Der erste Diebstahl

Die meisten Expats auf den Philippinen duerften mit Diebstahl schon mal eine Erfahrung gemacht haben. Ich machte meine erste im November 1987. Aber lasst mich erst einmal mit der Vorgeschichte beginnen.

Ich hatte, als ich noch in Deutschland lebte ja eine umfangreiche Spiegelreflexausruestung von Minolta. Neben acht oder neun Objektiven und allem moeglichen anderen „Zeugs“ hatte ich auch zwei Kameragehaeuse;  die XD-7 und eine XG-2 um eben immer verschieden Filmempfindlichkeiten parat zu haben. Das ist im Zeitalter der digitalen Fotographie nicht mehr noetig.  Meine Frau hatte mich bereits vor der Ausreise gewarnt, dass Kameras begehrte Diebstahlobjekte seien. Die nahmen damals wohl, auf Diebstahlhaeufigkeit basierend, fast die Stelle eines Handy’s ein. Nach langem hin und her ueberlegen entschloss ich mich die Ausruestung zu verkaufen und mir eine von den kompakten Sucherkameras mit eingebautem Autofocus zu kaufen, die damals noch relativ neu waren. Es war nicht sehr schwierig einen Kaeufer zu finden, der den ganzen „Kladderadatsch“ auf einmal abnahm und nach eingehendem Studium der Tests hatte ich mich dann fuer eine Minolta AF-E-II entschieden, die recht ordentliche Bilder macht und fuer knapp unter 400 Mark nicht gerade billig war.

Einige Monate nach unserer Einwanderung begannen wir mit dem Chromerzgeschaeft und ich hatte mich damals ziemlich oft auf Dinagat aufgehalten und schlief im Haus von Indays Onkel Ben, der mit ihrer Tante verheiratet war. Sein Bruder Lorenzo, von allen nur Insong genannt, hatte auch dort „gelebt“, da die Navas Familie ja auch in Chromerzkauf involviert war.

Einer der Soehne von Ben war in jungen Jahren bereits mit Drogen in Kontakt gekommen und war im Alter von 17 Jahren ein unmoeglicher Jugendlicher, der nichts und niemand respektierte. Eines Tages kam ich zusammen mit Insong von Dona Helene zurueck und als ich in das Zimmer ging, in dem ich schlief, stellte ich fest, dass meine kleine neue Kompaktkamera verschwunden war. Ich erzaehlte Insong und Ben sofort davon und beide verdaechtigten auf Anhieb den 17 jaehrigen Sohn, da der scheinbar nicht zum erstenmal gestolen hatte. Aber so sehr die beiden ihn auch verhoerten, er verneinte mit dem Diebstahl etwas zu tun zu haben, obwohl Insong und Ben nicht gerade zimperlich mit ihm umgegangen waren.

Ben hatte eine Helferin aus Bukidnon, die auch erst 17 Jahre alt war und als die am naechsten Morgen ueberraschend mit Sack und Pack verschwunden war, konzentrierte sich der Verdacht natuerlich auf sie. Erste Nachforschungen ergaben, dass sie am Morgen mit dem ersten Pumpboot nach Surigao City gefahren war. Natuerlich kam sie am Abend nicht zurueck und das erhaertete den Verdacht. Aber es hatte eh keiner mit ihrer Rueckkehr gerechnet.

Nach drei Tagen entschloss sich Insong nach Bukidnon zu ihren Eltern zu fahren. Fuenf Tage spaeter kam er wieder zurueck und erzaehlte: „Ich kam am neachsten Tag nach meiner Abreise in Cabanglasan an und fand das Maedel bei ihren Eltern. Als sie mich die Strasse hoch kommen sah, lief sie weg. Nachdem ich mit den Eltern gesprochen hatte, schickten die ihre beiden aelteren Brueder los, die sie in relativ kurzer Zeit auch fanden. Auf den Diebstahl angesprochen gab sie es nach einigen Malen des Verneinens zu. Sie meinte, dass der Kano Geld genug habe und sich ja eine neue kaufen koennte. Nach dem Verbleib der Kamera gefragt druckste sie zuerst herum und gestand dann, dass sie sie auf dem Terminal in Butuan fuer 200 Pesos verkauft hatte. Als ich ihr klar machte, dass die Kamera fast 4000 Pesos gekostet hatte (damals gab es 10 Pesos fuer eine Mark) war sie erstaunt. Ich sagte, sie muesse mit zurueck kommen und solange umsonst arbeiten, bis die Kamera bezahlt sei, aber sie weigerte sich und Ihre Eltern unterstuetzten mich hier nicht. Also machte ich mich auf dem Rueckweg. In Butuan hoerte ich mich auf dem Terminal um, aber niemand hatte den Verkauf beobachtet und konnte mich auf den Kaeufer hinweisen.“

Nach Insongs Erzaehlung war ich schon angefressen ueber die Aussage, dass der Kano ja genug Geld hat. Aber ich wollte das Ganze dann doch nicht auf sich beruhen lassen und einige Tage spaeter fuhr ich nach Bukidnon und erstattete Anzeige auf der Polizeistation in Kabanglasan. Die Polizei ging mit mir zum Haus des Maedels, die auch da war, und dort drohten sie dem Maedel mit Gefaengnis. Nun stellte sich heraus, dass die Kamera nicht in Butuan verkauft worden war, sondern in Surigao City fuer 500 Pesos verpfaendet worden war. Sie hatte noch 300 Pesos, die sie mir unter Traenen mit einem gestammelten sorry samt Pfandschein zurueck gab. Die Polizisten untersuchten den Pfandschein und liessen sie unterschreiben, damit ich den Pfandschein einloesen konnte.Ansonsten liess ich die Sache auf sich beruhen.

Auf dem Weg zurueck nach Surigao loeste ich den Pfandschein ein und musste natuerlich noch 50 Pesos drauf legen, aber ich hatte meine Kamera wieder. Insong und Ben waren sehr erstaunt, als ich mit Kamera nach Hause kam.

Aber vier Monate spaeter wurde sie mir bei einer Bootsfahrt von Cebu nach Surigao wieder geklaut und dieses mal war sie endgueltig weg.


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