Ein verstauchter Fuss, das war aber erst der Anfang…..

Es war im Januar 1994 und die Trockenzeit hatte begonnen. Das Wetter war sehr schoen, aber wegen der Hoehenlage unserer Farm in Bukidnon war es kuehl und ich spielte mit meinen beiden Kindern im Garten fangen. Natuerlich hatten sie es darauf angelegt, dass ich immer der Faenger war und sie wichen mir oft mit geschickten Haken aus, so dass ich sie oefter verfehlte. Hatte ich dann z. B. meine Tochter erwischt, liess ich mich leicht wieder „fangen“ da das fuer die beiden Kleinen der groesste Spass war. Unser Gelaechter fiel dabei sogar vorbei gehenden Fussgaengern auf. Solche Spiele machen philippinische Eltern mit ihren Kindern eher selten.

Mein vier-jaehriger Sohn war gerade dran und rannte auf mich zu. Ich wollte mit einem geschickten Schritt zur Seite ausweichen, aber mein linker Fuss war wie fest genagelt am Boden und ich knickte um, wobei mein Fuss fuer einen Augenblick fast im 90 Grad Winkel zum Bein stand. Ich spuerte wie die Sehne ueber den Knoechel rutschte und beim Hinfallen zurueck glitt. Ein stechender Schmerz fuhr durch mein Fussgelenk und ich schrie auf. Meine Frau kam angelaufen und ich stoehnte und verlangte nach Eis um den Knoechel zu kuehlen und eine groessere Schwellung zu verhindern. Das wurde dann auch prompt im Sari Sari Store geholt und ich packte meinen verletzten Fuss in Eis. Das Eis linderte erst mal den groessten Schmerz. So sass ich bestimmt 10 Minuten im Hof auf dem Boden, bis ich dann versuchte aufzustehen und ins Haus zu kommen. Aber an Auftreten war nicht zu denken und so huepfte ich „einbeinig“ von meiner Frau unterstuetzt nach drinnen. Innerhalb von 30 Minuten war mein Knoechel auf ueber doppelte Groesse angeschwollen, das konnte auch das Eis nicht mehr verhindern. Es pochte und rumorte in meinem Fuss, so dass ich mir ernsthafte Sorgen machte, ob da nicht was kaputt gegangen war. Aber es war nachmittags und da gab es keine Jeepneys mehr um nach Malaybalay ins Krankenhaus zu fahren. Ich beschloss also am naechsten Morgen mit dem ersten Jeep ins Krankenhaus zu fahren.

Die Nacht verbrachte ich mit starken Schmerzen mehr schlecht als recht und am naechsten Morgen war ich bereits um 6 Uhr fertig, aber eben barfuss, da mein geschwollener Fuss weder in einen Schuh passte ncoh in meine Slipper. Zwei Stunden spaeter war ich im Krankenhaus und mein Knoechel wurde nach laengerem Abtasten durchleuchtet. Das Ergebnis war wenigstens positiv, es war nichts gerissen oder gebrochen, sondern „nur“ eine Verstauchung der uebelsten Sorte. Ich bekam eine Salbe verschrieben, sowie Tabletten gegen die Schmerzen und elastische Binden und huepfte danach wieder „einbeinig“ aus dem Krankenhaus zum wartenden Tricycle, das uns zurueck zum Busbahnhof am Markt brachte. Von dort fuhren wir wieder mit dem naechsten Jeepney nach Maagnao zurueck.

Es dauerte sechs Tage bis ich die ersten Gehversuche machte und schwer hinkend mich zumindest wieder selbst fortbewegen konnte. Am zweiten Tag nach meinen ersten Gehversuchen, „kletterte“  ich die steile innere Treppe hoch um ins Obergeschoss des Hauses zu kommen. Die einfachere Aussentreppe verwendeten wir fuer gewohnlich nicht mehr nach Einbruch der Dunkelheit, insbesondere auch weil der „Aerger auf der Farm“  ja noch nicht zu Ende war. Mehr koennt ihr dazu in der Rubrik Erlebnisse lesen. (Es sind vier Teile, aber der Link fuehrt nur zum ersten Teil, von dort aus kommt ihr auch zu den anderen Teilen der Erzaehlung.) Unsere Helferin Lynlyn hatte einige Minuten vorher die Thermoskanne mit kochendem Wasser gefuellt und neben der „Leiter“ stehen lassen, aber den Deckel nicht zugeschraubt, sondern nur aufgelegt. Beim hoch steigen fiel diese Thermoskanne um und das kochend heisse Wasser ergoss sich ueber meinen verstauchten Fuss. Ich bruellte auf vor Schmerz und fiel prompt die Treppe hinunter. Hart krachte ich mit dem Kopf voraus auf den Beton, was mir zusaetzliche Schmerzen samt einer kraeftigen Beule einbrachte. Ich flucht und schimpfte und gab Lynlyn so ziemlich alle Schimpfnamen, die mir einfielen. Meine Frau rannte in den Laden um Eis zu besorgen (Schon wieder, fragten die dort?) und fuellte einen Eimer mit Wasser und dem Eis, wo ich dann meinen nun mehr doppelt laedierten Fuss hineinstellte. Einmal mehr war ich zum Einbeinigen geworden. Der Schmerz liess im kalten Wasser sofort nach und wenn immer das Eis geschmolzen war wurde neues Eis zugegeben. Ich trank dazu Tanduay mit Cola um mir die noetige Bettschwere zu besorgen, da ich genau wusste,dass ohne Rausch an Schlafen gar nicht zu denken gewesen waere. Diese Nacht verbrachte ich unten im Wohnzimmer auf dem Sofa.

Am naechsten Morgen war ueberall auf dem Rist die Haut abgegangen und wir schickten jemanden nach Malaybalay um antibiotische und Brandsalbe zu besorgen, da sich ja so grossflaechige Wunden sehr leicht entzuenden. Die Verbrennung selbst schmerzte nicht mehr, aber jedesmal wenn die Wunde antrocknete tat die Spannung auf der Haut furchtbar weh. Am naechsten Tag hatte sich Eiter auf der Oberflaeche der Wunde gebildet und einmal mehr war ich auf dem Weg ins Krankenhaus, huepfend – da ich ja nicht laufen konnte.  Der Arzt verschrieb mir echt teures starkes Zeug und innerhalb weniger Tage bildete sich dann „gesunder“ Schorf auf der Brandwunde, zumindest glaubte ich das. Aber nach drei Tagen loeste sich der Schorf und darunter eiterte es munter weiter. Also ging es zurueck ins Krankenhaus und da behielten sie mich gleich fuer drei Tage und liessen mich erst gehen, nachdem das Problem mit dem Eitern geloest war.

Danach ging es zurueck in die Berge und als ich dort angekommen war, fand ich einen Brief von meiner Tante vor. Ich ahnte nichts gutes und setzte mich an den Tisch um den Brief zu lesen. Meine Grossmutter war am 21. Januar verstorben stand da,  und da ich ja ohne Eltern aufgewachsen war und einen sehr wichtigen Teil meiner Kindheit und Jugend bei der Oma aufgewachsen war, war der Schock dementsprechend. Ich weinte leise vor mich hin und konnte bestimmt fuer die naechsten dreissig Minuten die Fragen meiner Frau nicht beantworten, bis ich dann endlich unter Schluchzen ‚rausbrachte, was passiert war. Die naechsten Tage verflossen ohne konkrete Erinnerung. Ich fuehlte mich wie ein Traumtaenzer und wusste ueberhaupt nicht mehr was los war. So langsam kam ich aber mit der Realitaet zurecht und begann wieder normal zu denken und zu handeln. Eine Woche spaeter war ich dann mit der Hilfe von Kruecken unterwegs nach Deutschland, um dort alles zu regeln was zu regeln war.

Ich blieb einen Monat und auf dem Rueckweg war ich zwar noch heftig am hinken, aber musste die Kruecken nicht mehr benutzen. Nach etwa drei Monaten hinkte ich nur noch leicht, aber es dauerte etwa zwei Jahre bis das Schwaechegefuehl und damit die Angst wieder so umzuknicken vorbei war.

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