Die Science-Lehrerin 2. Teil

Ich fragte meinen Sohn: „Wieviele Deiner Klassenkollegen haben denn die Prüfung geschafft?“ Er wusste es nicht, aber die Tutorin hat sich im Vorfeld schon informiert (Intimfeinde können nämlich ganz schön neugierig sein!): von 24 Schülern, hatten nur 4 bestanden! Das geht selbst in den Philippinen nicht an, denn da muss sich die Lehrerin mindestens fragen lassen, ob denn die Schüler sie überhaupt verstehen oder ob sie von der Kanzel runter in Latein spricht? Und wenn wir gerade dabei sind, wieso gibt die den Schülern Hausaufgaben auf zu Stoff, den sie im Unterricht behandeln sollte, es aber wegen ihrer bescheidenen Zeiteinteilung nicht tut?

Langsam aber sicher, lief ich zur Hochform auf, doch bevor man jemand an die Wand nagelt, sollte man noch mal fragen, dachte ich mir. Also schrieb ich ins Diary (das ist das Korrespondenzbuch zwischen Lehrer und Eltern), dass sie mir bitte mitteilen soll, wie der Notendurchschnitt war und wieviele Schüler den Test bestanden hätten. Am Folgetag zeigte mein Sohn mir das Ergebnis: weißer Adler auf weißem Grund! „Hast Du der das nicht gezeigt?“ will ich wissen. „Doch, aber sie sagte sie wisse es im Moment nicht und versuchte sich rauszureden!“ Und da hat die noch nicht mal soviel Größe, diese Antwort einzutragen? Also alles lasse ich mir dann doch nicht gefallen, schei… auf den Gesichtsverlust! Dir geb ich’s, dachte ich mir. Ich nahm das Diary und schrieb nochmal rein, dass ich auf die Beantwortung der Frage bestehe! „Wenn Du mir denkst ungestraft ans Bein pinkeln zu können, dann richte Dich schon mal drauf ein, dass auch von mir ein Echo kommt.“ Gedanken nehmen nicht immer den längsten Weg. Ob’s ein Fehler war? Wir werden sehen …

Am Folgetag, mein Sohn kommt zurück, „Na was schrieb sie?“ will ich wissen. „Nichts!“ Die Frau ist ja noch taffer drauf als ich dachte. Nun, immerhin hat sie ihm aber ein angebliches Ergebnis mündlich mitgeteilt, nachdem wenigstens 7 die Prüfung bestanden hätten. Ich war drauf und dran, der guten Frau von meinem Sohn ausrichten zu lassen, dass sollte er die Abschlußprüfung in Science nicht bestehen, dann werde ich die Ergebnisse öffentlich von hinten aufrollen! Aber wer weiß wie der Junge das rüber bringt, ausserdem bringe ich ihn damit nur unnötig in Streß. Also ich lasse es für den Moment gut sein, hebe mir die Option aber sehr wohl auf. Der letzte Test wird von meinem Sohn dann bestanden. Jetzt hängt alles vom Ergebnis des „4. Periodical Tests“ ab. Da dieses Ergebnis zwar knapp vorbei ging, kam der ganze Mist mit der „Remedial-Class“ zustande, der uns dann die Nerven rauben sollte.

Also ging unser Sohn dann Montags in den Zusatzunterricht, wo er zur Mittagszeit geprüft wurde. Das Ergebnis war gut, doch nicht gut genug! Also nächsten morgen noch mal das Ganze. Er lernte am Nachmittag intensiv mit seiner Tutorin, dass er am nächsten Tag noch besser vorbereitet in den Unterricht und in die Prüfung ging. Das Ergebnis: gut, doch immer noch nicht gut genug! Nächster Tag, … ich erspare mir die Schreibübungen … Es folgten Wiederholungen des Trauerspiels bis zum Freitag! Wieder war er in der Prüfung und bekam das gleiche Ergebnis: gut – jedoch nicht gut genug! Das war offiziell das „Ende der Remedial-Class“, da musst Du nächstes Jahr wiederholen – dachten wir!

Doch irgendwie reifte er an dieser Geschichte und gab nicht auf. Er fragte seine Lehrerin was er denn noch tun könne, um das zu vermeiden. Denn eines war klar, die zählte an der Stelle wohl nur noch die „i-Tüpfelchen“, die ihrer persönlichen Norm nicht entsprachen. „Tja, da sehen wir uns am Montag wieder.“ meinte sie kurz angebunden. Da wäre doch gar keine Remedial-Class mehr, meinte mein Sohn. Wäre egal, er soll kommen. Inzwischen waren natürlich unsere Urlaubspläne beim Teufel und unsere Nerven mehr als strapaziert.

Er lernte am Wochenende sehr fleissig und ging gut gelaunt Montags zur Schule. Gegen Mittag holte ich ihn sehr gespannt ab. Er sagte, nach dem Essen müsse er noch mal hin, um das Ergebnis zu erfragen. Als er mittags ankam, zögerte sich die Antwort jedoch recht lange noch hinaus. Gegen abend dann die Botschaft: sehr gut, aber immer noch nicht gut genug!!! Das haut Dir doch die Socken weg! „Will uns Deine Lehrerin verar…en?“ frage ich ihn. Er hat auch die Ahnung, dass es so sei. Und jetzt? Morgen das gleiche Spiel nochmal, klar was sonst! Also er geht Dienstag wieder hin … nein, wir überspringen den Tag, das Ergebnis ist ohnehin exakt das gleiche wie am Vortag.

So muss er jetzt am Mittwoch seine allerletzte Chance nutzen! Schafft er es nicht, werden wir wohl in den sauren Apfel beissen und ihn wiederholen lassen. Denn nach diesem ersten harten Jahr, brauchen die Kinder Ferien, wir aber auch. Nur ganz ehrlich gesagt, habe ich das Thema abgeschlossen und rechne nicht mehr mit einem guten Ende. Es fällt schwer den Jungen zu motivieren, da muss er jetzt alleine durch.

Jedoch Mittwochs muss ich nach Manila fliegen und kann ihn nicht mal mehr moralisch unterstützen. Da ich um 4 Uhr morgens bereits weg muss, verbleiben wir abends davor so, dass falls er die Prüfung schafft, mich unterwegs anruft. Falls nicht, reicht die Info am Abend auch noch aus. Innerlich entspannt fliege ich los, ich habe für mich das Thema abgeschlossen. In Manila muss ich leider sehr lange Wege zwischen meinen Stationen hinter mich bringen, deshalb sitze ich lange Zeit im Taxi. Zwischen meiner ersten und zweiten Station, gegen 11 Uhr klingelt das Handy. Ich denke noch, jetzt haben wir zwar vereinbart, dass er nur anruft wenn er es geschafft hat, jetzt ruft er aber doch an. Also ich nehme das Gespräch an, „Papa ich habs geschafft!“ 1000 km entfernt und doch so nah – ich könnte dem Taxifahrer um den Hals fallen – „MEIN Sohn!“

Wieder zuhause, können wir jetzt endlich planen, ein riesiger Brocken fällt da von uns allen ab. Wir planen den Urlaub neu und fahren mit dem Auto nach Hagnaya im Norden der Insel Cebu. Von dort geht stündlich eine Fähre nach Santa Fe auf Bantayan. Da wir nur ausspannen wollen und keine Ausflüge planen, lassen wir den Fahrer mit dem Auto wieder zurück nach Cebu City fahren, während wir auf die Fähre gehen …

Übrigens noch einen Nachtrag zur Science-Lehrerin:
ich habe mich wieder beruhigt und das ganze unter „Erfahrungen“ verbucht. Ich habe hier jede Menge Fehler gebaut, die ich so hoffentlich nicht wiederholen werde. Aber einen habe ich dann doch noch zu diesem „Herzchen“ von Lehrerin anzumerken. Sie wurde vor ein paar Tagen als Leiterin des Lehrerkollegiums in der Schule vorgestellt. „Aha, so tickt die Uhr!“ denke ich. „Wenn die so weiter macht, hat sie die beste Aussicht ‚Tiya Gloria‘ in ein paar Jahren zu beerben …“

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