Die Abra – Kalinga Road – Luzon 2. Teil

2. Tag Unterwegs…..

Am naechsten Morgen waren wir um acht Uhr gestiefelt und gespornt und machten uns auf den Weg die beruechtigte Abra-Kalinga Road zu fahren. Das sueffisante Laecheln einiger Pinoys, die wir bezueglich der Strasse befragt hatten, verhiess eigentlich nichts gutes. Es war uns aber durch eine Auskunft bekannt, dass man Balbalan erreichen koennte und das war ja nun nicht allzuweit von Lubuagan. Und ich glaubte mich zu erinnern, dass ich auf dem Weg nach Norden einen Jeepney gesehen haette, bei dem als Route Tabuk – Balbalan angeschrieben war. Aber wir wollten uns nicht den Mut abkaufen lassen.  Wie weit wir kommen wuerden, oder wo eine Uebernachtung anstand wussten wir nicht. Es war uns nur klar, dass es weder Hotels noch Pensionen geben duerfte.

Bis Lagangilang war die Strasse geteert und wir kamen zuegig voran. Im Ort machten wir dann eine Kaffeepause, da wir zum Fruehstueck in der Diocoese nichts bekommen hatten. Nach einem kurzen Aufenthalt ging es weiter und etwa 10 Kilometer hinter Lagangilang begann die Piste. Anfaenglich war sie breit und gut in Ordnung gehalten, so dass selbst der seltene Gegenverkehr keine Probleme bereitete.  Man konnte also ohne Schwierigkeiten 50-60 km/h fahren. Aber je weiter wir in die Berge vorstiessen, um so schlechter wurde die Strasse. Es war zwar noch nichts, was sich mit den ueblen Pisten in Zamboanga del Norte vergleichen liesse, aber wir mussten langsamer fahren. Es gab etliche Abzweigungen, die meist nicht ausgeschildert waren, und so mussten wir fragen, ob wir uns auf der richtigen Strasse befinden. Wobei uns die meisten unglaeubig anschauten, wenn wir unser Ziel erwaehnten. Aber niemand gab weiter reichende Erklaerungen ab. Aber ein Mann meinte, dass wir sicherlich bald umkehren wuerden, denn das sei einfach nicht zu machen. Nun wir haben ja schon des oefteren erlebt, dass nicht alles was Filipinos fuer „unmachbar“ hielten auch so sei.

Wir passierten die Abzweigung nach Malibcong und kurz darauf liess die Qualitaet der Strasse gewaltig nach. Sie war zur Einbahnstrasse geworden und es gab kaum Ausweichstellen. Die Oberflaeche war mit Steinen uebersaet und tiefe Loecher und Rinnen praegten das Strassenbild. Wir waren in Kalinga!

Die Berge um uns herum ragten nun immer hoeher auf, aber der Strassenverlauf erreichte nie die Hoehe wie weiter suedlich bei Bontoc oder auf dem Halsema Highway, allerdings waren die Abgruende immer noch tief genug, einem Angst einzujagen.

Endlich kamen wir in Upper Saltan an und meinten, dass, wir das meiste des Weges hinter uns hatten. Das Mittagessen war ausgefallen, da es nirgendwo eine Carenderia gab, So kauften wir einige Dosen Sardinen und verzehrten die mit dem suessen Pinoy Brot. Dort in Upper Saltan fragten wir auch wie lange es noch dauern wuerde bis nach Balbalan. Drei bis vier Stunden war die Antwort. Wir wunderten uns, denn wir waren ja schon 3/4 des Weges gefahren. Die Weiterreise beantwortete unsere Frage bezueglich der Dauer.

Nach einiger Zeit kam ein Tor, das die Strasse versperrte. Wir hielten an und schauten uns um, dann oeffneten wir das Tor, fuhren durch und verschlossen es hinter uns. Ich vermutete, dass es ein Cattle Gate (Viehgatter?) war. Wir kamen nun ins Flusstal des Saltan River. Der ist bei einigen spezialisierten Wildwasserfahrern gut bekannt. Zudem hatten wir den Fluss an der Einmuendung in den Chico River auf der Hochfahrt gesehen. Dort fiel er durch die gravierenden Unterschiede in der Farbe des Wassers auf. Die Strasse stieg nun an und bald fanden wir uns auf einem Weg, der gerade so breit war wie das Auto. Rechts war ein „Arschleckerl“ Platz, und links auch eines. Bei den engen Kurven sah ich zum Fenster hinaus, um sicher zu stellen, dass die Reifen auf der Strasse blieben. Links checkte meine Frau, damit wir nicht an der Felswand entlang schrappten. Ich war so aufs Fahren konzentriert, dass ich ueberhaupt nicht mehr an das Fotographieren dachte. Man haette sowieso nicht austeigen koennen, dafuer fehlte der Platz. Ausweichstellen waren selten und wir hofften, keinen Gegenverkehr zu haben. Das Glueck blieb uns auch treu diesbezueglich. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit in diesem Abschnitt lag bei 5-10 km/h und selbst das erschien manchmal zu schnell in Anbetracht der 300-400 Meter tiefen Abgruende auf der linken Seiteund das ohne Befestigungen. Die Aussicht war entlang der gesamten Fahrt oberhalb des Flusstales einfach grandios. Wir kamen nun an eine Stelle, wo sich die Strassenbaufirma keinerlei Muehe gemacht hatte, die Strasse hier zu bauen. Es gab dort eine natuerlich gewachsene Felsplatte, die tiefe Querfurchen zur Talseite hin aufwies und zudem mit etwa 20 Grad zum Fluss hin geneigt war. Meine Frau und unsere beiden Begleiter – ihr wisst ja, der Fotograph mit Freundin – stiegen aus und liefen zu Fuss ueber die etwa 40 Meter lange Felsplatte. Zum Glueck regnete es nicht, denn bei Regen haette ich noch mehr Schiss da rueber zu fahren als ich sowieso schon hatte. Ich legte den Gelaendegang ein, aktivierte die Differentialsperre und fuhr langsam los. Das Auto kroch ueber die Felsplatte aber es rutschte nicht seitlich weg. Davor hatte ich echt Angst gehabt.

Nach dieser Engstelle ging es genauso schwierig weiter wie die ganze Zeit schon. Wir waren alle vier sehr still und zum Fotos machen hatte keiner so richtig Bock. So krochen wir im Schrittempo dahin und endlich….endlich war es geschafft und wir fuhren raus aus dem Flusstal. Die Strasse war nun etwas breiter und bald darauf kamen wir an eine Abzweigung. Dort war ein uraltes Schild, das eine Abzweigung nach Tabuk anzeigte. Nun das war ja nicht unser Ziel, aber wir wussten nicht welche der beiden Moeglichkeiten nach Balbalan fuehrten. Wir schauten uns um, aber da war niemand weit und breit, den man fragen koennte. Wir hoerten Stimmen und tatsaechlich 10 Minuten spaeter kamen Leute den Berg hoch auf die Strasse. Wir fragten und erfuhren, dass die Strasse nach Tabuk schon seit Jahren nicht mehr befahrbar sei. Wir muessten als erst einmal rechts den Berg hoch fahren nach Pantikian und von dort waeren es nur noch acht Kilometer nach Balbalan.

Ich liess meinen Begleiter fahren, aber er kam nicht gut mit dem Auto zurecht und so uebernahm ich wieder das Steuer, obwohl ich nach der anstrengenden Fahrt ganz schoen muede war. Es begann zu regnen und wir beschlossen, in Pantikian nach einer Uebernachtungsmoeglichkeit zu schauen, sollte es nicht aufhoeren. In Pantikian angekommen fragten wir einige Leute und ein junger Gay bot uns an bei ihm zu schlafen. Aber nun hoerte es auf zu regnen und wir beschlossen den Rest der Strecke auch noch zu fahren. Wir bedankten uns und fuhren los. Die Strasse war weiterhin sehr schmal und hier begegneten wir unserem ersten Gegenverkehr seit etwa fuenf Stunden. Ein Motorrad kam des Weges.

Uebrigens haben uns auf der ganzen Strecke Wasserfaelle begleitet. Wir sahen sie aus der Naehe, einige aus der Ferne und einige prasselten sogar auf die Strasse.

Balbalan Willkommen stand auf einem Schild. Wir waren angekommen und suchten erst einmal die Polizeiwache auf. Es gab ein Resthouse der Gemeinde dort und wir hatten nun Zimmer fuer die Nacht. Nur dreihundert Pesos pro Doppelzimmer wurden verlangt. Die Zimmer waren gross und sehr sauber. Aircon benoetigte man bei der Hoehenlage ganz sicher nicht. Nach dem Check-in unterhielten wir uns mit den Polizisten. Die waren sehr erstaunt zu hoeren, dass wir von Bangued kamen. Sie meinten, dass diese Strecke seit Jahren wohl von keinem Touristen befahren worden waere, wenn ueberhaupt jemals. Ausser mit Motorraedern zu fahren, gilt sie als zu gefaehrlich fuer Autos. Sogar der Jeepneyverkehr war aufgegeben worden, nachdem einige in der Tiefe gelandet waren.

Hier vorab nun ein kleines Fazit zur Abra – Kalinga Road: Oft habe ich im Internet und gelegentlich auch in diversen  Foren gelesen, dass das Befestigen des Halsema Highways schade sei, denn nun sei es kein Abenteuer mehr auf dieser Strasse zu fahren. Nun ich kann euch allen, die ihr das Abenteuer vermisst, die Abra – Kalinga Road waermstens ans Herz legen, dort findet ihr  zehnmal mehr Abenteuer und “Fahrspass” als der Halsema Highway in seinen besten Zeiten zu bieten hatte. Von allen Strassen, die ich auf den Philippinen gefahren bin, ist das die extremste Strasse;  die zweite Etappe hatte sogar noch einiges mehr zu bieten. (Aber die Aussichten sind absolute grandios; es war es wert dort zu fahren.)

Und hier noch einige Worte zu Balbalan. Man will  dort Tourismus entwickeln und der Ort hat sehr viel zu bieten. Die extreme Hanglage umgeben von Reisterassen, den Saltan River zum Wildwasser fahren und die fantastischen Aussichten auf dem Saltan Abschnitt der Strasse,  das Balbalan Gate, die Bolo Reisterassen, die Banao Falls, den Balbalasang National Park usw. Man kann es in drei Stunden auch von Lubuagan per Jeepney erreichen. Balbalan hat auch ein kleines Restaurant mit recht guter Kueche. Bis vor kurzem hat dort ein Deutscher (Wo die sich ueberall ‚rumtreiben, man muss sich schon wundern!) gelebt, der aber aus Gesundheitsgruenden mit seiner Frau zurueck nach Deutschland ging. Er hatte das Restaurant gegruendet. Ein Kanadier, der dort lebte, wurde von seinem Schwager ermordet. (Gruende sind gemaess Polizei nicht bekannt) Wer die Abra Kalinga Road mit oeffentlichen Verkehrmitteln befahren will, kann von Manila mit dem Bus nach Bangued via San Fernando, von Bangued per Jeepney nach Ba-ay, von Ba-ay mit dem Jeepney nach Malibcong, von Malibcong nach Upper Saltan mit dem Truck, (taegliche Versorgungstrucks, die auch Passagiere auf der Ladeflaeche mitnehmen) von Upper Saltan nach Pantikian mit dem Gelegenheitsprivatfahrer, (meist kleine Trucks, aber nur ein oder zwei am Morgen) oder eben laufen, bzw mit einem Motorrad fahren und von Pantikian nach Balbalan mit dem Jeepney. Von Balbalan faehrt man mit dem Jeepney nach Tabuk oder Lubuagan (mit umsteigen an der Junction) Die Fahrzeit von Bangued nach Balbalan betraegt etwa 7 – 8 Stunden, wobei man alleine 4-5 Stunden auf der Strecke von Upper Saltan nach Balbalan verbringt. Von Balbalan nach Lubuagan 3 – 4 Stunden. Die Entfernung von Bangued nach Balbalan betraegt 119 Kilometer und von Balbalan nach Lubuagan etwa 28 Kilometer.  (aber hier ist fast immer Schritttempo angesagt) Uebrigens fuehrt die Strasse ueber Pasil zur Kreuzung des Tinglayan – Tabuk „Highway“ und nicht direkt wie auf der Karte.

Fuer die Fotos: Hier klicken

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1 Comment
  • Reply

    Deine Beschreibung erinnert mich an eine Fahrt durch die Dades Schlucht in Marokko. Rechts gehts hunderte von Metern rauf und links ebensoviel runter und dazwischen ist ein schmales Geröllband, welches als Strasse dient.

    ich habe deinen kalten Schweiss beim Lesen gespürt. besten Dank.

    waebi

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