Der Tod von Claus 3. Teil

Es war Montag geworden und nachdem Claus zu Mittag gegessen hatte, kamen am Nachmittag auch Marion und meine Frau ins Krankenhaus. Claus war sehr lebhaft und beim Reden bewegte er seine Arme im altgewohnten „Windmuehlenstil“. Claus hatte immer eine sehr ausgepraegte Art mit den Haenden zu reden. Es ging ihm schon recht gut und nach dem Essen hatte die Aerztin gesagt, dass er morgen in ein normales Zimmer kommen sollte. Wir waren alle recht froh, dass die Krise vorbei war und Claus sich auf dem Weg der Besserung befand.

Meine Frau hatte eine sehr angeregte Unterhaltung mit Claus und Marion „filmte“ das ganze, da sie ja ihr neues Handy bekommen hatte. Es war zum ersten mal, dass sie eine Videofunktion im Handy hatte. Den Film haben wir uns noch Jahre danach immer wieder mal angesehen.

Gegen vier Uhr nachmittags wurde Claus unruhig. Er wollte unbedingt nach Hause, was natuerlich nicht moeglich war. Die Aerztin kam und Claus musste ein Beruhigungsmittel nehmen, da er einfach zu aufgedreht war. Als Claus dann eingeschlafen war, fuhren wir wieder nach Hause.

Abends um sieben fuhren wir mit den Kindern zurueck ins Krankenhaus. Am Eingang zum ICU stand Apple. Als ich fragte was los sei, meinte er nur, dass keiner ins ICU duerfe im Moment. Einige Minuten spaeter kam Alan und wir standen mit einigen Leuten vor dem Eingang. Eine Schwester kam und rief mich und Inday nach innen. Als wir in das Abteil kamen, in dem Claus lag, kniete eine Schwester ueber Claus und gab Herzmassage. Claus war wieder intubiert und Dr. Adarna stand da mit den Elektroschockpaddel in der Hand. Die Schwester unterbrach ihre Massage und die Aerztin hielt die Paddel gegen die Brust von Claus und rief: „Clear!“ Claus‘ Koerper huepfte im Bett und die Schwester machte mit der Herzmassage weiter. Fuer etwa 20 Minuten muehte sich das Team ab, unseren Freund wieder zu beleben, dann gaben sie auf. Claus war tot. Die Aerztin meinte, dass nur wenige Minuten bevor wir kamen, ein zweiter Infarkt zum Herzstillstand fuehrte. Ich ging hinaus und liess Apple und Alan kommen. Georgie, eine gemeinsame Freundin von Claus und uns war auch da. Im ICU standen wir alle da wie belaemmert. Traenen flossen und Georgie las etwas aus der Bibel vor. Dann kam die „Tochter“ von Claus. Sie wirkte fast unbeteiligt, als ob sie nicht verstand, was passiert war. Eine halbe Stunde spaeter wurde Claus in ein weisses „Bodybag“ gepackt und in das Haeuschen fuer die Toten gebracht. Die Ex von Claus war noch in Hongkong

Am naechten Morgen holte das Beerdigungsinstitut, das wir beauftragt hatten Claus ab, aber erst nachdem Apple dem Krankenhaus die Zahlung aus der Erbschaft versichert hatte. Nachdem Claus im Beerdigungsinstitut war, suchten wir einen Sarg aus und da ich wusste, dass Claus im Falle seines Todes verbrannt werden wollte, bekamen wir dann einen Preis der alles mit einschloss: Das Embalming, der Sarg, Transport nach Davao, Verbrennung und zurueck bringen der Asche in einer Urne.

Am fruehen Nachmittag rief ich dann beim Sohn vom Claus in Deutschland an. Die Nummer fand ich im Handy von Claus. Der Sohn war gerade in den USA geschaeftlich unterwegs, hatte aber sein Handy auf „roaming“. Als ich erzaehlte, was passiert war, sagte er zu allererst „Scheisse, jetzt kommt dieses Risiko bei meinen Risikofaktoren auch noch dazu“. Ich meinte er solle das nicht so eng sehen, da sein Vater ja schon 64 gewesen war. Ich bat ihm mit eine Power of Attorney zu faxen, damit ich alles bezueglich Beerdigung ein die Wege leiten konnte. Das tat er dann auch einige Stunden spaeter.

Als wir dann am Abend zum Beerdigungsinstitut kamen, war Claus bereits im Sarg aufgebahrt. An diesem Abend war noch niemand aus dem Umfeld seiner Exfrau da und so hatten wir Claus wohl ein letztes mal „fuer uns“. Der Beerdigungsunternehmer hatte Claus nett hergerichtet, und da Claus Zeit seines Lebens Brillentraeger war, hatte er ihm diese auch aufgesetzt.

Am naechsten Nachmittag erschien auch seine Ex und hat als erstes die Brille entfernen lassen, die Claus immer getragen hatte. Danach versuchte sie das organisatorische alles an sich zu nehmen mit dem Hinweis, dass sie als Ex die groesseren Rechte habe. (Hat sie ja auch, da die beiden nicht geschieden waren) Und ihre zweite Amtshandlung war uns zu „entfernen“. „In Ordnung“ sagte ich, „aber dann werde ich auch die Beerdigung nicht bezahlen.“ Ausserdem zeigte ich ihr die Power of Attorney, aber sie weigerte sich auch nur einen Blick drauf zu werfen. Ich informierte den Bestattungsunternehmer, dass wir forthin nicht mehr zustaendig seien, und dass die Ex vom Claus alles uebernehmen wuerde. „Auch die Bezahlung?“ fragte er. „Ich werde auf jedenfall nicht bezahlen, da ich hier unerwuenscht bin!“ Sprachs und verschwand mit meiner Frau in Richtung „Heimat“.

Zu Hause rief ich dann den Sohn an und informierte ihn ueber die weitere Entwicklung. Der hatte sich mittlerweile entschlossen zu kommen und wuerde zwei Tage vor der Beerdigung ankommen. Er meinte auch, dass er die Ex anrufen wuerde und mit ihr reden, da er nicht wollte, dass sie irgendetwas dort machte. Sie war seit acht Jahren von seinem Vater getrennt und haette wohl keinerlei moralisches Recht die „trauernde Witwe“ zu spielen.

Am naechsten Tag schauten nur die anderen Freunde bei der „Totenwache“ vorbei, wir hielten uns fern. Am liebsten waere ich ueberhaupt nicht mehr hin gegangen.

Fortsetzung folgt

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