Dolly’s „Entfuehrung“ 1. Teil

Nachdem seit Oktober 1991 alles auf der Farm besser lief, hielten wir nun auch unser Versprechen die 13 jaehrige Dolly, unsere Nichte, auf die High School zu schicken. An Allerheiligen war meine Frau wie jedes Jahr auf Dinagat und auf dem Rueckweg brachte sie Dolly mit.

Anfaenglich konnte sie natuerlich noch nicht in die Schule gehen, da das Schuljahr ja erst im Juni 1992 begann, aber wir regelten bereits alles mit der landwirtschaftlichen High School in Alanib. So half sie in der Zwischenzeit auf der Farm und im Haushalt und wir sparten das meiste des Verdienstes fuer sie, damit sie ausreichend Taschengeld haette, wenn es mit der Schule los ging.

Damals hatten wir neben Bano einen weiteren Stay-in Arbeiter. Junjun war ja nicht wie Bano zurueck gekommen. Ramon – so hiess der neue – war ein angeheirateter Neffe von unserem Barangay Sekretaer.

Dolly war etwa drei Monate bei uns als meine Frau und ich erfuhren, dass sie mit Ramon ein Verhaeltnis hatte. Das konnten wir natuerlich nicht tolerieren, war sie doch erst wenige Tage nach ihrer Ankunft bei uns 13 geworden. Aber nicht nur das Alter war einer der Gruende, sondern dass sie uns von Indays Schwester anvertraut worden war, und wir uns natuerlich verantwortlich fuehlten.

Wir beschwerten uns beim Barangay Captain. (Eine solche Beschwerde ist normalerweise immer der erste Weg, bevor man vor Gericht klagt) Der berief dann wie ueblich ein Hearing fuer den naechsten Tag ein.

Am naechsten Tag trafen wir uns im Haus vom Capatain und Josef, der Barangay Sekretaer legte auch geich los:

„Ich habe mit Ramon gesprochen und die beiden werden natuerlich heiraten. Das ist die beste Loesung.“

„Sag mal, hast du sie nicht mehr alle beinander, das Maedel ist 13, die kann beim besten Willen noch nicht heiraten. Ausserdem ist das strafbar nach dem Gesetz,“ meinte ich.

„Ich bin der Meinung, dass die beiden heiraten muessen, nur so ist die Ehre von Dolly zu retten,“ entgegnete Josef.

„Nie und nimmer,“ warf meine Frau ein, „ich bin verantwortlich ihren Eltern gegenueber und kann das nicht zulassen. Ausserdem bin ich gegen eine Verbindung mit Ramon, der saeuft nur rum, wenn er frei hat und hatte schon etliche Freundinnen von hier. Der ist ja schon Dorfgespraech.“

So ging das Gespraech hin und her. Dolly wuerde den Typen sogar heiraten wollen, aber natuerlich kann man so eine kindliche Verliebtheit nicht als eine Basis fuer das Leben nehmen und ihr Alter verbot eigentlich einen weitere Verbindung.

Diese Aussage machte meine Frau dann auch ganz klar. Sie feuerte Ramon und meinte als naechstes: „Ich verbiete Dolly Ramon auch nur ein weiteres mal zu sehen. Ansonsten werde ich hier ganz andere Seiten aufziehen. Und vor dir habe ich schon gar keine Angst,“ meinte sie zu Ramon gewandt.

Das Gespraech wurde lauter. Josef und Donkoy, Ramons Bruder, forderten die Ehe. Meine Frau und mein Schwager waren ganz strickt dagegen. So trennten wir uns und gingen nach Hause. Ramons letzte Aussage war, dass er nie von Dolly lassen werde.

Zu Hause diskutierten wir darueber und entschieden uns die Sache erst einmal zu beobachten. Die Idee Dolly nach Hause zu schicken verwarfen wir vorerst.

So vergingen die Tage. Es geschah vorerst nichts. Und der Juni 1992 kam. Wir waren froh, dass die Sache ausgestanden schien. Dolly ging seit drei Tagen in die Schule. Am vierten Tag kam sie nicht nach Hause und wir machten uns natuerlich Sorgen. Ueber Funk fragten wir in Alanib nach, aber es wurde uns gesagt, dass Dolly ganz normal die Schule verlassen haette.

Am naechsten Morgen gingen wir zu Josef und wollten Ramon sprechen. Der war natuerlich nicht da und angeblich schon seit zwei Wochen zu Hause in Initao bei Iligan. Inday beschuldigte Josef, dass er etwas mit dem Ausbleiben von Dolly zu tun hatte, was der ganz vehement verneinte.

Im Moment konnten wir nichts tun, aber Inday und Rico wollten am naechsten Tag nach Initao fahren um festzustellen, ob Ramon dort waere und etwas wuesste. Am Abend kam Alice zu uns ins Haus. Alice war eine Schulkameradin von Dolly und erzaehlte, dass Dolly nach der Schule in den Lastwagen von Josefs Bruder gestiegen sei. Josefs Bruder holte regelmaessig Gemuese in Kibangay und Mirayon ab und war zweimal die Woche in der Gegend.

Nun war uns natuerlich alles klar und wir vermuteten Dolly nicht in Initao, sondern in Catanico, ein Barangay bei Cagayan de Oro. Dort lebte der Bruder zusammen mit der Mutter. Die denken natuerlich auch, dass wir zuerst in Initao schauen wuerden, was wir eigentlich auch vorhatten.

Am naechsten Morgen fuhren Inday und Rico los. Allerings gingen sie in Arbeitsklamotten runter auf das Feld und liefen zu Fuss am Fluss entlang und stiegen dann nach Sungco hoch, um von dort aus weiter zu fahren. Wir wollten nicht, dass die Familie von Josef etwas mit bekam. Spater kam Donkoy vorbei und fragte nach Inday. Ich sagte ihm, dass die unten im Feld am Fluss sind und erst am Abend wieder heim kaemen.

Als Inday und Rico in Catanico ankamen, fragten sie nach dem Haus des dortigen Barangay Captains. Ihm erklaerten sie die Situation und ihren Verdacht und baten ihm mitzukommen. Der Captain rief zwei seiner Tanod zur Unterstuetzung und gemeinsam gingen nun alle zum Haus von Josefs Bruder.

Als sie dort ankamen und klopften mit dem ueblichen „Ayo“ machte Ramon die Tuere auf und war ueberaus erstaunt neben dem Captain und der Tanod auch Inday und Rico zu sehen. Ohne weiter zu fragen verschaffte meine Frau sich Einlass und als Ramon sie daran hindern wollte gab es fuer ihn erst einmal eine gewaltige Ohrfeige. Der Captain verbat sich weitere Gewalt, obwohl er Indays Aerger verstehen konnte.

Dolly war im Wohnzimmer und sah fern. Ohne weitere Worte zog Rico Dolly von der Couch und knallte ihr eine. Danach verliessen alle das Haus, Dolly hinter sich her zerrend, da sie nicht gehen wollte.

Meine Frau bedankte sich beim Captain und zu dritt fuhren sie nach Camaman-an um dort bei Bekannten zu uebernachten.

Fortsetzung folgt

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