Die Science-Lehrerin 1. Teil

Die Ferien begannen und wir alle waren sehr gestresst. Nach dem ersten Schuljahr wollte die Anspannung von uns nicht abfallen, was aber auch an den letzten Schultagen lag, in denen wir zusammen mit unserem Ältesten, die Tage schon fast als „psychische Folter“ erlebten.

Seine Science-Lehrerin, der wir gegenüber vielleicht nicht „philippinisch optimal“ gegenüber traten (auch nach 1 Jahr lernt man stets noch dazu), hatte ihn auf dem „Kicker“. Während andere Schüler bereits Freizeit hatten, musste er in die „Remedial-Class“. Das ist im Prinzip eine zweite Chance für Schüler, die im ersten Anlauf nicht die Prüfung schaffen und dann nach ein paar Tagen nochmals geprüft werden. So gesehen eine gute Sache. Wer die Remedial-Class trotzdem nicht schafft, der muss dann in die Summer-Class. Dieses bedeutet 6 Wochen in den Ferien Schulbank drücken und dann hoffentlich die Prüfung bestehen! Sonst war alles für die Katz und der Schüler muss wiederholen, obwohl er praktisch keine Ferien hatte!

Dazu muss ich ein wenig ausholen, damit man das nachfolgende versteht. Nachdem wir zur Hälfte des Schuljahres sahen, dass im Fach „Science“ zuviele Fachbegriffe verwendet werden und unser Sohn, überwiegend in diesem Fach aber auch in 2 oder 3 anderen Fächern, zumindest im ersten Schuljahr unterstützt werden sollte, machte ich einen Termin an der Schule zusammen mit seinem Klassenlehrer und den jeweiligen Fachlehrern. Wir saßen zusammen und überlegten, was wir tun können, um dieses erste Highschooljahr für den „Einwanderer“ zu erleichtern. Die Lehrer bestätigten mir, dass das erste Highschooljahr ohnehin nicht einfach sei und unser Sohn sich trotz der Sprachbarriere sehr gut entwickelt. Seine Sciencelehrerin wirkte in der Runde auf mich als sehr aufgeschlossen und konstruktiv.

Wir kamen zum Ergebnis, dass er einen privaten Tutor erhält, der ihn in den verbleibenden Monaten unterstützt bei Hausaufgaben, Projekten und Prüfungsvorbereitungen. Wie ich später erfuhr, ist diese Aufgabe ein sehr lukratives Zusatzeinkommen für den Lehrer. Denn damit kann er rund 200-250 Peso/Stunde verlangen und bei etwa 12 Stunden in der Woche, entspricht dies einem nicht „unwesentlichen“ zweiten Standbein, wo viele froh wären dieses wenigstens als erstes zu haben. Nun in unserer Gesprächsrunde verblieben wir so, da ich die Lehrer nicht ausreichend kannte, dass der Klassenlehrer einen Tutor vorschlagen soll und uns dann vorstellt. Hier lag möglicherweise mein erster Fehler: denn ich übersah eventuell, dass die engagierte Science-Lehrerin, für diesen „Geld-Druck-Maschinen-Job“ dafür wie vom lieben Gott geschaffen ist! Also hätte ich sie an dieser Stelle gefragt, die Antwort wäre wohl klar gewesen. Aber, hart ist das Leben – Chance vertan … oder?

So bekamen wir dann Teacher Tess (aka Teacher „Tambok“). Und da hat uns das Schiksal gleich den zweiten Fehler untergejubelt! Denn Tess war eine „Intimfeindin“ der Science-Lehrerin, wie sich später zeigte. Aber was sollte ich denn dagegen tun, vor allem jetzt? Klar hätte ich zuvor die andere gefragt, dann hätte … und wäre … aber alles wenn und aber hilft an der Stelle ja nicht mehr, zumindest nicht in meiner deutschen Denklogik. Übrigens war Teacher Tess sehr kommunikativ und hat mit allen Fachlehrern sich abgestimmt, mit Ausnahme der Science-Lehrerin, mit der sie während der ganzen Zeit (mehrere Monate!) nicht ein einziges Wort wechselte!

Das dritte Quartal war um. In allen Fächern hat sich unser Sohn sehr verbessert und alles sah sehr gut aus. Wäre da mal nicht eine Ausnahme gewesen: Richtig – Science! Ich rede mit meinem Sohn, frage was los sei und merke, da liegt was im Busch, wo er nichts ändern oder beitragen kann. Also mache ich wieder einen Termin bei der Lehrerin. Immer freundlich und gut gelaunt begrüßt sie mich. Ich frage sie, wie sie die Situation einschätzt und was wir in der verbleibenden Zeit noch tun können. Denn nur wegen Science (also wegen einem Fach – zugegeben das wichtigste Hauptfach) sollte er nicht wiederholen müssen.

Oh Stevaro, wieso hältst Du nicht besser Deine schusslige Klappe, fiel mir zuhause auf, aber da war es schon zu spät … Denn die Lehrerin lies sich im Moment der Fragestellung nichts anmerken, meinte noch er sei auf dem besten Wege und alles sei mehr oder weniger paletti. „Verars… oder?“ dachte ich. Dann sagte ich ihr, sobald sie Anzeichen dafür sähe, dass er Probleme wegen der Zielerreichung bekäme, dann erwarte ich, dass sie uns direkt informiert. Spontane Antwort der Lehrerin: „Auf jeden Fall, überhaupt kein Problem.“ Irgendwie kam ich mir doch verkackeiert vor, aber ich hatte eben nichts in der Hand.

„Dieses brilliant geschliffene Miststück“, dachte ich noch. Ich verabschiedete mich, wissend dass ich an der Stelle mindestens 2 Fehler gebaut habe. Aber, das hilft jetzt auch nix mehr, da kamen wir gemeinsam rein, da müssen wir auch wieder gemeinsam raus! Die Zeit der Schlußprüfung rückte näher – also der Tag der Wahrheit. 6 Wochen vorher hatte sie noch keine Klassenarbeit schreiben lassen, da wird es zeitlich aber langsam eng. Denn 2 Arbeiten muss sie im Quartal schreiben, also wann? Die erste Klassenarbeit kam, mein Sohn meinte danach, nachdem er sich mit seiner Tutorin intensiv vorbereitete, dass es sehr gut gelaufen sei. Aber ich bin da aus eigener Erfahrung eher vorsichtig, Überraschungen sind da nicht auszuschliessen.

Die Zeit drängt zwar auf die Lehrerin, was die aber nicht zu beeindrucken scheint. Zunächst fragte ich täglich meinen Sohn nach dem Ergebnis. „Noch nicht da.“ Gut, meine Rückfragen wurden etwas seltener, da das Ergebnis aber nun solche Bedeutung hat, habe ich es nicht aus den Augen verloren. Und so zog sich dann die Korrektur bis 1 Woche vor der Abschlussprüfung hin, obwohl dann in einer Woche der zweite Test geschrieben und korrigiert sein muss!

Nun kam endlich das Ergebnis des Testes und war zugleich niederschmetternd: 75% hätte er benötigt, aber nur 62% erhalten. Was ist denn da nur passiert? Wir setzten uns zusammen mit der Tutorin und prüften alles genau durch. Dabei mussten wir feststellen, dass die Lehrerin nur richtig oder falsch kennt. Dazwischen hat sie nicht, weder im Regal, noch zu Hause oder im Müll! D.h. wenn eine Aufgabe richtig war, gab sie alle Punkte, war die Frage zur Hälfte richtig beantwortet, dann gab sie nicht die Hälfte der Punkte, sondern gar nichts! Ausserdem hat sie noch ein paar weitere Dinge mehr als „großzügig“ übersehen …

Fortsetzung folgt

Share This Post
Related Posts
Ponyong – Der Auftrag 4. Teil
Philippinische Kueche
Unsere Hunde 4. Teil

Leave Your Comment

Your Name*
Your Webpage

Your Comment*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>