Ein Ausflug nach San Pablo

Es war am Karfreitag 1988, als ich zusammen mit Toto, einem Cousin meiner Frau, einen Trip nach San Pablo machte, da ich Gorio versprach, dass ich vor Ostersonntag Geld fuer die Mitarbeiter bringen wuerde. Meine Frau und ihre gesamte Familie warnten uns, dass wir nicht fahren sollten, da es Karfreitag sei und da wuerde immer etwas passieren und man sollte unter keinen Umstaenden das Haus verlassen, es sei denn, man ginge in die Kirche. Natuerlich lachte ich ueber einen solchen Aberglauben und Toto als junger Mann wollte wohl nicht nachstehen und fuer aberglaeubisch gehalten werden und er lachte mit. Seinem Gesicht sah ich aber an, dass er eher skeptisch war.

Wir bereiteten alles vor, fuellten Benzin nach und checkten den Motor. Normalerweise fuhr Ramon das Pumpboot, aber er war ja auch aberglaeubisch und so oblag es Toto und mir das Ding zu fahren. Kurze Trips hatte ich ja schon oefter gemacht, aber nach San Pablo waren es doch fast drei Stunden.

Das Wetter war wunderschoen, die Sonne schien und das Meer war sehr ruhig. Trotz der Proteste, die auch am Anlegesteg weiter gingen, fuhren wir los. Wir umrundeten die kleine Halbinsel am Eingang der Melgar Bay und hatten einen wunderschoenen Blick nach Norden. Ausser einigen Schoenwetterwolken war nichts besonderes am Himmel zu sehen.

Der Weg fuehrte uns an den steilen Kliffs bei Bababuaya vorbei und kurz darauf durchquerten wir die flussaehnliche Passage vor San Roque, die durch eine vorgelagerte Insel gebildet wird.  Kaum kamen wir aus dieser geschuetzten Ecke heraus, als ein Sturm los brach. Innnerhalb von Minuten waren die Wellen 4-6 Meter hoch und der Wind pfiff uns um die Ohren. „Subasko“ rief Toto und wir begannen mit unserem kleinen Pumpboot die Wellen zu manoevrieren. Wie auf einer Achterbahn ging es rauf und runter, aber bis dahin lief alles noch recht gut trotz der Wellen und des Windes. Diese kleinen Boote sind seetuechtiger als man glaubt. Wir kamen in die Naehe das zweiten Strandes hinter San Roque und wir hatten Glueck, da die Wellen von Norden kamen und wir wunderschoen die Naturgewalten ausreiten konnten. Aber kurz bevor es in die Bucht von San Pablo geht, gibt es eine sehr starke Stroemung und es brachen sich dort sehr hohe Kreuzseen, die wir mit unserem kleinen Boot nie geschafft haetten. Zur rechten hatten wir steile Felsklippen und ob wir es bis zum naechsten Strand schaffen wuerden, war mehr als fraglich. Zudem wuerden wir dann im Falle eines Abbiegens nach recht die Wellen voll von der Seite bekommen. Wir fuhren langsam weiter und naeherten uns der Unterbrechung in der Felswand.  Dann sahen wir rechts den etwa einen Kilometer langen Strand liegen, aber die Wellen waren noch hoeher geworden, so dass an ein Anlaufen des Strandes nicht zu denken war. Immer naeher kamen wir an die Kreuzseen heran, die die Menschen auf Dinagat als „Sea Witch“ bezeichnen. Ploetzlich trat ein ganz kurzer Stillstand des Windes ein und Toto steuerte das Booot nach rechts und gab Gas. Wir schaukelten bedenklich, aber schon waren wir ueber die Brecher vor dem Strand hinweg und liefen auf das Ufer zu. Ich warf den Anker aus, als dass Boot von einer grossen Welle erfasst wurde und wir wurden auf den Strand geworfen. Das Seil das den Anker hielt riss dabei. Wir sprangen aus dem Boot und zogen es vollends auf den Sand. Toto fiel auf die Knie und sprach eine Dankesgebet.

Anschliessend erklaerte er mir, dass diese ploetzliche Stuerme, die wie aus heiterem Himmel losbrechen, in Surigao haeufig vorkommen koennen und so manches Fischerboot ging dabei verloren. Der einheimische Name fuer diese Stuerme ist Subasko.

Der Gewittersturm tobte noch zirka 30 Minuten weiter und da es regnete wie aus Eimern, waren wir natuerlich pitschnass. Aber selbst als der Sturm sich legte, konnten wir nicht sofort weiterfahren, da die Wellen nach wie vor viel zu hoch waren. Wir mussten etwa drei Stunden warten, bis sich das Meer soweit beruhigt hatte, dass wir losfahren konnten. Wir schoben das Boot zurueck ins Wasser, ich warf den Motor an und wir steuerten aus der Bucht heraus. Die Wellen waren immer noch hoch genug aber machbar. Ploetzlich begann der Motor zu stottern und ich konnte ihn nur mit ach und krach am Laufen halten, allerdings war unsere Geschwindigkeit auf Fussgaengertempo gefallen.

Wir bogen nun rechts ab mit unserem stotternden Motor, und da setzte er ganz aus. Wir waren dreissig Meter von einem hohen Felsen entfernt und dort war ein winziger Strand, kaum groesser als ein Handtuch. Toto sprang ins Wasser und schwamm zu dem kleinen Strand. Dann zog er das Boot am Ankertau zu sich und wir waren an dem kleinen Strand angekommen. Ich begann die Zuendung zu zerlegen und reinigte alle Teile in Benzin. Mit meinem Taschenmesser kratzte ich die Oberflaeche vom „Contact Point“ blank und baute alles wieder zusammen. Beim ersten Versuch sprang der Motor an, aber sobald ich etwas Gas gab, starb er ab.

Ich wiederholte die Prozedur mit dem gleichen Ergebnis. Langsam wurde es dunkel, die Flut kam herein und wuerde den kleinen Strand ueberspuelen  und so entschlossen wir uns die letzten zwei Kilometer nach San Pablo zu fahren, aber eben nur sehr langsam.  Das Boot kroch nur so dahin, aber sobald ich ein wenig mehr Gas gab, begann der Motor zu stottern, nahm ich das Gas weg, lief er wieder rund.

Gorios Haus war nur etwa 20 Meter vom Anlegesteg weg und hundert Meter vor dem Steg, starb der Motor endgueltig ab. Ich schrie mehrfach „Gorio, Gorio“ und tatsaechlich, er hoerte uns und kam heraus. Als er unsere Lage erkannte, setzte er sich in sein Baruto, paddelte zu uns und zog uns zum Pier. Letztendlich waren wir in San Pablo angekommen.

Bei Goria gab es dann ein Abendessen und wir mussten unsere Story erzaehlen. Nach einigen Bieren gingen wir dann um elf Uhr schlafen.

The End

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