Der Tod von Claus 1. Teil

Es war der 28. Oktober 2005 etwa 10 Minuten nach Mitternacht. Ich war noch wach und las. Meine Frau war im Bad um sich fuer das Bett vorzubereiten.  Die Kinder schliefen und auch im Nebengebaeude war alles ruhig. Dort schliefen wie immer einige meiner Mitarbeiter.

Ploetzlich ging der Messagealarm an meinem Handy los und ich schaute verwundert auf und fragte mich wer wohl zu solch nachtschlafender Zeit texten wuerde. Ich oeffnete die Nachricht und dort stand ein einziges Wort: „Help!“ Die Nachricht kam von Claus, meinem besten und bis dahin auch einzigen „auslaendischen“ Freund. Meine anderen Bekannten und Freunde waren alle Pinoys.

Ich dachte kurz nach und wusste, dass ich das ernst nehmen muss, Claus wuerde mit so etwas nie seine Scherze machen. Ich dachte eigentlich zuerst, dass ein Ueberfall oder so etwas stattfinden wuerde, insbesondere da Claus vor zwei Tagen groessere Streitereien mit einem moslemischen Handwerker hatte und die solche Sachen uebel nehmen koennen und eben eine Revanche planen koennten. Ich hatte Claus noch nach dem „Zusammenstoss“ mit dem Typen gewarnt, dass das ein Nachspiel haben koennte.

Ich weckte meine Mitarbeiter im Nebengebaeude, meine Frau kam aus dem Bad und zog sich sofort wieder an und wir „bewaffneten“ uns mit einigen Knueppeln fuer den Fall der Faelle.

Innerhalb von fuenf Minuten nach dem Notruf waren wir unterwegs. Claus hatte sein neues Haus zum Glueck ganz in der Naehe gebaut. Es war etwa ein Kilometer zu ihm. Als wir ankamen, brannte ueberall Licht im Haus und die Haustuere war nur angelehnt. Ich rief seinen Namen zur Haustuere hinein, aber bekam keine Antwort. Wir gingen mit den Knueppeln ausgeruestet ins Haus und schauten in jedes Zimmer. Im Bad fanden wir Claus auf dem Boden liegend und stoehnen. Er japste nach Luft und ueberall im Bad waren Faekalien auf dem Boden. Claus war nackt und so wickelten wir ihn in eine Decke und verfrachteten ihn ins Auto, was bei Claus‘ Groesse und Gewicht zu Schwerstarbeit wurde. Danach fuhren wir los und ich jagte die drei Kilometer die Aparentestreet mit 140km/h hinunter. Die Warnblinkanlage war in Betrieb und ich hupte fast pausenlos. Auf dem Higway ging die „Rennfahrt“ weiter und gleich darauf kamen wir vor der Notaufnahme des St. Elizabeth Krankenhauses an. 15 minuten nach dem Notruf waren wir bereits im Krankenhaus.  Claus japste nach Luft und ich hatte echte Angst um ihn. Die Krankenpfleger in der Notaufnahme kamen sofort mit einem Rollbett, verfrachteten Claus auf das Bett und brachten ihn nach innen. Zum Glueck war der Notarzt nicht im Krankenhaus unterwegs und als allerestes intubierte er Claus um die Atemnot zu lindern. Dann wurden alle moeglichen Untersuchungen und Tests in die Wege geleitet. Der Notarzt ratterte seine Anweisungen herunter, Medikamente wurden geholt, eine Infusion wurde gesetzt und eine Schwester telefonierte nach dem Kardiologen und einem Lungenarzt, die dann beide auch zehn Minuten spaeter eintrafen. Claus musste natuerlich im Krankenhaus verbleiben und nun war eine Anzahlung gefragt. Zum Glueck hatte ich meine Kreditkarte in der Tasche und ich bezahlte an der Kasse erst einmal 23.000 Pesos fuer die ersten Behandlungen.

Als ich mit der Bezahlung fertig war, war Claus bereits im ICU (Intensive Care Unit). Ich ging nach oben und etwa 20 Minuten spaeter konnte ich kurz mit dem Kardiologen sprechen. Es meinte, dass neben dem Problem mit der Lunge wohl auch ein Herzinfarkt im Gange sei, er wuerde aber noch die Blutuntersuchungen abwarten. Morgen wuerden wir mehr wissen.

Ueblicherweise ist ja auf den Philippinen immer mindestens eine Person der Familie anwesend im Krankenzimmer, aber auf dem ICU musste die Person in einem extra Zimmer mit andern Angehoerigen anderer ICU Patienten warten um im Notfall eben Medikamente zu kaufen oder anderes fuer den Kranken zu erledigen. Meine Frau entschied sich dort zu bleiben und wir anderen fuhren dann wieder nach Hause.

Am naechsten Morgen textete meine Frau, dass es Claus ein wenig besser ginge und gegen neun Uhr war ich dann bereits im Krankenhaus. Mittlerweile war auch seine Exfrau und seine „inoffizielle“ Adoptivtochter eingetroffen. Ich kannte die Tochter, die Ex hatte ich zum erstenmal gesehen. Die erste Unterhaltung mit der Ex war sehr unterkuehlt. Spaeter stellte sich heraus, dass sie sauer war, weil wir uns als erste um Claus kuemmerten und er uns getextet hatte und nicht ihr.

Da der Kardiologe nicht vom St. Elizabeth Krankenhaus war, war an diesem ersten Tag nach der ersten Notfallbehandlung eine Kardiologin – Dr. Adarna – zustaendig, die mir mitteilte, dass es Claus wohl nicht sehr gut ginge und dass in der Tat ein Infarkt im Gange war und sie nicht sagen konnte, inwieweit der schon fortgeschritten war, da Claus nicht zur neuesten Ultraschalluntersuchung gebracht werden konnte, bis sein Zustand etwas stabiler war.

Danach durfte ich zu Claus ins ICU und er lag da im Bett und sah nicht sehr gut aus. Er war sehr blass und seine Gesichtszuege wirkten eingefallen. Aber er war bei Bewusstsein und versuchte zu laecheln, wobei er aber von dem Beatmungsrohr in seiner Lunge behindert wurde. Zudem wurde alle 30 Minuten Fluessigkeit aus seiner Lunge gesaugt, was ihn jedesmal sehr erschoepfte. Mit Gesten gab er mir zu verstehen, ich sollte nach seinem Geldbeutel schauen, er wollte, dass ich von seinem ATM Konto abhebe fuer die Kosten hier. Ich fand den Geldbeutel aber nicht und sagte ihm das. Er verdrehte nur die die Augen und verlangte etwas zu schreiben. Muehevoll schrieb er „meine Ex“ und ich wusste, er meinte, dass sie den Geldbeutel an sich genommen hatte. Dann schrieb er noch „Apple“ und „Sparbuch“ und ich verstand sofort was er meinte. Danach verabschiedete ich mich und fuhr zuerst in sein Haus – den Schluessel hatte ich ja in der Nacht zuvor an mich genommen – und sicherte erst mal seine drei Sparbuecher. Anschliessend fuhr ich zur EPCI Bank und sprach mit Apple. Der checkte sofort die Konten und stellte fest, dass zwei Stunden zuvor 50k abgehoben worden waren ueber den ATM. Ich bat ihn das Konto zu sperren und sagte ihm er solle ins Krankenhaus gehen um sich mit Claus abzusprechen. Ich bat ihn auch ueber die Abhebung vorerst zu schweigen, damit Claus sich nicht aufregen wuerde.

Wie ihr euch vorstellen koennt, hat das Finanzielle noch zu einigen Problemen gefuehrt.

Fortsetzung folgt

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