Dolly’s “Entfuehrung” 2. Teil

Am naechsten Morgen schickte meine Frau ein Telegram an ihre Schwester in Dinagat. Wir wussten, dass das mit der manuellen Auslieferung via Pumpboat nach Paniog mindestens 3-4 Tage dauern wuerde, aber es gab keine andere Moeglichkeit, da es kein Telefon dort gab. Danach kamen die Drei zurueck nach Maagnao.

Dort angekommen lief alles normal fuer vier Tage. Dolly hatte Hausarrest und wurde von unserer Maid in die Schule nach Alanib gebracht und dort auch wieder abgeholt. Sie durfte die Schule nicht verlassen, wenn unsere Helferin nicht dabei war. So hatte meine Frau auf dem Heimweg das mit der Schule besprochen.

Am fuenften Tag kam Josef ins Haus und begann erneut von Heirat zu sprechen. Inday und ich weigerten sich mit ihm zu reden, da er ja in Dolly’s „Entfuehrung“ involviert war. Mittlerweile hatte er das ja sogar zugegeben. In den Tagen danach belaestigte uns Donkoy, Ramons Bruder und immer wieder ging es um eine Heirat. Der Bursche nervte derartig, das meine Frau nach dem siebten oder achten Mal anfing auf ihn ein zu pruegeln. Wir gingen dazwischen, aber kaum waren die beiden getrennt und ich hielt sie nicht fest genug, griff sie ihn wieder an.

Etwas spaeter, als sie sich beruhigt hatte, gab es ein“ Shouting Match“ zwischen den beiden und jedes Mal, wenn wir sie unterbrechen wollten um die Schreierei zu beenden, fuhr sie uns ueber den Mund. Sie forderte Donkoy wiederholt auf zu gehen, aber das schien ihn nicht zu interessieren, Nachdem er um nichts nachgeben wollte, schnappte sie sich eine Holzlatte und zog sie ihm mit aller Gewalt ueber. Donkoy stuerzte zu Boden und das Blut floss nur so aus einer Kopfwunde. Ich holte den Verbandskasten – der stammte noch aus Deutschland und wurde nun eingeweiht – und verband die Wunde, nachdem ich sie gereinigt hatte. Donkoy hat heute noch eine Narbe am Kopf. Merkwuerdigerweise hatte das ganze kein weiteres Nachspiel, obwohl wir eigentlich eine sofortige Beschwerde beim Captain erwartet hatten. Im Gegenteil, Donkoy bewunderte Inday fuer ihren Mut und erzaehlte die Geschichte auch dementsprechend im Dorf. Dabei nahm er einen Teil der Schuld auf sich, da er ja unser Grundstueck trotz mehrfacher Aufforderung nicht verlassen hatte.

Zwei Tage spaeter kam unsere Maid Helda von Alanib zurueck. Dolly war nicht dabei und wir ahnten schon was passiert war. Und Helda erzaehlte: „Als ich in Alanib ankam, wartete die Klassenlehrerin von Dolly schon auf mich. Dolly sei in der Mittagspause mit Hilfe zweier Klassenkameradinnen entwischt. Sie hatten Klamotten getauscht, so dass es im ersten Moment nicht auffiel.“

„Scheisse“ fluchte ich und rannte sofort zum Haus von Josef.

„Was soll denn der Mist,“ schrie ich wuetend, „was glaubt ihr denn damit zu erreichen?“

„Kai, ich wusste dieses Mal ehrlich von nichts,“ entgegnete er, „Cross my Heart.“

„Ach Scheisse, wer soll dir denn das glauben? Wenn Dolly morgen Mittag nicht zurueck ist, werden wir uns beschweren und gegebenenfalls auch Klage vor Gericht einreichen. Dann kann dein ‚wertvoller‘ Ramon ins Gefaengnis gehen. Schliesslich ist sie erst 13 und du kommst mit dran als Komplize.“

Ich war stinksauer.

Natuerlich war Dolly am naechsten Mittag nicht nach Hause gebracht worden. Ich ging sofort mit einer bereits am Vormittag vorbereiteten Beschwerde zum Captain. Da ich einen Penalcode hatte, zitierte ich die verletzten Paragraphen, wie „Qualified Seduction“ und „Consented Abduction“. Der Captain nahm die Klage entgegen und meinte dann, dass er das nicht schlichten werde, da er ein Freund von Josef sei, der zudem Barangay Sekretaer ist und er werden Kagawad Delano den Vorsitz fuehren lassen. Eine Stunde spaeter bekamen wir Bescheid, dass das Hearing morgen um zwei in der Barangay Hall sein wuerde.

Am naechsten Tag liefen wir also hoch nach Kawayan um an dem Hearing teilzunehmen. Wir machten vorher aus, dass Inday die Hauptsprecherin sein sollte und ich nur Fakten erklaeren wuerde in Bezug auf die Paragraphen, die ich in der Beschwerde zitiert hatte. Das Hearing begann und es verlief relativ ruhig, bis auf zweimal, als Inday die Geduld verlor und schrie. Josef schien von den Paragraphen unbeeindruckt, aber Kagawad Delano meinte, dass Ramon auf jeden Fall wohl schuldig sei und da Josef davon gewusst hatte, er zumindest als Accessory in Frage kaeme. Aber das Meeting ging aus wie das Hornberger Schiessen und Delano schlug vor, die Lupon einzuschalten. Wir wollten aber nun doch gleich das Gericht einschalten. Das war ja moeglich, nachdem wir unserer Pflicht, das ganze erst zu schlichten zu versuchen, Genuege getan hatten.

Am naechsten Morgen fuhren wir mit drei Zeugen nach Lantapan und erstatten offiziell Anzeige gegen Ramon mit Donkoy als Komplize und Josef als Mitwisser. Die Polizei nahm alles gewissenhaft auf und schrieb die Aussagen als Eidesstattliche Versicherung nieder. Zwischendurch kam immer wieder mal die Richterin vom MTRC herein und hoerte zu. Der Gerichtsraum war direkt neben der Polizeidienstelle. Vor ihr mussten wir die Aussagen dann auch beeiden. Diese Dokumente wuerden nun an die Staatsanwaltschaft in Malaybalay weiter geleitet, die dann den weiteren Fortgang entscheiden wuerde.Darueber verging der ganze Tag.

Am Abend entschlossen wir uns zusammen nach Initao zu fahren und dort nachzuforschen. Wir kannten die Adresse von Ramons Familie nicht, aber die sollte man ja durch die Polizei heraus finden koennen.

Am naechsten Morgen ging es los und ueber Cagayan fuhren wir dann weiter Richtung Iligan, bis wir in Initao ankamen. Unser erster Weg fuehrte uns zur Polizei und nachdem wir einem Beamten dort die Geschichte geschildert hatten, rief der den dortigen Polizeichef und wir mussten alles wiederholen.

Der gab dann zwei Beamten den Auftrag bei Ramons Familie vorbei zu schauen, und wenn die beiden dort waeren, sie hier auf die Wache zu bringen.

„Ob sie wohl in Initao sind“ fragten wir uns? „Oder sind sie wieder nach Catanico? Oder gibt es eine dritte Moeglichkeit, von der wir nichts wissen?“

Fortsetzung folgt

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