Dolly’s “Entfuehrung” 3. Teil

Etwa 20 Minuten spaeter kamen die beiden Polizisten zurueck und zehn Minuten spaeter kam Dolly mit Ramon. Sie schlenderten provokativ Hand in Hand zur Polizeistation. Inday stuermte sofort auf Dolly los um sie zusammenzuscheissen, aber ich hielt sie zurueck und erbat mir mit ihr sprechen zu koennen ohne jedwede Einmischung. Zoegernd stimmte Inday zu.

Die Polizisten fuehrten Dolly und mich in ein getrennntes Zimmer in dem wir alleine sprechen konnten. Zuerst war Dolly sehr schweigsam und als Alleinunterhalter fuehlte ich mich nicht wohl, aber nach einiger Zeit rueckte sie mit der Sprache heraus. Sie sei „unsterblich“ verliebt und wollte diesen „Mann“ unbedingt heiraten. Alle Versuche ihr das auszureden waren fruchtlos, daher versuchte ich eine andere Strategie, nachdem auch die ueblichen Erinnerungen an Utang na Loob keinen Eindruck bei ihr machten. Ihr seht, ich versuchte jeden Trick im deutsch – philippinischen Buch und mein letzter Versuch sollte nun folgen:

„Ok, wie ich sehe ist es hoffnungslos mit dir darueber zu reden, da du ja nur auf deiner Meinung beharrst und anderes nicht gelten laesst. Wie stellst du dir das denn vor? Ich meine es ist ja schoen zu lieben, aber davon wird man halt nicht satt. Wie soll das denn bei euch gehen? Du hast dir doch sicher deine Gedanken darueber gemacht?“ fragte ich sie.

„Naja, er arbeitet ja und davon kann er mich schon ernaehren. Ich kann ja auch arbeiten,“ meinte sie.

„Du bist 13 Jahre und darfst nicht arbeiten. Wenn dich jemand anstellen wuerde, koennte er boese bestraft werden wegen Kinderarbeit,“ entgegnete ich. „Das ist alles nicht so einfach. Ausserdem wird Ramon als Landarbeiter nie genug verdienen. Ich mache dir daher folgenden Vorschlag: Ich schicke Ramon auf die High School und anschliessend lassen wir ihn studieren. Damit haette er dann wenigstens ein solides Fundament fuer eure Zukunft. Du machst auch deine High School fertig und am Wochenende koennt ihr euch sehen. Wenn ihr dann fertig seid mit der Schule und euch immer noch so liebt, dann macht was ihr wollt. Aber so lernt ihr euch besser kennen und schafft eine vernuenftige Basis fuer euch.“

Entruestet fuhr Dolly mich an: „Spinnst du Onkel, das dauert ja noch acht Jahre, das machen wir nie und nimmer mit. Wir wollen jetzt heiraten. Basta!“

„Besprich es doch erst mal mit Ramon, und entscheidet dann in aller Ruhe. So eilig wird es mit dem Heiraten ja nicht sein.“

„Das brauch ich nicht mit ihm zu besprechen, denn das dauert viel zu lange und ist unannehmbar fuer uns, sagte sie dann mit einer Endgueltigkeit in ihrer Stimme, dass ich nur noch mit den Schultern zuckte. Damit war mein Versuch also auch gescheitert.

Wir gingen zurueck zu den anderen und ich liess das Familiendrama seinen Lauf nehmen. Nachdem alle Papiere von der Polizei ausgefuellt waren, fuhren wir zurueck nach Cagayan de Oro, Ramon blieb in Initao.

In Cagayan wollten wir bei unseren Bekannten uebernachten und trafen dort Boy und Remy, Dolly’s Eltern. Die waren gerade einige Stunden vor uns angekommen und Dolly bekam erst mal so richtig „Saures“ von den Eltern, denn die waren wirklich erbost.

Am naechsten Morgen fuhren dann Inday, Rico und ich nach Bukidnon und Dolly sollte mit ihren Eltern nach Dinagat zurueck kehren und dort in Melgar auf die Dorfschule gehen. Bei unserem Abschied war Dolly nicht anwesend und ich war ganz froh sie nicht mehr zu sehen.

Am naechsten Morgen kamen Remy und Boy ueberraschend in Maagnao an. Dolly war drei Stunden nach unserer Abreise abgehaut und nicht zurueck gekommen. Irgendwie hatte ich das erwartet, hielt mich aber mit Kommentaren zurueck. Wir fuhren dann gemeinsam nach Lantapan um dort mit der Richterin zu sprechen. Die Richterin erklaerte sich bereit mit der Staatsanwaltschaft zu reden um den Haftbefehl gegen Ramon zu beschleunigen. Danach fuhren Boy, Remy und ich zurueck auf die Farm und Inday ging mit ihrem Bruder auf die Suche nach Dolly.

Zwei Tage spaeter kamen sie wieder nach Maaganao. Dolly hatten sie nicht gefunden. Sie war weder in Catanico noch in Initao. Ramon war in Initao. Wir hatten keine Ahnung wo die Familie Cupat das Maedel versteckt hatten. Wir diskutierten lange und entschlossen am Ende Ponyong einzuschalten. Der war ja bei einem militaerischen Geheimdienst und hatte sicherlich ganz andere Moeglichkeiten zu ermitteln.

Inday fuhr also nach Ozamis, denn da war er zuletzt gewesen. Eine Woche spaeter kam sie wieder und erzaehlte, dass sie Ponyong gefunden habe und er kaeme in zwei bis drei Tagen nach Maagnao.

Drei Tage spaeter kam er in Begleitung eines jungen Soldaten namens Jun. Die beiden trugen Tarnuniform und waren bis an die Zaehne bewaffnet. Pistole, Schnellfeuergewehr und Handgranaten hatten sie dabei. Sogar einige Gewehr Granaten baumelten an ihrem Guertel. Es sah wirklich zum fuerchten aus. Wir gingen zum Barangay Captain, denn Ponyong wollte ihn dabei haben, wenn wir Josef besuchten. Wir waren ueberzeugt, dass er den Aufenthaltsort von Dolly kannte. Der Captain wollte nicht mit kommen, aber Ponyong ueberzeugte ihn mit Hilfe seiner Pistole. Ich fuehlte mich aeusserst unwohl, schliesslich war ich an diese „philippische Art und Weise“ der Problemloesung nicht gewoehnt.

Gemeinsam besuchten wir dann Josef, der ganz erstaunt schaute aber noch gute Miene zum boesen Spiel machte. Auch den beiden gegenueber beharrte er auf seinem Standpunkt nichts zu wissen, aber immerhin gab er zu von der ersten und zweiten „Entfuehrung“ gewusst zu haben, etwas das er ja vorher verneinte.

„Du weisst wo sie ist,“ schrie Ponyong, „spuck es aus oder ich knall dich ab wie einen tollwuetigen Hund!“

Er hielt seine Pistole direkt an die Schlaefe von Josef. Josef zitterte und begann zu weinen. Jun spielte mit einer Handgranate. Wiederholt zog er den Sicherungsstift heraus und steckte ihn wieder zurueck. Josefs Familienmitglieder weinten und jammerten.

Fortsetzung folgt

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