Eine verrueckte Geschichte 1. Teil

Im November 2004 besuchte ich einen Bekannten, ein Expat der das Bier ueber alles liebt und seinen Morgenkaffee damit ersetzt – Juergen, so hiess er,  lebte uebrigens in Don Carlos in Bukidnon –  und bei ihm traf ich einen anderen Deutschen, der eben auch auf Besuch war. Juergen, der Bier trinkende Expat, stellte mich Arno vor und erzaehlte, dass er hier in Bukidnon mit Holz Geschaefte machen will. Ich fragte Arno, wie er sich das vorstelle? Arno meinte, dass er eben all die Plantagen aufsuchen wolle und den Eigentuemern  Preisangebote fuer ihre Gemelina Baeume mache und wenn er den Zuschlag bekaeme, dann wuerde abgeholzt und die Staemme in Cagayan de Oro verkauft.

„Hast du schon mal so einen Deal durchgezogen?“ fragte ich ihn.

„Nein noch nie,“ entgegnete er, „ich sehe darin aber kein Problem.“

„Wenn du den Filipinos direkt in die Quere kommst, kann es schon mal passieren, dass du Aerger bekommst,“ warnte ich ihn noch, aber er meinte nur: „Ich kenne deren Mentalitaet nun ganz gut und komme auf jedenfall klar“

„Und wie lange bist du schon hier?“ „Sechs Monate“ antwortete er.

„Aha, ein Oberschlauer, der nach sechs Monaten die Pinoys kennt.“ Das sagte ich aber nicht, sondern dachte es nur.

Wir hatten einen netten Nachmittag bei Juergen und gegen 4 Uhr verabschiedete ich mich, da ich ja noch nach Cagayan wollte und in der Dunkelheit ausserhalb der Staedte nur sehr ungerne fahre.

Auf dem Rueckweg fuhren wir dann am Haus von Arno in Manolo Fortich vorbei und lernten auch seine Freundin und deren 5 monatige Tochter kennen.

Nach meiner Rueckkehr nach General Santos habe ich dann den Arno und seine „Baeume“ vergessen. Bis zu jenem „schicksalschweren“  Tag im August 2005.  (Da gehoert eigentlich ein zwinkernder Smilie hin)

Ich bekam eine SMS von Arno, der ja wusste, dass wir Fisch und Meeresfruechte exportieren und da fragte er an, ob ich Kaeufer fuer Langusten und grosse Krabben haette. Ausserdem sei der Fisch sehr preiswert und wir koennten vielleicht zusaetzlich auch Fisch exportieren. Der gute „erfahrene“ Arno war mittlerweile in Baroy gelandet und hatte dort einen Pinoy namens Nestor kennen gelernt, der eine kleinere Zucht fuer die Scampi hatte. Und mit dem zusammen wollte er also  Scampi und auch Langusten aus Sultan naga Dimaporo liefern. Nun ja ansehen wollte ich mir das schon mal und wir machten aus, dass ich am Wochenende nach Baroy komme. Ausserdem hatte ich zwei Kunden in Europa, die schon laenger nach diesen Produkten suchten, da Ihnen die Scampi aus Thailand und die Langusten aus Suedafrika zu teuer waren.

Am Samstag Morgen fuhren wir also los. Wir entschieden uns ueber Tacurong und Datu Piang nach Cotabato zu fahren und dann die alte Strasse durch Lanao del Sur nach Pagadian.  Wir kamen eine gute Stunde spaeter in Tacurong an und fuhren weiter nach Lambayong. Dort erfuhren wir, dass eine Bruecke bei Sultan sa Barongis zerstoert sei und wir nicht durchkaemen.  Wir mussten zurueck nach Tacurong und dann ueber Mlang, Matalam  und Kabacan fahren. Das ist dann doch ein etwa 100 Kilometer langer Umweg. In der Naehe von Cotabato City bogen wir  nach Norden ab auf den alten Ramos Highway.

Hinter Cotabato City gab es dann so gut wie keinen Verkehr mehr. Die Strasse wurde schmaler und war auch zum Teil von Unkraut ueberwachsen und die Doerfer waren zwar sauber, aber alles sah aermlich aus hier im tiefsten Moslemgebiet. Es gab sehr viele unbemannte Checkpoints entlang des Weges und ein „Slalom“ folgte dem anderen. Hinter Matanog kam dann ein bemannter Checkpoint mit Leuten, die ohne Uniform so gar nicht nach Polizei oder Militaer aussahen.  Vor uns war ein Van am Checkpoint, der von den Leuten dort auf die Seite gewunken worden war. Wir fuhren langsam hin und meine Frau liess ihr Fenster ‚runter. Als ich mir die bewaffneten Maenner und alles andere dort genauer ansah, verlor ich jegliches Vertrauen und in dem Moment, als einer der Maenner zum Autofenster ‚reinschauen wollte, gab ich Gas und in Sekunden waren wir um die Kurve hinter dem Checkpoint verschwunden und ausser Sichtweite. Die naechsten Kilometer trat ich dann drauf und fuhr so schnell wie die Strassenverhaeltnisse es zuliessen, da ich die Abzweigung nach Marawi hinter mir lassen wollte. Danach gab es mehrere Moeglichkeiten zu fahren und sollten sie jemanden verstaendigen, mussten sie raten wohin wir gefahren sind, wobei deren Hauptaugenmerk dann sicherlich auf der Strecke nach Iligan gelegen haette.

Die Strasse wurde hinter der Abzweigung nach Marawi – Iligan deutlich schlechter und ging bald in eine Piste ueber. Zum Teil fehlten Bruecken und wir mussten die Fluesse durchfurten. Zum Teil wurde auch gebaut und so manches mal war es so matschig, dass ich dachte wir wuerden gleich stecken bleiben. Schliesslich erreichten wir Sultan Naga Dimaporo und ab da war die Strasse voll im Bau und es war immer zumindest eine gute Fahrspur fertig gestellt, einige Kilometer weiter dann beide.

Wir kamen nun zuegig voran und erreichten eine knappe Stunde nachdem wir an Sultan Naga Dimaporo vorbei gefahren waren unser Ziel Baroy. Gute 500 Kilometer waren wir gefahren und ich war sehr muede. Arno wartete am Strassenrand in Baroy und wir fuhren die zwei Kilometer zum Mindanao Civic Center und nahmen uns dort ein Zimmer.  Mit 900 Pesos war es fuer so ein riesiges Hotel auch recht preisguenstig.  Das Hotel hatte auch einen riesigen Pool mit 50 Meter Laenge und eine Sporthalle, in der in der Vergangenheit auch schon PBA Spiele statt fanden. Es war ein echter „weisser Elefant“ abseits aller groesseren Staedte.  Aber das Restaurant war  damals noch nicht offen und so besorgten wir uns gegrilltes Huhn in Tubod und assen es mit „hanging Rice“ an den Tischen neben dem Pool. Nach dem Essen fragte ich Arno, was denn aus seinen Plaenen mit dem „abholzen“ geworden sei. Er antwortete nur lakonisch: „Zuviel Konkurrenz!“

Gegen 9 Uhr waren wir alle muede und gingen schlafen, neugierig auf den morgigen Tag, der zeigen wuerde ob Arnos Plaene Spinnereien sind, oder ob hier wirklich Geld zu verdienen ist.

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