Ein alter vergessener Traum

Als ich noch ein Teenager war traeumte ich immer davon ein Cabrio und einen echten Oldtimer zu besitzen. Damals schwebte mir ein MGB oder ein Triumph Spitfire vor und der Oldtimer sollte ein alter Mercedes 170 sein. Aber als Schueler und Student kann man eben nur davon traeumen, leisten kann man es sich nicht.

Stattdessen wurde mein erstes Auto ein alter DKW Junior den ich fuer ganze 80 Mark gekauft habe und spaeter fuhr ich dann einen Fiat 850 Sport. Das ist ein sehr schoenes kleines Coupe, aber eine ganz schlimme Rostlaube.  Als ich dann 1974 einen aelteren Glas 1700GT sah, verkaufte ich den Fiat und leistete mir den Glas, obwohl die Firma schon von BMW aufgekauft worden war. Dann heiratete ich und kaufte mir was „vernuenftigeres“: einen Citroen GX. Aber das Geld war irgendwie nie genug und so konnte ich mir eigentlich kaum Luxus leisten mit Ausnahme von Reisen. Aber selbst die wurden billigst per Daumen gemacht soweit das moeglich war, und dabei kam ich immerhin bis in den Iran. Hotels kannte ich nur von aussen, denn ich reiste mit Zelt und Rucksack. Als ich 30 Jahre alt wurde, hatte ich immerhin 43 Laender auf fuenf Kontinenten besucht.

Ein Jahr nach der Scheidung traf ich dann meine heutige Frau und da sie Filipina war, war alles ganz anderes, denn es galt den kulturellen Unterschied zu ueberbruecken. Es war wohl nicht immer leicht, aber wir haben es geschafft. 1987 zogen wir auf die Philippinen und mittlerweile lebe ich seit 23 Jahren hier.

Als ich 2005 in Davao war, sah ich in einer Hotelgarage einen gelben Mazda MX 5 und verliebte mich auf den ersten Blick in diesen kleinen Roadster. Ich besuchte einige Gebrauchtwagenhaendler aber bis auf einen kannten die anderen das Auto nicht einmal. Aber der eine schrieb meine Telefonnummer auf und versprach mich anzurufen.

Es dauerte auch keine zwei Tage und der Anruf kam. Er meinte er haette einen gefunden in schwarz, der aber in recht gutem Zustand sei. Ich fuhr also zurueck nach Davao um mir das gute Stueck anzusehen. Nach der Probefahrt war ich dann auch schon „suechtig“. Ich fuhr mit dem Wagen zu Ford, die damals auch Mazda Reparaturen machte, denn die Firma hatte keine Vertretung mehr auf den Philippinen. Die erklaerten das Auto fuer fit mit einigen Ausnahmen, die mir aber auf der Probefahrt schon aufgefallen waren. Nach kurzen Verhandlungen mit dem Verkaeufer hatten wir eine Uebereinkunft und der Miata gehoerte mir.

Das Auto war ein illegaler Import und von Rechts- auf Linkssteuerung umgebaut worden, aber es war gut gemacht worden. Da der Voreigentuemer gute Beziehungen zur LTO (philippinische Zulassungsbehoerde) hatte, war der Wagen auch schon legalisiert worden. So kam ich zu diesem Auto wie die Jungfrau zum Kind, naemlich total unerwartet.

Die Familie hatte keine Ahnung und als ich mit dem Auto nach Hause kam, wollte jeder fahren. Alle waren begeistert ueber die neue Errungenschaft. Und ich fuehlte mich wieder wie 20 als ich mit dem Auto durch die Gegend dueste.

Aber nun kamen als naechstes einige Ausgaben auf mich zu, da das Auto doch einige Maengel hatte, die ich unbedingt beheben lassen wollte. So waren die vorderen Stossdaempfer im Eimer und ein paar Lager in der vorderen Radaufhaengung auch. Aber es gab keine Ersatzteile zu kaufen und so fragte ich einen meiner Kunden in Europa, ob er mir behilflich sein koennte. Ich faxte ihm also die Liste und der Mazdahaendler in seiner Naehe gab ihm die Preise. „Um Gottes Willen,“ dachte ich mir als ich die Preise sah, „ich habe doch keinen RollsRoyce gekauft.“ Aber mir blieb nichts anderes uebrig als in den sauren Apfel zu beissen und die Teile zu bestellen.

Drei Wochen spaeter waren die Ersatzteile da und der Wagen wurde repariert. Danach hatte sich das Fahrverhalten drastisch verbessert. Nun wollte ich natuerlich auch noch einige PS mehr unter der Haube und recherchierte im Internet. Dabei entdeckte ich Moss Motors, Flying Miata und den Miataclub der Philippinen. Ich schrieb eine Mail an den Club und es gab zwei Clubmitglieder, die Teile hatten und die alles andere organisieren wuerden. Ich bestellte also alles bei einem und ein paar Wochen spaeter bauten wir einen grossen Turbocharger mit Intercooler ein. Die Kupplung wurde gewechselt und Rennbremsen eingebaut abenso wie eine dem Turbo angepasste Auspuffanlage aus Edelstahl. Verschiedene andere Dinge wurden auch eingebaut und als alles fertig war, hatte ich eine Rakete unter dem Hintern.

Nur die Farbe gefiel mir ueberhaupt nicht. Ich schaute einmal mehr im Internet und es gab da alle moeglichen Ideen, aber nichts sagte mir so richtig zu. Ich stellte dann aus den gefunden Bildern mein eigenes Design zusammen und dann ging es nach Davao zum spritzen. Das war mit 50000 Pesos nicht ganz billig, aber es war sehr viel Arbeit mit der Airbrush involviert.

Einige Kleinigkeiten wie ein anderes Differential fehlten am Anfang noch, aber das Auto war ein echter „Eye Catcher“ geworden. Und wenn ich das Auto, das ich ja nun schon seit fuenf Jahren habe, fahre dann stoert mich weder das Auspuffgas der Tricycles noch die brennende Sonne.

Ach ja, und einen Oldtimer habe ich auch!

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2 Comments
  • Reply

    Hallo Kai,
    nettes Auto, macht sicher viel Spass!
    Ist halt für die Phils nicht so das ideale Auto, weil die Strassen oft schlecht sind.
    Aber als Drittwagen sicher voll OK … 😉

  • Reply

    WOW!!!
    So einen gelben Flitzer bin ich damals in Europa auch noch gefahren. Die Stereo-Anlage im Anschlag mit „Go to Rio – dance the Samba“.
    Wegen der Sonne (hmm, und dem Regen) habe ich mir letzten Samstag einen Toyota Innova zugelegt. Für den Fahrspass bediene ich mich immer noch meiner Rostlaube Marke Yahama. Diese sieht nach 2 Jahren so aus, wie ein 30 jähriger Bock in Europa. Aber was solls? Philippinen und Freiheit oder Europa und Verbote. Gruss aus Camiguin, waebi

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