Eine verrueckte Geschichte 2. Teil

Nach dem Aufstehen wollten wir einen Kaffee trinken, aber bedauerlicherweise gab es keinen im Hotel. Ich gab dann einem Zimmermaedchen 100 Peso mit der Bitte uns doch Kaffee von ausserhalb zu organisieren. Etwa 15 Minuten spaeter war der Kaffee da und wir „erfreuten“ uns an dem 3 in 1 Gebraeu. Ein halbe Stunde spaeter standen wir gestiefelt und gespornt in der Hotelhalle. Arno wartete schon auf uns und wir zogen los. Zuerst besichtigten wir die Teiche von Nestor;  er hatte da doch immerhin etwa 6 Hektar und Arno erzaehlte, dass er da schon  knappe einhunderttausend Pesos hinein gepumpt haette. „Na hoffentlich wird das kein Reinfall fuer ihn,“ dachte ich mir. Die Teiche sahen eigentlich recht gut aus, der Besatz war gut und das lies auf eine gute Ernte hoffen.

Als naechstes besichtigten wir die Maerkte in Tubod und Baroy um zu sehen, welche Art von Fischen zu welchen Preisen angeboten werden, und um heraus zu finden, ob es kommerzielles Volumen gaebe. Der Artenreichtum war nicht so gross wie in Surigao, aber es gab genuegend Fische, die auch regelmaessig in kommerziellen Mengen erhaeltlich waren. „Es ist ein Unsinn den Fisch im allgemeinen nach GenSan zu bringen. Besser wir verarbeiten hier, liefern ueber Cagayan nach Manila und unser Broker kombiniert die Lieferungen. Die Dokumentierung machen wir dann in General Santos,“  erklaerte ich, „aber dazu brauchen wir einen grossen gefliessten Raum mit Wasseranschluss und Klimanalage.“ Arno meinte wie immer, das sei wohl kein Problem. Wir gingen dann zum Barangay Captain in Baroy, und der sagte, dass es da es sicherlich Moeglichkeiten gaebe und er werde sich umhoeren.

Wir assen in einer der zahlreichen Carenderias zu Mittag als eine SMS hereinkam, in der der  Captain mitteilte, dass er was gefunden haette. Das war flott, muss ich schon mal sagen. Wir fuhren also zurueck zum Captain und der zeigte uns ein leerstehendes Haus mit einem grossen Raum, zwei kleinen  Zimmern und betoniertem Boden. Nun fuer den Anfang war das ok und wir einigten uns mit der Eigentuemerin auf eine Miete von 3000 Pesos monatlich.

Wir fuhren dann zurueck zum Hotel um unsere Sachen abzuholen, die wir an der Rezeption zurueck gelassen hatten. „Also hoer mal zu Arno, du hast ja noch keinerlei Ahnung von Fischverarbeitung und deswegen werde ich naechste Woche jemand schicken, der das ganze erst mal ueberwacht und den Leuten hier alles noetige bei bringt,“  erklaerte ich ihm, denn auf keinen Fall wollte ich Arno hier schalten und walten lassen, bevor er seine Hausaufgaben gelernt hatte.

Wir verabschiedeten uns danach und fuhren dieses mal ueber Iligan zurueck nach Cagayan und uebernachteten bei meiner Schwaegerin. Am naechsten Morgen fuhren wir dann nach Hause zurueck.

Ich sprach am naechsten Tag mit  meinen Kunden und zwei waren interessiert Probesendungen von Scampi und Langusten zu sehen. Beide wollten je 10 Kilo pro „Artikel“  haben und die Scampis sollten nicht unter 50 Gramm das Stueck liegen und die Langusten ueber ein Kilo pro Stueck. Am folgenden Tag schickte ich Jory, einen meiner Mitarbeiter nach Baroy, damit er die Probesendung mit Arno macht und alles eben ueberwachte. Wir planten eine Sendung zusammen mit unserer eigenen um zu sehen, ob das mit dem kombinieren der Lieferungen auch klappte. Am Freitag abend informierte mich Jory, dass die Sendung fertig sei und er sie an den Flughafen nach Cagayan bringt, damit sie beim ersten Flug mit dabei sind. Auf meine Frage hin, ob alles passt und die „Specs“ stimmen, meinte er, alles sei bestens. Ich informierte meinen Broker ueber die zusaetzliche Sendung aus Cagayan und sagte ihm auch, dass da keine Papiere mitkommen, sondern die Papiere mittags mit unserer ueblichen Sendung in Manila ankommen wuerden.

Die Sendung ging am Samstag abend mit dem Flug nach Zuerich raus und alles schien sehr gut zu laufen.

Am Montag abend bekam ich dann den ersten Anruf und der Kunde war begeistert ueber die Scampi und die Langusten. Groesse, Frische und Gesamtqualitaet, alles passte.  Die gleiche Reaktion kam vom anderen Kunden. Aber beide hatten noch laufende Vorbestellungen fuer weitere 6 Wochen und somit wuerden wir dann erst danach zu liefern beginnen. Ich informierte Arno von der Entwicklung und dass es eben kommerziell in sechs Wochen los ginge. Jory wurde nach Hause zurueck geschickt.

In der ersten Oktoberwoche bekamen wir dann auch die Vorbestellung mit einer Woche Vorlauf. Prima, dachte ich da haben wir genug Zeit um alles richtig zu machen. Jory fuhr zurueck nach Baroy. Aber es kam wie es kommen musste, Nestor hatte zwei Wochen vorher geerntet und nicht wie abgemacht 30% zurueck gelassen fuer zusaetzliches Wachstum, damit wir die richtigen Groessen schicken konnten. Alle anderen Zuechter in der Gegend hatten nur kleine Scampi und wie es der Teufel will gab es auch keine Langusten.  Nur die lebenden fuer 1600 Pesos das Kilo, die meine Kunden nicht wollten. Also gab es auch keine Sendung aus Baroy. Das war es dann fuer mich, denn nochmal wollte ich das Risiko nicht eingehen mich zu blamieren. Ich informierte meine Kunden und die waren natuerlich nicht gluecklich. Jory kam zurueck und Baroy mit Arno waren kein Thema mehr. Zum Glueck hatte sich der Verlust in Grenzen gehalten. Die Probesendungen waren ja bezahlt worden.

Ich erwartete nicht noch einmal von Arno zu hoeren, als anfangs November um 4.30 morgens mein Handy los bimmelte. „Um Gottes Willen, wer ruft denn um die Zeit an?“ fragte ich mich. Meine Frau war in Surigao wie jedes Jahr am All Souls Day. Ich nahm den Anruf mit einer unbekannten Nummer aus Deutschland entgegen und dran war Arno.  Aufgeregt schrie er ins Telefon: „Ich bin auf dem Boot von Pagadian nach Cotabato City und wir sind schon in der Naehe des Piers. Ich glaube, die wollen mich entfuehren. Die schiessen ueberall!“ Im Hintergrund hoerte ich deutlich das Geknalle.

Fortsetzung folgt

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