Der Tag danach … (Teil 1)

… und dann kam der Tag nach meinem Zwischenfazit! Es sollte eine nüchterne Bestandaufnahme sein, ein Abwägen aller Pro’s und Contras, schlicht eine Empfehlung für das echte Fazit, wie in der Schule das Zwischenzeugnis. Damals schrieb ich (liegt nun ein paar Monate zurück):

Heute ist ein Tag der sich nahtlos an mein Vorabresumee von gestern anschließt, welches besagt, dass die Philippinen ein herrliches Klima für die Gesundheit haben und eine schöne Natur zur Erholung, Du aber besser einen großen Bogen um den größten Teil der hier lebenden Menschen machen musst, um keine bleibenden Gesundheitsschäden zu erhalten!

1. Der Fahrer und das Moped seines Sohnes
Es beginnt mit dem Frühstück: meine Frau sagt mir, dass das Land unsicherer wird und sie deshalb versteht, warum eine uns bekannte Familie in Kürze den Rückzug nach Deutschland antreten wird. Sie meint, dass auch die Kriminalität spürbarer wird. Beim Duschen bemerkt sie ausserdem (nein, das ist keine künstlich herbeigefuehrte Steigerung), dass das Wasser nicht richtig läuft und bittet mich zu schauen, ob unser Fahrer das Auto wäscht, da manchmal dann durch den Druckabfall das Duschen leidet. Nö – Auto putzt der nicht – sondern das Motorrad seines Sohnes! Der fragt nicht ob er das darf, sondern macht das einfach. Nicht dass es mir ums Wasser ginge, aber wenn er schon mit unseren Materialien für andere Leute was tut, dann soll er gefälligst fragen! Und sofort ärgerst Du Dich über das fehlende Rechtsbewusstsein der Leute und hätten wir nichts gesagt, sondern das geduldet, wäre sofort eine Anspruchshaltung daraus entstanden, das immer tun zu dürfen. Aber irgendwie muß ja ein Tag beginnen und einer wie dieser braucht einen „guten“ Start!

2. Schule: Arztbescheinigung
3. Büchereierfahrung
Kurz nach 11 kommen die Kinder zum Mittagessen. Unsere Tochter hat einen Zettel mit dem Vermerk, dass ein bei der Schulanmeldung geforderter Gesundheitsbogen bis 17 Uhr heute, von einem Arzt unterschrieben, abzugeben sei. Auch unser ältester Sohn hat eine Strafe von der Schulbücherei erhalten, wo er wegen der verspäteten Buchrückgabe zunächst 1000 und jetzt zumindest 500 Peso zahlen soll, wobei das Buch um das es sich handelt nur 390 Pesos kostet. Da ich merke ich sollte hier eingreifen, fahre ich nach dem Essen mit zur Schule.

Als erstes erkläre ich der Dame im Sekretariat, dass die Arztbescheinigung für meine Tochter heute nicht abgegeben werden kann und verlange einen Aufschub. Desweiteren sage ich ihr, dass es mich schon sehr wundert, dass bei der Anmeldung keiner die Bescheinigung haben wollte, jetzt wir aber innerhalb von 6 Stunden das unterschriebene Papier bringen sollten! Ein freundliches Lächeln war die einzige Reaktion und ich merke, die ist total überfordert und hat nichts kapiert. Sie meint ich möge etwas warten und holt einen Kollegen. Ich erkläre ihm das gleiche und er meint, ich soll mich doch bitte hinsetzen. Warum nur können die alle kein Englisch mehr, wenn es unangenehm wird!

Da ich aber lieber Unruhe verbreite und das Geschehen im Blick behalten möchte, bleibe ich stehen. Der Kollege kommt nach wenigen Minuten zurück und fragt nochmal, dass ich merke er hat überhaupt nichts verstanden. Ich erkläre es nochmal und er bittet mich wieder zu warten. Diesmal sage ich ihm, dass in 3 Minuten die Bücherei geschlossen wird und ich mit meinem Sohn noch was dort erledigen sollte, aber in 5 Minuten sei ich zurück. Er meint „kein Problem“ und ab gehts zur Bücherei.

Dort sitzen die Frau die wir suchen mit ihren Kollegen bereits beim Mittagessen, was mich aber nicht hindert mein Anliegen vorzutragen. Ich erkläre ihr, dass ich nicht willens bin die Strafe zu zahlen, da mein Sohn darüber nicht im Vorfeld aufgeklärt worden ist und ein komplett neues Buch weniger als die Strafe kostet. Hätte er es nicht abgegeben weil er es verloren hätte, müsste er ja auch nur das Buch bezahlen. Aber die Frau schaltet jetzt auf „total stur“ und beharrt auf dem Betrag. „Blöde Kuh!“ denke ich noch. Da aber der Strafbetrag nur 110 Peso über dem Buchpreis lag (den ich eigentlich bezahlen wollte und wohl rechtens ist), dachte ich mir, ich spare mir wegen umgerechnet 2 Euro die Aufregung und die Zeit ein und kümmere mich lieber um die Arztbescheinigung für meine Tochter.

Also gab ich meinem Sohn Bescheid das mit dem Buch so zu erledigen, sich eine Quittung geben zu lassen und ging zurück. Mein Gesprächspartner kam zurück und wusste wieder nicht, um was es eigentlich ging. Ich wollte schon explodieren, aber mit dem letzten Rest von Fassung fragte ich ihn dann ganz ruhig, ob es in Ordung wäre, das Resultat im Laufe des nächsten Tages nachzureichen. Wieder bat er mich zu warten. „Lieber Gott, schenke ihm Hirn oder mir zumindest einen vernünftigen Gesprächspartner!“ Mein Flehen findet Gehör: denn er kehr mit dem Ergebnis zurück, dass es wohl geht.

Da denkst Du dass an einer internationalen Schule mit Ruf wenigstens Leute mit Bildung, Sprach- und Sachkenntnissen, sowie Umgangsformen arbeiten sollten. Aber nach etwas Überlegung wird es auch mir klar – wo sollen die denn diese Leute hernehmen?
(Fortsetzung folgt)

Share This Post
Related Posts
Unser Stock Yard in Wilson und Ben 5. Teil
Bild der Woche
Beeline 4. Teil
2 Comments
  • Kai
    Reply

    Hallo Olaf, alles was du in Stevaros World lesen kannst, sind Geschichten von Stevaro erlebt und niedergeschrieben. Ich habe lediglich seine Erlaubnis seine Geschichten hier vorzustellen.
    Gruss
    Kai

  • Reply

    Kai, ich dachte du nimmst die Dinge nach so langer Zeit dort gelassener und lässt dich nicht mehr so schnell ärgern.

Leave Your Comment

Your Name*
Your Webpage

Your Comment*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>