Der Diebstahl

Anfang Mai hatten sich meine Kinder entschlossen zu Hause auszuziehen und gemeinsam ein Apartment zu nehmen. In Deutschland ist das ganz normal, aber hier auf den Philippinen haben alle Bekannten erst mal vermutet, dass es Aerger gegeben haette.  Den gab es zwar nicht, aber es war fast unmoeglich denen das klar zu machen. Auf den Philippinen leben naemlich oft auch „aeltere Kinder“ bei den Eltern.

Der Monat Mai stand also voll im Zeichen des Umzugs und seit Anfang Juni leben sie nun im eigenen Apartment, aber nur fuenf Minuten zu Fuss von unserem Haus entfernt.  Marion hat oefter Termine und musste Mitte des Monats nach Manila fuer ein paar Fotoshoots. Vor der Abreise uebergab sie Ihrem Bruder 150k Pesos mit der Bitte diese doch gleich auf der Bank einzuzahlen.  Mein Sohn nahm das Geld aber mit ins Apartment. Auch am naechsten Tag ging er nicht auf die Bank und nachmittags war er dann mit seiner Freundin zum einkaufen in einer Mall unterwegs. Es war niemand im Haus und als er mit seiner Freundin gegen 18 Uhr zurueck kam, war das Tor offen, das Vorhaengeschloss verschwunden und das Geld war natuerlich geklaut.

Manuel verstaendigte seine Schwester in Manila, die wiederum mich anrief und ich ging dann auch gleich rueber in deren Apartment. Die Polizei war auch verstaendigt aber noch nicht anwesend, als ich dort ankam. Da ich ja die „Spurensicherung“ der philippinischen Polizei zur Genuege kannte, und da das Haus voll war mit neugierigen Nachbarn, dachte ich mir nichts mehr „dazu zu stossen“ und scheuchte, als ich drinnen war, erst mal alle Nachbarn auf die Strasse. Dann sah ich dass das Fenster des einen Zimmers, das aber nur auf den Innenhof fuehrte, in den man nur ueber die Daecher eindringen koennte, eingeschlagen war. Die Scherben lagen draussen, was beweist, dass das Fenster von innen eingeschlagen wurde. Da aber dieses Zimmer nicht mit dem uebrigen Apartment verbunden ist, war es klar, dass das ein Insider Job war. Man wollte Spuren eines Einbruches hinterlassen. Auch das verschwundene Vorhaengeschloss des Tores sprach dafuer. Zudem wurde nur das Geld und zwei Handies  gestolen;  zwei Laptops und ein I-Pad waren noch da, obwohl die offen herum lagen.

Die kurz darauf ankommende Polizei war dann auch der gleichen Meinung. Ich besprach mich kurz mit ihnen und dann sagten die in meinem Auftrag, dass am Montag alle Anwohner und regelmaessigen Besucher des Apartmentgebaeudes einen Luegendetektortest machen muessten, aber dass keine Strafverfolgung gemacht wuerde, wenn das Geld vorher zurueck gegeben wuerde. Das war alles fuer diesen Abend.

Am naechsten Morgen bekam ich einen Anruf, dass ein Anwohner eine CCTV Kamera schraeg gegenueber habe und so zog ich los um mit dem Eigentuemer zu sprechen. Allerdings stellte sich schnell heraus, dass die Kamera lediglich den Innenhof des schraeg gegenueberliegenden Anwesens ueberwachten. Da mein Sohn am Nachmittag weg musste, schickte ich meine Maid ins Apartment um aufzupassen, und die rief mich gegen drei Uhr an um mir zu sagen, dass etwas abgegeben worden war. Ich ging hinueber und dort war eine mit Tesafilm verklebte zusammengerollte Plastiktuete abgegeben worden. Ich oeffnete die Tuete und es befand sich Geld darin. Nach dem Zaehlen war mir klar, dass den Dieben der Arsch auf Grundeis ging, da in der Tuete 100k waren. Ich rief meine Tochter in Manila an, und die hatte wenige Minuten zuvor eine SMS bekommen und versucht mich im Haus zu erreichen, aber ich war ja im Apartment und hatte mein Handy im Haus gelassen.  In der SMS teilten die Diebe mit, dass sie schon 100k zurueck gegeben haetten und das restliche Geld am Sonntag nachmittag zurueck gegeben wuerde. Meine Tochter bestand darauf nichts mehr zu unternehmen, da sie auf die Rueckgabe des Geldes warten wollte. Nach unserem Gespraech brachte ich die 100k zur Bank und zahlte sie auf das Konto meiner Tochter ein.

Marion kam am Sonntag morgen dann vorzeitig von Manila zurueck und in der Tat wurden am Nachmittag 60k ueber das Tor in den Garten geworfen. Die Diebe hauten sofort mit einem Motorrad ab, Marion sah sie nur noch an der Kreuzung abbiegen. Die Handies wurden nicht zurueck gegeben, aber da ja 10k mehr zurueck gegeben wurden, als geklaut worden war, wollt meine Tochter das auf sich beruhen lassen.

Am Montag erfuhr meine Helferin dann, dass die Maid von gegenueber die Diebe beobachtet hatte, sich aber nichts weiter dabei dachte, da die einen Schluessel hatten. Wir sprachen mit der Maid und die Beschreibung schien auf den Bruder einer Kusine ihrer besten Freundin zu passen. Diese Kusine hatte von Marions Freundin, die mit ihr in Manila war, den Schluessel bekommen um die Blumen zu giesen, da Manuel in der Beziehung nicht zuverlaessig ist. Zudem hatte die Kusine dort oefter genaechtigt und war meiner Tochter bekannt. Seither ist die Kusine auch dort nicht mehr aufgetaucht.

Meine Tochter hat dann auf Bitten der Freundin sich entschieden von einer Strafverfolgung abzusehen. Die Nummer, mit der Marion angetextet wurde, war auch nicht mehr in Betrieb.

Mittlerweile hat meine Tochter eine CCTV Anlage installieren lassen, die automatisch ihre Handynummer anwaehlt, wenn auf der Kamera Bewegungen auftauchen. Die Bilder koennen dann auf das Handy uebertragen werden und dort auch gespeichert werden.

 

 

 

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3 Comments
  • Juergen.Frost
    Reply

    Kenne mehrere Fälle, wo eingebrochen wurde. Da hilft wahrscheinlich nur ein Alarm mit Bewegungsmelder, der sehr laut schrillt. Außerdem könnte man bei Abwesenheit ein Weidezaungerät aktivieren und den Elektro-Zaun im inneren des Geländes aber so konstruieren, dass man nicht glaubt es sei ein Weidezaun. Die ökonomischen Verhältnisse sind leider so, dass immer wieder Leute auf die Idee kommen, wo klaut man am besten? Vor lautem Alarm und Elektrizität haben die dann Respekt und man könnte ja am Grundstück ein Schild aufstellen, Betreten – Lebensgefahr. Schönen Gruss an Kai.

  • Kai
    Reply

    Danke, dss es gefaellt!

  • Pedro
    Reply

    Man könnte eine Folge von „Der Alte“ oder einer ähnlichen Krimiserie drehen.Im Gegensatz zum Gärtner in Europa ist es auf PH meistens der/die Cousin(e).Es hat aber auch viele Verwandte, gell?Gruss aus der Schweiz.Uebrigens Deine Geschichten sind einmalig!

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