, fuer uns fast „ungeniessbare“ Delikatessen sind Ginamos und Bulad. Ginamos sind rohe, eingesalzene, kleine Fische, die fermentiert werden und dann mit der Fermentierungfluessigkeit als Beilage zum Reis verzehrt werden. Es ist nicht wirklich unser Geschmack, aber auf der anderen Seite macht man das in Europa mit Anchovis ja auch, nur dass die eben nach dem Fermentieren gewaschen werden und dann in Oel gelagert werden. Bulad, in der Sonne getrockneter, gesalzener  Fisch in allen Arten ist ebenfalls beliebt. Nun ist der Geschmack fuer die verschiedenen Langnasen irgendwo zwischen ich koennte kotzen bis zum ok, aber der Geruch beim Braten treibt sogar die Hunde aus dem Haus, zudem er oft hartnaeckig fuer Tage in den Vorhaengen und Polstermoebeln haengt.

Halo-Halo ist auch so eine Sache. Manche moegen es und manche nicht. Zerstossenes Eis wird mit Maiskoernern und buntem Kaong (so eine Art Gelee Kuegelchen) vermischt und das ganze mit suesser Kondensmilch „gewuerzt“. Obendrauf kommt dann eine Kugel Eiskreme, bevorzugt Ube wegen der abscheulichen violetten Farbe. Ich mag es nicht. Halo-Halo heisst uebersetzt „Durcheinander“ und genau das ist es, bevor die Pinoys zu essen beginnen, denn erst mal wird alles gemischt, so dass es wie „schon mal gegessen“ aussieht.

Sinigang ist eine beliebte Supe hier, aber ich bevorzuge die Version auf den Visayas und in Mindanao, da nennt sich eine solche Suppe Tinola und schmeckt auch anders. Es ist kein Essig drin, und die Suppe schmeckt etwas „europaeischer“. Aber im „Sinigang“ habe ich zum ersten Mal gekochten Rettich entdeckt. Einen Muenchner Bierrettich, der so richtig schoen weint, esse ich sehr gerne, auf den gekochten Rettich in der Suppe verzichte ich gerne.

Durian, die tropische „Stinkfrucht“ ist sehr beliebt bei den Pinoys. Sie stinkt hoellisch, da kann selbst der uebelste Backsteinkaese noch was lernen, aber sie soll angeblich himmlisch schmecken. Nun ich habe es probiert, aber man riecht es ja leider zweimal, und wenn der Gestankt innen ueber die Rachenhoehlen zum zweiten Mal in der Nase ankommt, dann kann ich mich nur uebergeben. Aber vielleicht stimmt ja auch bei mir die Anatomie nicht ganz.

Aber die Pinoys moegen auch so manches nicht, was wir gerne essen. Raeucherlachs wird haeufig abgelehnt, da er ja nicht gekocht sei, aber bei Kinilaw stoert sich niemand am rohen Fisch. Bangus (Milchfisch) wird sehr oft geraeuchert angeboten, aber die Pinoys braten den immer bevor er gegessen wird und koennen nicht  verstehen, dass ich ihn „roh“ esse.

Aber auch in den letzten 20 Jahren gab es etliche Versuche Europaeisches auf dem Lebensmittelmarkt einzufuehren, aber meistens war es Fehlanzeige. In den 90er Jahren arbeitete San Miguel mit einer spanischen Firma zusammen und ploetzlich waren verschiedene Salami und Schinkensorten erhaeltlich, die aber wohl in erster Linie von uns Langnasen gakauft wurden, denn schon nach einem Jahr waren die „Goodies“ wieder verschwunden.

Ocean’s Best hat mal einen Thunfischsalat in der Dose angeboten, der so aehnlich schmeckte wie der Thunfischsalat, den ich eingedost aus Deutschland kenne. Nach weniger als einem Jahr war er aus den Regalen verschwunden.

Magnolia hatte einen wohlschmeckenden Streichkaese im Glas angeboten (nannte sich Cream Cheese), aber auch der musste nach zwei Jahren geschmacklich ueberarbeitet werden, obwohl er sehr gut schmeckte. Mit Schinkengeschmack ging er ja noch, obwohl er an Qualitaet verloren hatte, aber seit er mit Erdbeergeschmack kommt, halte ich mich wieder an importierte Kaesesorten. (Es gibt ihn immer noch, habe ihn vorgestern bei Robinson gesehen – schudder – )

Apropos Kaese: Es gibt ja nun auch Eiskreme mit Kaesegeschmack. (Wuerg)

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3 Comments
  • Reply

    Ja,ja, über Geschmack lässt sich nicht streiten. Jeder hat seinen Geschmack. Be Fleisch ist es halt eine Kulturfrage oder sogar ein religiöses gebot. Dass die Inder keine Kühe essen geht darauf zurück, dass die Kuh sowohl Milchlieferant als auch Traktor ist. Wenn die Kuh gegessen würde, müsste der Pflug von Hand gezogen werden. Ähnlich steht es mit dem Hundefleisch in Europa oder dem Pferdefleisch in Nordeuropa.

    Also Hund ist gut und vor allem nicht fettig. Katze ist auch gut. Die kann glatt als Kaninchen verkauft werden. Krokodile sind auch gut, nur ein bisschen trocken.

    Rohen Fisch essen wir beinahe jede Woche. Der Fisch wird uns am Morgen am Strand direkt vom Boot verkauft. Die Fischer wissen, dass wir nur beste Qualität akzeptieren, dafür aber auch einen anständigen Preis bezahlen. So gibt es bei uns immer wieder Kinilaw, Sashimi und Sushi.

    Und Lachsbrötchen mit echter Pariser Baguette gibt es bei Délifrance (in Manila Airport und in Makati gegessen).

    Diesen Freitag aber essen wir wieder einmal ein gutes Raclette mit dem letzten Walliser Bergkäse der uns noch bleibt. Überhaupt essen wir sehr international. Das grosse Hobby meiner Partnerin ist das Kochen. Da experimentieren wir mit Rezepten aus aller Welt und wenn halt eine Zutat fehlt, dann gibt’s halt etwas ganz neues zu essen.

    En guete
    waebi

  • Rai
    Reply

    Halo-Halo schmeckt mir, wenn ich es nicht total zerstampfe und vermische.
    Musste meiner Frau neulich auch sagen, dass wenn sie noch einmal ihren Löffel bei mir ins Halo-Halo Glas steckt um es zu vermantschen, sie es selbst essen kann. :)

  • Christian
    Reply

    finde diese Beschreibungen zu Delikatessen sehr gut,und so muss ich halt auch ein Erlebnis kund tun.Also wir waren mal auf dem Schiff Cebu Bohol mein Freund und ich hatten einen kleinen Hunger und so war es wunderbar,ich hatte im Rucksack mitgebrachtes Trockenfleisch,eine absolute Spezialität,einfach noch Brötchen posten und mhhhh
    zwei Pinoys schauten uns zu und so schnitt ich für jeden ein kleines Stückchen und bot es ihnen rüber,diese schauten kurios aus der Wäsche,richten daran und warfen es Bord,ihr Gesichtsausdruck ähnlich bei uns mit Trockenfisch.Auch habe ich wie du mal genauso Hundefleisch gegessen,und auch noch meinen Koment. dazu abgegeben „sehr gut“ bis ich erfahren habe dass es mein „Freund“ war, eine Alte Hunde Dame die mich immer besuchte wenn ich in diesem Lokal war weil ich ihr auch immer etwas
    von diesem Speckigen Schweinefleisch gab.Was solls, gestorben bin ich nicht aber „überstellt“ hat es mich auch fast.
    Gruss Christian

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