Die Westkueste der Zamboanga Halbinsel

Als wir am Vortag in Labason (Zamboanga del Norte) angekommen waren, hatten wir im Haus am Meer uebernachtet mit moderaten Preisen von 600 Pesos einschliesslich Klimaanlage und TV. Das Hotel liegt sehr schoen an einem tollen Strand und es  lohnt sich durchaus, einige Tage zu bleiben. Man sollte nur darauf achten, dass die Eigentuemer dort sind, da man sonst ausserhalb zum Essen gehen muss und da die Pension nicht im Ort liegt, koennte es Probleme mit dem Transport geben.

Am naechsten Morgen nach dem Kaffee trinken, unterhielten wir uns mit unserer freundlichen „Vermieterin“ und sie riet strengstens von der geplanten Route auf den alten Kuestenstrassen ab. Es sei „delicado“ wie sie sich ausdrueckte, und meine Frau meinte, wir sollten doch besser nach Liloy zurueck fahren, aber ich sagte ihr, dass Zamboanga del Norte seit laengerer Zeit keine negativen Schlagzeilen machte und es daher wohl okay sei. Zuerst tankten wir und der Tank war wie in CDO ein Viertel voll und es gingen 54 Liter hinein dann stand der Diesel am Rand. Das war klar der Beweiss, dass wir in CDO beim Tanken beschissen worden waren, denn dort waren es 65 Liter gewesen. Wir fuhren los, ohne zu wissen, dass ein recht anstrengender und ermuedender Tag vor uns liegen sollte. Lasst es mich vorweg sagen: Wenn Palawan „the last frontier“ ist, dann fallen mir fuer diesen Teil Zamboanga del Nortes keine Superlativen mehr ein. Es war einfach fantastisch und das trotz der Probleme, die wir unterwegs bekamen.

Bis Gutalac war alles sehr einfach. Die Strasse war teilweise „rough road“, aber so gut in Schuss gehalten, dass man problemlos 80 fahren konnte. So manche geteerte Strasse laesst das nicht zu. Zwischendurch gab es gut ausgebaute betonierte Stuecke und selbst Busse fahren nach Gutalac. Einige hundert Meter hinter Gutalac wurde es dann interessant: Die Strassenbreite schrank auf eine Spur mit gelegentlichen Ausweichplaetzchen und der Verkehr ging fast auf null zurueck,  d.h. ein gelegentliches Motorrad und sonst nichts.

Die Aussicht in den Bergen war fantastisch. Die Strasse  ging mal rauf und dann wieder runter mit sehr vielen Kurven und auch mit etlichen groesseren Steinen und Loechern in der Strasse insbesondere an den An -und abstiegen. Nach einer Weile ging es laenger bergan und wir kamen an eine Gabelung. Wohin nun?  Die Bewohner eines Hauses einige Meter in an der  rechten Seite der Abzweigung sollten uns weiterhelfen. Da waren einige Leute und die meinten, es waere zwar ein bisserl weiter die rechte Strasse zu nehmen, aber es ginge immer an der Kueste entlang und waere wunderschoen.

Also nahmen wir den rechten Weg und bereits nach etwa zwei Kilometer ging es steil bergab. Es sollte noch viele Male bergauf und bergab gehen, da es sich hier um Steilkueste mit vielen kleinen Buchten handelte. Aber wie es bergab ging? Irgendwo lag das Gefaelle bei dreissig Grad mit vielen grossen Steinen und bis zu einem halben Meter tiefen Fahrfurchen. Die Aussicht aenderte sich praktisch nach jeder Kurve, und der Vierradantrieb war fast immer im Einsatz, oft auch der Gelaendegang und die Differentialsperre, die bei mir nur von aussen einstellbar ist, weil sie nachtraeglich eingebaut wurde.  (muss ich nach der Rueckkehr unbedingt aendern)

So fuhren wir durch diese fantastische Landschaft, wo man stellenweise bei guten 30 Grad Steigung nur im 1. Gelaendegang hochkriechen konnte, weil es in der normalen Getriebeuebersetzung nicht zu schaffen war. Grosse Steine zwangen uns zu abenteuerlichen Ausweichmanoevern. Gelegentlich mussten wir Steine wegraeumen, und wenn ich mir im nachhinein die Bilder ansehe, sieht das viel harmloser aus als es war. Verkehr? Absolut keiner! In den kleinen Doerfern, durch die wir kamen, staunten die Menschen, dass ein Auto kam. Alle waren freundlich, lachten und winkten und mit manchen unterhielten wir uns ein paar Minuten. Gemaess ihren Informationen kommen hier zirka drei Autos im Jahr vorbei.

An einer Stelle war ein Erdrutsch verantwortlich, dass die Strasse unpassierbar war und wir mussten die Boeschung runter in den Fluss fahren und auf der anderen Seite bei einer Steigung von bestimmt 40 Grad wieder hoch.  Ich dachte, da kommen wir nie rauf, aber mein Ford kroch zwar im Schneckentempo aber stetig die 10 Meter Boeschung wieder nach oben. Kurz darauf begegnete uns ein Raupenbagger, der zur Reparatur dort hin unterwegs war. An einer anderen Stelle gab es einen zwei Meter langen Road Slip und an der abgebrochen Stelle waren zwei Planken hingelegt worden und auch da kamen wir drueber.

Wir brauchten fuer die 17 Kilometer ueber vier Stunden! Gut dass wir um 7 Uhr morgens aufgebrochen waren. Endlich waren wir in Baliguian angekommen. Von dort an war die Strasse nach Siocon schon ein bisserl besser. Zumindest kam der Allrad nicht mehr zum Einsatz. In Siocon assen wir dann zu Mittag in der einzigen Carenderia am Ort im Busbahnhof. Wir bezahlten 98 Pesos fuer zwei einschliesslich Softdrinks. Dort unterhielten wir uns ueber die weitere Route, schliesslich wollten wir weiter an der Westkueste Zamboangas fahren bis nach Zamboanga City. Aber die Strasse suedlich von Siraway sei fuer Autos nicht befahrbar, sondern nur fuer Motorraeder und auch die haetten Probleme. So wurde uns das zumindest erklaert. Mit dem was ich heute nach unseren Reisen so weiss, wuerde ich nicht mehr darauf hoeren und trotzdem fahren. Im schlimmsten Fall muesste man dann eben umkehren. Erst ab Sibuco sei die Strasse wieder befahrbar. Also sollten wir die alte Strasse nach Tongawan nehmen, die sei zwar nicht besonders sei, aber im allgemeinen doch recht gut. Insbesonders wenn man bei der Mine ankommt und deren Privatstrasse begaenne. Also fuhren wir auf dieser Strasse, die eine einzige Katastrophe war. Tiefste Schlagloecher eins nach dem anderen „erschuetterten“ das Auto. Einen Grader hatte diese Strasse bestimmt seit 5 Jahren nicht gesehen. Als wir dann am Wachhaeusschen der Mine ankamen, erfuhren wir, dass wir eine Erlaubnis braeuchten und das dauerte mindesten 4-5 Stunden unter Umstaenden auch den ganzen Tag. Wir sollten doch besser auf der alten Strasse ueber Mamang weiterfahren.

Wir fragten den Waechter nach dem Zustand und er meinte, er wuesste es nicht; es sei seit 10 Tagen schon kein Auto mehr gekommen.Wir dachten uns, dass  wir es mal versuchen.  Zuerst ging es den Berg hoch: Immer hoeher ging es hinauf, bis wir praktisch einige Meter unter den Berggipfeln entlang fuhren . Die Strasse fuehrte um die Berge ‚rum teils in unmoeglichen Kurven und immer hatten wir den Abgrund auf einer Seite und Berg auf der anderen. Gelegentlich ging es auch durch wunderschoene Hochwaelder und da kam dann eine extrem kritische Stelle. Auf etwa 100 Meter Laenge versank der weg im Matsch. Die Furchen waren ueber einen halben Meter tief. Auf der rechten Seite schien festerer Boden zu sein, aber ein tiefes Loch, durch das man durch musste, und in diesem Loch blieben wir stecken. Ich hatte noch vor dem Loch die Differentialsperre zugeschaltet und so blieb mir wenigstens ein Schlammbad erspart und nach langem hin und her fahren bekam ich den Wagen rueckwaerts wieder aus dem Loch heraus, allerdings hatte sich das Abweisblech der Bullbar beim raus fahren verfangen und die Bullbar an einer Seite abgerissen. Da das nur eine reine Verzierung aus Plastik war, brach sie auch noch an drei Stellen und ich habe sie dann notduerftig festgebunden. Wir schlugen dann mit der Bolo (hatten wir natuerlich dabei) viele Straeucher und kleine Baeume ab und warfen sie in das Loch. bis es voller Geaest war. Diesmal klappte die Durchfahrt auf Anheb. Zwei Kilometer weiter war ein Militaerposten. Auch der sagte uns, dass seit 10 Tagen keine Auto mehr vorbei kam, weil ein Isuzu Forward in einem riesen Loch hinter der Bruecke etwa 10 Kilometer von hier festsass. Ob die Strecke wieder frei war, wusste er nicht.

Also ging es wieder mal wieder ins Ungewisse hinein. Ich scherzte schon,dass wir wohl bei dem Soldaten uebernachten muessen, aber nachdem wir die Bruecke ueberquert hatten, sahen wir einen Grader und eine Strassenwalze schon fleissig an der Arbeit. Einige Kilometer weiter waren wir dann in Mamang, einem Dorf bestehend aus zirka 20 Haeussern.

Von dort ging es dann zuegig zur Suedkueste weiter und bei Tupilac stiessen wir endlich auf den Highway dreissig Kilometer weiter nordoestlich als bei der Privatstrasse. Nun ging es recht  schnell auf sehr guten Strassen, aber alle zwei Kilometer mussten wir eine Strassensperre im Slalom durchkurven: Army, mobile Truppe,  DENR, PNP, LTO, Comelec und was weiss ich noch alles. Die sollen halt ihre Checkpoints zusammenlegen, dann waere es nicht ganz so laestig.

Um 7.30 „liefen“ wir dann in Zamboanga  City ein und das erste Pension House (Blue Pearl in der Veterans Avenue) wurde unser Heim fuer die Nacht. Es kostete zwar nur 500 Pesos fuer die Nacht, ist aber geschenkt noch zu teuer; schmutzig und voller abenteuerlicher Gerueche. Am naechsten Morgen zogen wir dann um.

Wir waren muede, ich ganz besonders nach 160 Kilometern „rough road“ und dann nochmal 130 Kilometer Highway zum Teil nur mit echter Allraderfahrung machbar, ging aber trotzdem noch in den KFC um uns ein Abendessen zu holen. Um 10 Uhr schnarchten wir dann bereit vor uns hin.

Zu den Fotos: Hier klicken

zwischen gutalac und dicolom…..berge und die see….

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2 Comments
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    Toller Artikel! Ich bin einmal von Lanao del Norte nach Zamboanga gefahren, aber mit dem Bus und die Straßen waren in Ordnung :) Kann mir das jedoch gut vorstellen! Die Bilder sind klasse! Freue mich schon auf meine nächste Reise im September.
    LG Doro

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    Great post. I will read your posts frequently. Added you to the RSS reader.

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