Ein Mitglied einer „hoch angesehenen Familie“

Jeder kennt die  „angesehene Familie“ spaetestens seit dem Maguindanao Massaker am 23.  November 2009. Dort sollen sie angeblich 57 Menschen auf grausamste Art und Weise ermordet haben, darunter auch 34 Journalisten und ansonsten andere politische Opponenten und eben auch fuenf „Passanten“, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Ich selbst hatte im September 1989 das zweifelhafte „Vergnuegen“ eines ihrer Familienmitglieder kennen zu lernen.

Wie der geneigte Leser dieses Blogs mittlerweile weiss, waren wir zu der Zeit im Chormerzgeschaeft gewesen und hatten auch recht ordentlich verdient dabei. Wir haben unser Erz nicht nur mit LCTs geliefert, sondern auch mit groesseren Pumpboats, die zwischen 20 und 40 Tonnen laden konnten. Eines Tages, als wir gerade mit dem Ausladen fertig waren – der Lagerplatz der Firma Horizon war in Cugman, Cagayan de Oro – tauchten zwei Maenner in Militaeruniform auf. Der eine stellte sich als Major Dagalanggit vor und der andere als Capain Ampatuan, wobei letzterer sofort betonte einer bekannten Familie in Maguindanao anzugehoeren. Die wollten unsere Ladepapiere kontrollieren. Ich warf ein, dass sie dazu kein Recht haetten als Militaer, denn das sei Sache der Polizei oder des Bureau of Mines. Das gefiel den beiden ueberhaupt nicht und eh ich mich versah, flog ich in einen Haufen sandiges Erz. Als ich aufstand hatte einer der beiden seine Pistole auf mich gerichtet. Ich liess mich aber nicht unterbuttern und verlangte die Ausweise zu sehen. Ohne Ausweise, die beweisen wuerden, dass sie wirklich Militaer und nicht als Militaer auftretende NPA, wuerde ich gar nichts vorzeigen und mich an die Polizei wenden. Nun das war wohl ein Fehler, denn der eine – ich kann mich nicht mehr erinnern ob Ampatuan oder Dagalanggit – kam naeher und presste mir seine Waffe unter das Kinn. Naja ich bin zwar kein Feigling, aber hier rutschte mir das Herz dann doch in die Kniekehlen. Ich gab nach und holte die Papiere vom Boot.

Nach dem Kontrollieren der Papiere, meinten sie, dass die unvollstaendig seien und die Ladegenehmigung vom Militaer fehlen wuerde. Davon hatte ich noch nie etwas gehoert und es hatte auch keine der beteiligten Behoerden jemals erwaehnt, dass diese Papiere noetig seien. Ich vermutete sofort, dass hier etwas konstruiert werden solle um an Bestechungsgeld zu kommen. Und es dauerte auch keine fuenf Minuten, da meinte der eine, dass man das aber mit einer finanziellen Zuwendung auch guetlich loesen koenne. Lorenzo, genannt Insong, der dabei war, sagte diese „Zuwendung“ dann auch zu. Sie wollten 20000 Pesos haben, aber so hoch war der Reingewinn von einer Pumpboat Ladung nun auch wieder nicht, dass man das bezahlen koennte. Am Ende bezahlten wir 10000 Pesos und die beiden zogen befriedigt ab, nicht ohne zuvor anzukuendigen, dass sie wiederkommen wuerden.

Diese Situation machte uns natuerlich ganz ungluecklich, ging doch der ganze Gewinn fuer die Bestechung drauf. Wir beratschlagten und entschlossen uns in Zunkunft nachts zwischen zwei und vier Uhr auszuladen und danach das Boot an den Pier nach Agusan zu schicken. So wuerden sie wohl nicht mitbekommen, dass wir Erz angeliefert hatten. Gelegentlich koennte man ja auch ein Boot tagsueber ankommen lassen und bezahlen um diese „Aasgeier“ zufrieden zu stellen.

Wir machten es so und es ging gut fuer etwa zwei Monate. Aber die beiden waren sehr unzufrieden mit ihrem Geschaeftsverlauf, da sie nur einmal im Monat etwas kassieren konnten und handelten nun ihrerseits. Details dazu schreibe ich aber spaeter, da ich der Geschichte nicht vorgreifen will.

Eines Abends, als ich bei Insong im Haus war, stuermten die beiden Soldaten ploetzlich mit gezogenen Waffen ins Haus. Insongs Kinder waren geschockt und begannen zu weinen. Seine Frau, die ja von den beiden wusste, ging mit den weinenden Kindern ins Schlafzimmer. Die beiden setzten sich ohne zu fragen an den Tisch, knallten ihre Pistolen hin und begannen wortlos zu essen. Sie bedienten sich mit den Fingern. Insong und ich sahen mit grossen Augen zu. Der Tisch war fuer das Abendessen bereits gedeckt gewesen. Als die beiden fertig waren verlangten sie Bier. Insong schickte seinen Aeltesten zum Store um die Ecke. Noch immer sagten sie nichts. Nachdem sie das Bier getrunken hatten und mehr verlangten, rueckten sie mit der Sprache heraus. Sie seien ueber unsere Nachtankuenfte informiert worden und wollen nun 200000 Pesos haben fuer die nicht bezahlten 10000 Pesos  pro Shipment.  Sie hatten den Nachtwaechter von Horizon bedroht und der konnte seinen Mund natuerlich nicht halten, da er um sein Leben fuerchtete. Ich machte dann unmissverstaendlich klar, dass wir solche Geldmengen nicht besaessen. Sie drohten, dass sie einen von uns beiden sofort als Beispiel erschiessen wuerden, wenn wir nicht mit der Kohle rueber kaemen. Aber wir hatten ja nur ein paar tausend in der Tasche, schliesslich hatten wir seit fuenf Lieferungen noch kein Geld bekommen und warteten auf die Ankunft desselben. Ich erklaerte die Situation und am Ende gaben sie sich mit den 8000 zufrieden, die wir in der Tasche hatten. Sie gaben uns eine Woche Zeit um die restlichen 200000 Pesos zu bezahlen, die 8000 seien nur ein Unkostenbeitrag, da sie ja wieder kommen muessten.

Wir berieten an jenem Abend bis in die Nacht hinein was wir tun koennten. Aber es gab nichts zu tun. Eine Anzeige wuerde im Sande verlaufen und die zwei total gegen uns aufbringen und so entschloss ich mich den Chef von Horizon zu informieren und ihn um Rat zu fragen.

Am naechsten Tag rief ich dann vormittags in Manila an und schilderte Rolly die Vorfaelle. Rolly d. G. war der Chef von Horizon. Er sah da ueberhaupt kein groesseres Problem – „gelobt“ sei der, der in diesem Land die richtigen Beziehungen hat – und er versprach, alles innerhalb von 48 Stunden ins Reine zu bringen. Ich solle ihn also in zwei Tagen wieder anrufen.

Das machte ich dann auch zwei Tage spaeter und Rolly erzaehlte mir am Telefon, dass er seinen guten Freund General XY…. angerufen hatte, und der habe das Problem bereits geloest. Die beiden seien zur Stunde bereits nach Luzon unterwegs, da sie in die Kordillieren versetzt worden waren.

In der Tat haben wir nie mehr von dem „sauberen Erpresserpaar“ gehoert!

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