Der Tag danach … (Teil 2)

4. Des Fahrers Abholreihenfolge
5. Das Gedächtnis einer Lehrerin

Nach Schulende ging meine Frau mit meiner Tochter zum Arzt, um die Bescheinigung zu holen. Bevor sie los ging, sagte sie mir noch, dass Gene (unsere Tutorin für unseren jüngeren Sohn) um 16:20 Uhr kommt und dann seine Hausaufgaben kontrollieren soll. Als unser Ältester um 5 Uhr von unserem Fahrer abgesetzt wurde, war ich zunächst erstaunt, dass der gleich weiter fuhr statt auf ihn zu warten, da dieser wiederum seine Tutorin von der Schule abholen muss. Aber vielmehr merke ich, dass Gene nicht kam! Also rief ich sie an und fragte sie ob sie denn kommt. Sie fragte ganz erstaunt ob denn unser Sohn denn Hausaufgaben hätte. „HÄH ???“
Das haut doch dem Faß den Boden aus, meine Frau hat am Tag davor mit ihr klar vereinbart, dass sie um 16:20 Uhr kommen soll und jetzt muss sie so eine dämliche Frage stellen? Oh Mann, ich bin im Irrenhaus! Um kurz vor halb 5 kam sie dann endlich mit über einer Stunde Verspätung. Doch wo blieb der Fahrer? Ich fürchtete schon dass er was nicht verstanden hat als er ohne Rücksprache los fuhr. Also rief ich meine Frau an und tatsächlich, das „Spatzengehirn“ hat trotz 3-facher Rückfrage die Reihenfolge durcheinander gebracht. Ergebnis: die Lehrerin für den Großen kam mit einer 3/4 Stunde Verspätung hier an.

Was lernen wir daraus: Gib einem „einfachen“ Filippino nur eine Anweisung mit einer einzigen definierten Aufgabe. Alles weitere überfordert ihn und Du selbst drehst wegen des Ergebnisses durch!

6. Boyfriend
Aber so ein Tag hat dann doch noch mehr zu bieten: am Nachmittag telefonierte ich mit einem Bekannten. Er hat diese Woche Messe in Cebu und erzählte mir eine Geschichte einer gemeinsamen Bekannten, die wir hier „Petra“ nennen wollen. Petra führt ein Resort auf einer anderen Insel, in dem wir letztes Jahr waren. Ausserdem hat Petra einen philippinischen Freund und eine philippinische Sekretärin. Tja und wie es der Macho-Filippino so will, hat der nicht nur mit ihr ein Verhältnis sondern auch gleichzeitig mit deren Sekretärin. Und um die gefügig zu machen hat er diese dann noch gleich mit Nacktphotos erpresst und zu weiterem gezwungen.

Plötzlich war diese dann verschwunden und keiner wusste Bescheid. Über Recherchen erfuhr Petra dann irgendwann davon und schmiss den Freund raus. Da dieser ein von ihr gekauftes Motorad fuhr, verlangte sie, dass er dieses abstellte. Er wollte dies zunächst nicht und fuhr weiter damit. Nicht genug, entwendete er etliche Gegenstände aus dem Resort und behauptete, dass die ihm gehörten. Irgendwann sah er aber doch seine Ausweglosigkeit ein, schmiss die Schlüssel hin und drehte dann durch, indem er Petra mit dem Messer bedrohte. Sie konnte glücklicherweise irgendwie entkommen und lies ihn von der Polizei verhaften. Ein Richter legte eine Kaution von 200.000 Peso fest, die er zum Glück nicht aufbringen kann.

Aber der Oberhammer an der Geschichte ist die Zusammensetzung der Kaution: 188.000 für den Diebstahl und 12.000 für den Mordversuch. Na denn Prost.

7. Die Blindenschule
Und dann waren ja noch meine beiden fast erblindeten Schwager bei einer Rehabilitationsstätte, die eine Berufsausbildung zum „therapeutischen Masseur“ für Blinde anbietet. Sie kamen völlig enttäuscht zurück, da der Arzt sie dort ablehnte, mit der Begründung dass sie durch das Massieren dann völlig erblinden würden. In meinen Augen eine fadenscheinige Ausrede dafür, dass sich der Arzt dafür schmieren lässt, wen er in der Schule aufnimmt. Vermutlich ist es so, wer am meisten zahlt wird die kostenfreie Ausbildung erhalten, deren Abgänger später auch ohne eigenes Zutun oder Werbung, Kunden geschickt bekommen. Mich „kotzt“ es an …

8. Die Science-Lehrerin
Noch ein Highlight des Tages: Mein Sohn steht in Science (derzeit Biologie) zwischen Ziel erreichen und durchfallen. Die letzte Klassenarbeit schrieben sie vor 5 Wochen, zurück bekam er die aber erst vor einer Woche, mit dem Resultat 62% (75% hätte er benötigt). Nach Durchsicht der Korrektur gemeinsam mit der Tutorin, zeigt sich dass die Lehrerin schlecht korrigiert hat. So gab sie Punkte nur für komplett richtige Ergebnisse, ansonsten nichts. Also richtig oder falsch, dazwischen gibt es nichts! Wie sich dann weiterhin zeigte, haben wohl die Klassenarbeit von 24 Schülern nur 4 bestanden, was selbst hier nicht akzeptabel ist. Nur bevor ich die an die Wand nagel, denke ich doch, sollte ich sie nochmal fragen ob das stimmt. Also gebe ich meinem Sohn in seinem Diary (Korrespondenzbuch zwischen Lehrern und Eltern) eine Frage an seine Biologielehrerin mit, wo ich sie bitte mir mitzuteilen, wie denn das Ergebnis der Klassenarbeit war (Durchschnitt und Anzahl der Schüler, die durch fielen). Am Abend berichtet er mir, dass die Lehrerin nichts eintrug, aber sagte dass wohl 7 die Prüfung bestanden hätten und sich eigentlich ziemlich undeutlich herauszureden versuchte. Ich trage nochmals ins Diary ein, dass ich auf eine schriftliche Antwort bestehe, gespannt auf das was folgen wird …

9. Passbilder
Vor dem Abendessen merkten wir dann, dass unsere Tochter noch Passbilder für die Schule am nächsten Tag braucht. Also fahre ich mit ihr zum nächsten „Fotografen“, genau genommen eine Mischung aus Imbissbude, Internetcafe, Pension und vielem mehr. Ich fahre auf den Parkplatz, vor meinen Augen das Schild: Passbilder Größe 2×2: 80 Pesos. Also wir gingen rein, warteten einen Moment und dann kam der Mann mit der Kamera. Alles andere als professionell, aber für den Zweck ok. Nach weiterem Warten kamen dann die Bilder, ich wollte zahlen: 90 Pesos! Wie, ich dachte schon an einen Hörfehler und frage nochmals: 80 Pesos? No Sir, 90 Pesos! Ich verweise auf das Schild am Eingang wo klar und deutlich 80 Pesos stehen. „Increased!“ ist die einfache und kurze Antwort. Ich sage ihr noch in der Landessprache, dass dies ein frecher Ausländer-Aufschlag sei, schnappe mein Wechselgeld und fahre nach hause. Für heute reichts!

Da kann man von einer einzelnen Situation schon auf die Palme getrieben werden. Wenn man sich dann wieder beruhigt und gerade auf dem Weg zum Abstieg ist, kommt dann die nächste Situation. Je mehr Wiederholungen in kurzen Zeitabständen folgen, kann es dann schon schwierig werden …

Also Stevaro: Ruhe bewahren, Tee trinken, Nerven schonen …

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