Ein erfolgreicher Pinoy

Jeder der schon mal auf den Philippinen war und sich dabei auch mit Einheimischen unterhielt, duerfte diesen Satz schon mal gehoert haben: „Das ist ja alles schoen und gut, aber ich habe ja kein Kapital und kann daher nichts unternehmen.“ Meist hoert man aber nur das uebliche in Kuerze, dass man eben arm sei und kein Geld habe. Aber etwas gegen die Armut tun, dazu raffen sich die wenigsten auf, denn „herum haengen und jammern“ ist ja soviel bequemer. Diese mangelnde Unternehmungslust ist natuerlich einer von vielen Gruenden, dass die Armut weiter verbreitet ist, als es eigentlich sein muesste. Hinzu kommt das Unvermoegen vieler Filipinos Geld zu erhalten und zu vermehren. Selbst wenn sie zu Geld kommen und sich dann mit diesem Kapital ein Geschaeft aufbauen, machen sie in den meisten Faellen innerhalb von sechs Monaten wieder Pleite. Denn richtig rechnen koennen die wenigsten und fuer viele ist halt „Gewinn“ und „Umsatz“ das gleiche und so schmilzt das Kapital natuerlich schnell dahin. Dazu kommt die Einstellung zum Geschaeftlichen; ein Land, in dem der Satz – Gewinn oder Verlust im Geschaeft ist ja normal. So ist das eben. Mal klappts und mal nicht –  kann ja nicht weit kommen. Man hat es den Chinesen mit diesen Einstellungen natuerlich nur allzu leicht gemacht und es ist daher nicht verwunderlich, dass heute 95% der Wirtschaft von den „Intsik“ – so nennen die Pinoys etwas veraechtlich die Chinesen – kontrolliert wird.

Aber es gibt Ausnahmen, auch wenn sie sehr selten sind und die wenigsten unter euch, werden eine solche Ausnahme kennen. Ich lernte im Verlauf von 23 Jahren drei oder vier solcher Ausnahmen kennen und eine Geschichte ist besonders interessant.

Ramon war 13 Jahre alt, als er aus den Bergen nach Dipolog in die Stadt kam. Er wuchs in bitterer Armut in einem kleinen Barangay in den Bergen von Zamboanga del Norte mit seinen neun juengeren Geschwistern auf. Die Schule hatte er mehr oder weniger unregelmaessig besucht, da er ja zu Hause auf der Farm helfen musste. Ab der fuenften  Klasse gab es ueberhaupt keine Schule mehr fuer ihn. In der Stadt hatte er nun eine Anstellung als „Utility Boy“ in einem Machine Shop. Die hatte er durch den Captain von seinem Dorf bekommen, der wiederum bei einem ABC Meeting jemanden traf, der einen solchen Helfer suchte. Er musste die Maschinen sauber machen, kehren, das Klo putzen usw. Kurzum er machte die ganze Drecksarbeit. Dafuer bekam er 200 Pesos pro Monat bei freier Kost und Logie, die er dann auch schoen brav immer zu den Eltern schickte. Das war 1980 gewesen und das war damals eine ganze Menge Geld, stand doch der Dollar bei 6 Pesos.

Fast ein Jahr hatte Ramon schon gearbeitet und nun durfte er auch gelegentlich die Maschinen bedienen und verdiente auch etwas mehr. Irgendwann in dieser Zeit stellte er fest, dass er so nicht weiter kommt und genauso arm wie seine Eltern bleiben wird. Das wollte er nicht und so teilte er seinen Eltern mit, dass er nichts mehr schicken wird, da er Plaene habe und das Geld dafuer benoetige. Die Eltern waren natuerlich sauer, denn sie hatten keinerlei Verstaendnis fuer Ramons „Spinnereien“ und bezeichneten ihn sogar als undankbar. Ramon liess sich durch die Vorwuerfe nicht beirren. Er zimmerte sich aus Abfallholz einen kleinen Tisch und jeden Abend nach der Arbeit trug er den Tisch zur Hauptstrasse und stellte ihn gegenueber vom Markt auf. Dort verkaufte er dann Bonbons, Zigaretten und Rum. Spater kamen dann auch Softdrinks dazu, die er in einer Styroporbox mit Eis kuehl hielt. Jeder Peso wurde eisern gespart und auf die Bank getragen. Gleichzeitig war er wissbegierig und fragte seinen Kollegen und dem Boss das buchstaebliche „Loch in den Bauch“. Wie ein Schwamm saugte er alles auf, denn er wollte sein eigenes Machine Shop haben.

Nach insgesamt drei Jahren war es soweit. Ramon gab seinen Job im Machine Shop auf und ging nun jeden Morgen um fuenf Uhr zur Fish Landing Area und kaufte Fisch. Mit zwei Eimern voller Fisch zog er nun von Haus zu Haus um seine Ware zu verkaufen. Meist war gegen elf Uhr alles ausverkauft und nun ging er zum Markt um sich Gemuese zu holen und wiederholte das ganze am Nachmittag mit dem Verkauf von „Gulay“. Abends sass er wie immer an seinem Tisch und verkaufte auch hier.

Er hatte sich ein kleines Zimmer gemietet und lebte sehr einfach. Die Eltern, die nun mit bekamen, was er vorhatte, waren auf einmal nicht mehr veraegert und verkauften sogar ihre Produkte ueber den Sohn. Da Ramon immer sehr freundlich war, hatte er bald eine groessere Anzahl von Stammkunden und er besorgte auch gezielt Bestellungen. Bald gesellten sich einige Restaurants als Kunden dazu und das Geschaeft bluehte. Fuenf Jahre buckelte Ramon Tag fuer Tag, goennte sich nur das noetigste und drei Wochen nach seinem 21. Geburtstag kaufte er ein Machine Shop fuer 88.000 Pesos, dessen Eigentuemer aus Altergruenden aufhoerte. Zwar war es nur ein kleiner Laden mit einer Drehbank und einer Bormaschine sowie zahlreichem anderem Werkzueg, aber es war der Beginn von dem Ramon traeumte.

Zwei seiner Geschwister kamen nun aus den Bergen zu ihm und lernten von ihm, wie man das eben macht. Ramon uebernahm auch die zwei Mitarbeiter des vorigen Eigentuemer und hatte damit auch qualifiziertes Personal. Unermuedlich suchte er nach Auftraegen, und nach sieben Monaten zog er seinen ersten staedtischen Auftrag an Land. Ramons Fleiss bescherte ihm Erfolg und nur zwei Jahre speter machte er einen zweiten Laden in Sapang Dalaga auf.

Jeden Tag arbeitete er 16 Stunden und er verschaffte sich einen guten Ruf, da er wirkliche Qualitaetsarbeit ablieferte. Die Stadt wurde zum Dauerkunden und einige groessere Firmen gesellten sich dazu. Ramon hatte es geschafft, aber deswegen legte er sich nicht auf die faule Haut, sondern schuftete weiter fuer den Erfolg.

Heute hat Ramon ein wunderschoenes Haus in Dipolog, er hat auch ein zweites Haus in Cagayan und er hat 12 Filialen. Im Hof stehen drei Autos und die Eltern leben schon lange nicht mehr in den Bergen. Seine Geschwister arbeiten alle bei ihm und zusammen ist es ein sehr erfolgreicher Familienbetrieb geworden.

Ramon ist nun 43 Jahre alt und hat schon laenger eine eigene Familie mit Frau, drei Kindern und Hund. Er ist das personifizierte Beispiel einer  „From Rags to Riches Story“ und er ist zurecht stolz auf seinen Erfolg. Bei ihm hat das Geld nicht den Charakter verdorben, er hatte sogar den Schulabschluss nach gemacht und erfolgreich ein Ingenieursstudium absolviert.

Aber im Herzen ist er der liebe, freundliche Ramon seiner Jugend geblieben.

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1 Comment
  • Annie C.
    Reply

    Einen wunderbaren/beispielhaften lebensgesichte. Sorry to say: it is really a Philippine wonder boy! Ramon ist eine ausnahme. Pinoys falsches denken…“der liebe Gott ist nicht gnädig genug“

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