Eine verrueckte Geschichte 7. Teil

Die verrueckte Texterei von Arno ging weiter, bis ich dann um den 20. Januar eine Message erhielt, dass Otto ihn mit seiner Kruecke krankenhausreif geschlagen haette und er jetzt in einem Provinzkrankenhaus in Misamis Oriental laege. Die beiden hatten zusammen mal wieder einen ueber den Durst getrunken, hatten sich wegen irgendwelcher Maedels gezankt und Otto nahm seine Kruecke und schlug zu. Dabei ging auch Arnos Brille zu Bruch, ohne die er eigentlich recht hilflos war. Nun brauchte Arno also mal wieder Geld und fragte mich. Ich sagte ihm ein klares Nein und er sollte sich doch an seine Eltern wenden, die haetten genug Geld, schliesslich hatte sein Vater als gehobener pensionierter Beamter eine gute Pension.

Am naechsten Tag bekam ich einen Anruf von Arnos Mutter. Sie schrie mich an, was ich mir denn einbilden wuerde, ihrem Sohn in der Not nicht zu helfen und sie wuerde den Mossad auf mich hetzen und die seien binnen 24 Stunden auf den Philippinen um mich „abzumurksen“. Sie schrie und ich kam ueberhaupt nicht zu Wort. Als sie mal Luft holen musste, meinte ich nur: „Jetzt machen sie sich doch nicht laecherlich.“ Nach diesem Vorfall war mir die Schwere von Arnos Erkrankung ueberhaupt erst bewusst geworden.Und er hatte es von seiner Mutter geerbt.

Im Februar, einige Tage nach dem Erdrutsch in Leyte, bekam ich wieder mal eine SMS von Arno. Dieses mal behauptete er, dass der Erdrutsch von amerikanischen F16 ausgeloest worden war, die ein paar Luft – Boden Raketen in den Hang geschossen haetten. Eine Diskussion ueber Sinn und Unsinn dieser „Aktion der Amerikaner“ schenkte ich mir.

Im April machten wir uns mit den Kindern auf unsere erste Rundreise durch die Philippinen. Fuer zwei Monate sollte es vom tieftsten Sueden bis in den hoechsten Norden gehen. Es war sehr wohltuend, dass Arno sich in diesen Wochen ruhig verhielt;  er war nach der Trennung von Otto nach Cebu gegangen. In Bacolod trennten wir uns von den Kindern (die mussten wieder in die Schule) und nachdem wir Negros „erforscht“ hatten ging es weiter nach Cebu. Da Arno ja dort war, machten wir ein kurzes Treffen aus und trafen ihn in der Naehe von Alegria. Ich war ueberrascht Arno zu sehen; er hatte abgenommen und er verhielt sich ganz normal, so normal wie ich ihn damals in Don Carlos kennen lernte. Es schien als ob seine Erkrankung in Schueben verlief.

Nach unserer Rueckkehr kamen gelegentlich noch Messages von ihm, aber nichts verruecktes. Bis es im September dann wieder los ging. Es kamen wieder einige Texte, die sich insbesondere mit dem Kongressmann aus Lanao und dessen Tochter beschaeftigten.  Ich tat das alles als Unsinn ab, antwortete auch nicht wenn es zu bloed war.

Im Oktober kam dann wieder eine SMS dieses mal aus Manila. Morgen wollte er bei der Botschaft vorsprechen. Am naechsten Tag bekam ich dann auch einen Anruf vom Herrn G. und der fragte mich, ob es ein Attest von der Aerztin gaebe, die ihn letztes Jahr untersucht hatte. Ich verneinte, meinte aber, dass ich vorbei schauen koennte und eines holen. Herr G. stimmte zu und so machte ich mich auf Weg zu ihrer Praxis. Die Aerztin checkte ihre Unterlagen und meinte morgen koenne ich es abholen. Wieder zu Hause rief ich Herrn G. an und informierte ihn, dass ich es morgen bekaeme und wie ich es schicken sollte. Er meinte ein Fax waere wohl das beste. Am naechsten Morgen holte ich das Attest ab und faxte es an die Botschaft.

Einige Tage spaeter bekam ich eine Text Message von Arno, dass der Antrag auf Konsularhilfe wegen des Heimfluges abgelehnt worden war. Man habe ihm noch eine Bundeswehr Tagesration in die Hand gedrueckt und das wars. Daraufhin rief ich Herrn G. und fragte nach den Gruenden der Ablehnung. Die Antwort war kurz und buendig: „Das liegt in unserem Ermessen.“

Ich rief dann bei Arnos Vater an, der mittlerweile aus der Nervenheilanstalt entlassen worden war und fragte ihn, ob er nicht ein Ticket schicken koenne, damit Arno endlich nach Hause kaeme.  Arnos Vater hatte seit seiner Entlassung kein Geld mehr geschickt. Der Vater verneinte das und meinte, Arno solle sehen wie er klar kaeme.

Ich rief dann wieder bei der Botschaft an und fragte Herrn G. ob es nicht eine Moeglichkeit gaebe, den Vater von Arno zu zwingen ein Ticket zu schicken. Herr G. meinte, er habe ja auch schon mit dem Vater gesprochen und der waere wohl ein „wenig“ unwillig das zu tun. Aber er werde versuchen ueber das Auswaertige Amt Druck auf Arnos Vater auszueben.

Ich hoerte dann wochenlang nichts mehr von Arno und der Botschaft, bis ich am 26.12. eine e-mail von Arno bekam, dass er seit einigen Stunden zu Hause sei. Sein Vater wurde von den Aemtern sozusagen gezwungen ein Ticket zu kaufen.

Seit dieser Zeit hoere ich gelegentlich von Arno ueber den Chat. Er hatte ein Bindehautabloesung und war operiert worden. Seine Nervenkrankheit war mal ok dann wieder nicht, das konnte ich auch deutlich an seiner Schreiberei erkennen. Erst vor wenigen Tagen hatte er mal wieder einige F16 messages verschickt und von der grossen CIA Verschwoerung gefaselt.

Zum Abschluss moechte ich noch sagen, dass ich insgesamt 22000 Pesos fuer Arno ausgegeben habe. Das Versprechen alles zurueck zu zahlen hat er nie eingeloest.

The End

Share This Post
Related Posts
„Kindermord“ und Taktlosigkeit
„Boese Geister“ in Davao
Kreuzigungen auf den Philippinen

Leave Your Comment

Your Name*
Your Webpage

Your Comment*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>