Dolly’s “Entfuehrung” 4. Teil

Aber alles drohen half nichts, Joseph schien dieses Mal wirklich nicht zu wissen, wo sich Dolly aufhielt. Unverrichteter Dinge mussten Ponyong und Jun wieder gehen. Im Haus unterhielten wir uns ueber die Moeglichkeiten. Ich hatte keine Idee, aber wir vermuteten, dass sie sich bei anderen Verwandten von Ramon versteckte. Ponyong meinte, er wuerde morgen nach Initao fahren und dort versuchen etwas heraus zu finden.

Am naechsten Morgen fuhr Ponyong mit Jun wieder ab, aber er warnte Josef und den Captain irgendwelche Repressalien gegen uns zu versuchen, denn sonst waere er in nullkommanix zurueck und wuerde beim naechsten Mal sicherlich die Waffe benutzen. Nach der Abreise kam der Captain vorbei und fragte ob Ponyong immer so brutal waere. Inday unterbrach uns und meinte, dass Ponyong sehr gefaehrlich sei, wenn Familienmitglieder nicht fair behandelt werden wuerden. Auf jeden Fall zeigte der Captain Verstaendnis fuer die Handlungsweise, aber ich als Auslaender hatte dafuer eigentlich keines, sagte aber auch nichts weiter dazu ausser zu meiner Frau, wenn niemand dabei war. Hindern konnte ich sie sowieso nicht daran, sich von ihrem Cousin helfen zu lassen.

Der Captain bot uns an nochmal mit Josef zu reden. Wir stimmten zu, aber ehrlich gesagt, erwarteten wir nichts. Etwa zwei Stunden spaeter kam er wieder, hatte aber nichts erreicht, da Josef dieses Mal wohl wirklich nichts wusste.

Drei Tage spaeter kam Donkoy ins Haus und bot an, Dolly zurueck zu bringen, wenn die gesamte Familie der Heirat zustimmen wuerde. Inday jagte ihn mit einem „4 by 2″ vom Hof.

Die Tage und Wochen vergingen und wir hatten nichts neues gehoert, ausser einer gelegentlichen Nachricht von Ponyong, die immer von Jeepneyfahrern gebracht wurden, und diese waren auch nicht erfreulich. So vergingen fast drei Monate und es geschah nichts.

Dann knatterte eines Morgens ein Motorrad auf den Hof mit Ponyong und Jun. Zwischen den beiden sass eine total verschuechterte Dolly. Rico und Inday brachten Dolly sofort nach oben und schlossen sie im Zimmer ein. Und nun kamen natuerlich unsere Fragen.

„Wo habt ihr sie gefunden? Wie habt ihr sie entdeckt?“ und so weiter.

Ponyong begann zu erzaehlen: „Als wir nach Initao kamen, mieteten wir ein kleines Zimmer am Markt und begannen mit den Menschen dort ein gutes Verhaeltnis herzustellen, denn wir wollten ja mehr ueber die Verwandtschaft von Ramon wissen. Gleichzeitig beobachteten wir das Haus der Cupats, aber Ramon verliess den Ort nicht. Dolly hatten wir nie gesehen, sie war wirklich nicht dort und wohl woanders untergebracht. Nach einigen Wochen erfuhren wir von Verwandten der Cupats in Kauswagan bei Iligan. Jun fuhr also nach dort und ich blieb in Initao, um weiter auf Ramon aufzupassen. Aber leider konnte Jun bei seinem ersten Besuch in Kauswagen nichts heraus finden. Die Cupats wussten natuerlich, dass sie beobachtet wurden und manchmal machten wir uns einen Spass und fuhren in Uniform und voll bewaffnet an deren Haus vorbei. Damit erreichten wir, dass Ramon sich nicht fort traute und wir dachten frueher oder spaeter wuerde Dolly auftauchen. Zwischendurch fuhr ich kurz nach Ozamis um mir fuer Jun und mich eine Missionorder zu besorgen, da wir sonst als AWOL gefuehrt worden waeren. Vor zwei Wochen bekamen wir dann eine Nachricht aus Kauswagan von einem Nachbar der Verwandten der Cupats. Jun hatte natuerlich einige Leute dort auf die Verwandten angespitzt und von der „Entfuehrung“ des Maedels erzaehlt. Und einer der Nachbarn konnte waehrend einer Sauferei den Aufenthaltsort von Dolly in Erfahrung bringen. Dolly war in Marawi City und arbeitete als Helferin bei einer Moslem Familie. Sie waere nach Initao zurueck gegangen wenn die Nachricht kaeme, dass die Luft rein ist und wir aufgegeben haetten. Leider hatten wir keine Adresse aber Marawi ist ja nun nicht so gross und als Helferin wuerde sie sicher auch einmal auf den Markt gehen zum Einkaufen. Ich verliess Initao und fuhr nach Marawi. Wir hatten viele Kumpels dort vom Militaer und da wuerde ich sicher Hilfe bekommen. Jun blieb um die Cupats weiter zu beobachten. In Marawi beobachtete ich taeglich den Markt zusammen mit zwei Freunden vom Militaer. Es dauerte auch keine Woche, da sahen wir Dolly zum ersten mal und ich beobachtete ihren Rueckweg, da ich wissen wollte wo sie sich aufhielt. Es war ein grosses Haus etwa einen Kilometer vom Markt entfernt. Wir postierten uns zwischen Markt und dem Haus, aber so, dass wir beobachten konnten, ob jemand das Haus verlaesst. Zwei Tage spaeter kam Dolly aus dem Haus und bestieg ein Tricycle. Als das Tricycle bei uns vorbei fuhr, stoppte ich es und zog Dolly raus, setzte sie auf das Motorrad und wir brausten los. Als ich in Initao ankam, holte ich Jun ab, machte kurz eine Vorbeifahrt bei den Cupats und winkte. Die waren sehr erstaunt, als sie Dolly bei uns sahen. Dann  fuhren wir bis Malaybalay durch. Dort uebernachteten wir in der Kanlord Pension und legten Dolly sicherheitshalber ueber Nacht Handschellen an. Und nun sind wir hier.“

Ponyong legte uns noch eine Abrechnung vor, aber er verlangte nicht viel. Wir mussten nur die Miete fuer das Zimmer und das Motorrad bezahlen und 600 Pesos fuer Sprit.

Am naechsten Morgen fuhren alle ausser mir und den Arbeitern nach Cagayan de Oro. Ponyong und Jun machten sich auf den Weg zurueck nach Ozamis und Inday brachte zusammen mit Rico Dolly nach Dinagat. Dort musste sie nun bei ihren Eltern leben und die Dorfschule besuchen. Von der Insel kam sie nicht runter, da sie die Passagierboote (es gab nur zwei) nicht mitnehmen wuerden. Die waren dementsprechend unterrichtet worden.

Zwischen Dolly und Ramon gab es keinen Kontakt mehr. Briefe von Ramon gingen ungeoeffnet an den Absender zurueck. Nach drei Versuchen hoerte das auch auf. Bei der naechsten Fiesta hatte Dolly ihre „unsterbliche Liebe“ zu Ramon schon vergessen.

Zwei Jahre spaeter wurde Ramon bei der Town Fiesta von Initao erstochen. Der Taeter wurde nie gefasst.

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