Ein frecher Dieb

Es war im August 2003 gewesen. Eine Woche vorher hatte ich neue Handies fuer alle Familienmitglieder gekauft. Meines Altes war ein uraltes Motorola und meine Frau und Kinder hatten vorher noch keines gehabt.

In unserem Haus haben wir Jalusienfenster aus einer Art Milchglas. Jeder Philippinenreisende kennt diese Fenster. Das Glas ist dabei an den Ecken in einem Aluminiumrahmen befestigt. Diese kleine Erklaerung ist noetig zum besseren Verstaendnis der Geschichte.

Es war ein Freitag abend und wir hatten an diesem Tag sehr viel Arbeit gehabt, da wie ueblich Samstag unser Exportshipment auf die Reise ging. Dementsprechend waren wir mueder als gewoehnlich. Im Verlaufe des Abends hatte meine Frau ihr Handy geladen. Das Handy lag dabei innen auf der Fensterbank, das Fenster war geschlossen. Natuerlich brannte das Licht im Schlafzimmer und wer von draussen geschaut haette, koennte wohl einen Schatten sehen, aber ohne zu wissen was es sein koennte.

Gegen Mitternacht gingen wir zu Bett. Das Bett stand genau unter der Fensterbank mit dem Handy. Das Licht war natuerlich aus. Gegen drei morgen schrie meine Frau: “ Ein Dieb, ein Dieb!“ Ich wachte auf und sah meine Frau wie sie ihr Handy am Fenster festhielt und der Dieb zog von  aussen. Da er das laengere Stueck des Handys in der Hand hatte, gewann er das „Tauziehen“ und damit das Handy. Ich lief ins Wohnzimmer und  schrie: „Rico, Jory! Raus aus dem Bett, ein Dieb! Gleichzeitig rannte ich auf den Hof und leuchtete in den hinteren Garten. Rico und Jory kamen dazu und wir sahen den Dieb den Baum hoch klettern, der neben der Mauer zum Nachbargrundstueck stand. An der Mauer hatte der Nachbar ein Gebaeude angebaut und ueber dessen Dach rannte der Dieb davon und sprang in den Garten des Nachbarn. Der hatte Hunde ,aber die bellten merkwuerdigerweise nicht, wo sie sonst bei jeder Gelegenheit los klaefften. Wir rannten auf die Strasse, aber weit und breit war niemand zu sehen. Rico und Jory machten sich auf die Suche und ich ging ins Haus um die Polizei anzurufen. Ich informierte die Herren ueber den dreisten Diebstahl und die versprachen zu kommen. Danach rief ich die Hotline von Globe an und erklaerte den Diebstahl. Ich gab ihnen sowohl die Seriennummer sowie die Rufnummer und damit wurde nun die Nummer und das Telefon gesperrt.

Einige Minuten spaeter kamen Jory und Rico zurueck. Sie erzaehlten, dass sie niemanden weit und breit gesehen haetten. Aber als der Dieb den Baum hoch kletterte und ueber das Dach rannte, hatten sie ihn im Strahl der starken Taschenlampe erkannt. Es war der Sohn des Nachbarn gewesen. Es war also kein Wunder, dass die Hunde nicht gebellt hatten.

An Schlaf war nun nicht mehr zu denken und unsere Maid versorgte uns erst einmal mit Kaffee. Wir unterhielten uns ueber den Fall und kamen zu dem Schluss, dass der Sohn frueher unser Haus beobachtet haben muss und gesehen haben muss, dass da etwas am Fenster lag. Aber was macht man in der Dunkelheit auf dem Dach, wenn man nicht nach Gelegenheiten zum Stehlen sucht.

Einige Minuten spaeter kam auch die Polizei mit zwei Mann angerueckt und wir boten ihnen Kaffee an. Dann erzaehlten wir, was passiert war. Danach sahen sich die Polizisten den Tatort von innen und aussen an und es war klar, was er gemacht hatte. Vermittels der Gartenschere, die auf der Terasse auf dem Tisch lag, hatte er an zwei Ecken den Aluminiumrahmen aufgebogen und die Scheibe verschoben. Dadurch kam er mit jener Schere durch den Schlitz und angelte sich das Kabel vom Ladegeraet, an dem er das Handy nach aussen zog. Waere meine Frau eine Sekunde frueher aufgewacht, dann haette der Dieb das Handy nicht bekommen.

Rico und Jory erzaehlten den Polizisten auch, dass sie den Dieb erkannt hatten. Die Polizisten vermerkten das und baten uns alle um zehn Uhr auf der Polizeiwache in Malakas vorbei zu kommen, damit die Aussagen zu Protokoll genommen werden konnten.

Also gingen wir spaeter auf die auf die Wache und gaben alles zu Protokoll, wobei die Aussagen auch gleich vereidigt wurden. Natuerlich gab es auch den ueblichen Eintrag im Polizeiblotter, einer Art Reportbuch, in dem alles festgehalten wird, was sich auf der Wache so den ganzen Tag ueber ereignet. Die Gartenschere hatten die Polizisten ja mitgenommen und nun bekamen wir sie wieder. Die Fingerabdruecke waren bereits abgenommen worden.

Wieder zu Hause machten wir uns dran den Baum zu entfernen. Faellen konnten wir ihn nicht aus Platzmangel, also wurde er Stueck fuer Stueck zersaegt und auch der Wurzelstock wurde entfernt. Ich lieh mir von Vincio einen Hund, bis wir unseren eigenen „Klaeffer“ haben wuerden, der dann auch eine Woche spaeter bei uns einzog. Ein schwarzer lokaler Mischling, der aber drei Jahre spaeter geklaut wurde und wohl mit einem philippinischen Kochtopf Bekanntschaft machte.

Das war nun mal der Anfang der Geschichte. Das Ende sollte uns noch sehr veraergern.

Wiederholt erkundigten wir uns nach dem Stand der Dinge. Und nach etwa drei Wochen wurde uns dann mitgeteilt, dass die beiden Zeugenaussagen nicht ausreichen wuerden, eine Klage zu fuehren. Auf meinen Einwand hin, man koennte sich doch die Fingerabdruecke zum Vergleich holen, wurde ich belehrt, das ginge nicht, das muesste ein Richter anordnen, und ohne Klage der Staatsanwaltschaft wuerde der das nicht tun. Hier beisst sich wieder mal die Katze in den Schwanz. Aber wenn wir die Fingerabdruecke bekommen koennten, waere das etwas anderes.

Einige Tage spaeter luden Rico und Jory den schon angetrunkenen Nachbarssohn ein und boten ihm mehr Bier an, was der natuerlich nicht ablehnte. Wer laesst schon gerne „Freibier“ stehen. Eine der Flaschen brachten wir zur Polizei und siehe da, die Abdruecke stimmten ueberein. Aber der Staatsanwalt wollte nicht weiter machen, da die Abdruecke illegal genommen worden waeren. Ich meinte dazu, wenn er nun die Klage einreichte, wuerde der Richter Fingerabdruecke anordnen, und dann waere alles klar. Er stimmte zwar zu, aber meinte auch, dass der Richter sicherlich 10000 Pesos wollen wuerde, um diese Anordnung auszustellen. Das sah ich nun nicht ein. Fuer ein Handy, das 6000 Pesos wert war 10000 auszugeben.

Wir liessen dann alles auf sich beruhen.

Aber: Drei Wochen spaeter tranken Rico und Jory wieder mal mit ihm vor einem Sari Sari Store und bei der Gelegenheit verpassten sie ihm eine ordentliche Tracht Pruegel.

In Davao City waere er wohl ein Opfer der Davao Death Squad geworden.

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2 Comments
  • Reply

    Nicht nur in Davao werden „Hühnerdiebe“ auf die „rechte“ Art und Weise entsorgt … das gibt es auch in unserer Gegend.
    Leider hast Du uns im Unklaren gelassen, was denn der Nachbar, also der Vater bzw. die Mutter dazu sagten?

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