Ein Tag wie jeder andere……

Der Tag begann wie immer.

Ich stand am Morgen auf, und trank zu allerest mal den obligatorischen Kaffee. (Erst 1995 begann ich Tee zu trinken) Fruehstuecken tat ich damals auch nicht und der Kaffee war mein ganzes „Breakfast“. Es war 8.30 morgens, als meine Frau vom Markt zurueck kam, wo sie nach ihrem Verleihgeschaeft geschaut hatte. Sie erzaehlte von einigen Geruechten eines Coup de Etats, aber es schien nur heisse Luft zu sein, da in den Nachrichten im Radio nichts erwaehnt wurde. Bombo Radyo hatte nichts dazu zu sagen und  Bombo war sozusagen die philippinische „Bildzeitung“ des Rundfunks. Also machten wir uns auch weiter keine Sorgen.

Wir arbeiteten im Haus, wo ich gerade dabei war ein Buecherragal zu bauen, da es das, was mir vorschwebte, auf den Philippinen nicht zu kaufen gab. Da wir beide beschaeftigt waren, entschlossen wir uns zum Mittagessen in den Frankfurter Hof zu fahren, meine Frau hatte ausnahmsweise nichts gekocht, was mir schmecken wuerde. Den „Frass“ der Maid mochte ich ich nicht.

Als wir im Frankurter Hof ankamen, sah ich dass die philippinische  Flagge im Camp Sotero Cabahug – eine Militaerbasis gegenueber vom Restaurant – verkehrt herum aufgehaengt war. Die rote Seite war oben. Ich hatte keine Ahnung, was das bedeuten sollte und dachte naja das kann ja jedem passieren, so einen Fehler zu machen.

Im Restaurant trafen wir Karl Heinz und Michael und wir unterhielten uns mit ihnen, nachdem wir bestellt hatten. Die Gespraeche waren normaler „chit chat“. Etwa eine halbe Stunde nach dem Essen hoerten wir eine Sirene vom Camp gegenueber. Wir schauten hinaus aber es war nichts zu sehen. Einer der Angestellten im Restaurant wechselte nun von Musik zu Bombo Rady und hier hoerten wir zum ersten Mal, das eine Kudita (Coup de Etat) im gange war. Colonel Gregorio Honasan, der Fuehrer der RAM  (Reformed Armed Forces Movement) hatte an diesem 28. August 1987 frueh am Morgen zusammen mit etlichen Soldaten Malacanang, den Sitz des Praesidenten der Philippinen angegriffen und waren nun dabei, den Palast zu belagern um die Praesidentin, Corazon Aquino besser bekannt unter den Filipinos als Cory, zum Ruecktritt zu zwingen.

Etliche andere Gruppen hatten sich der Rebellion angeschlossen unter anderem eben General Abenina in Cebu. Das war auch der Grund warum die Flagge im Camp verkehrt herum hing, denn die umgedrehte Flagge drueckt auf den Philippinen Kriegsrecht und Krieg aus.

Die Nachrichten wurden nun etwas genauer. Am Morgen hatte auch ein Angriff auf Camp Aguinaldo und Villamor Airbase statt gefunden und Teile dieser beiden Militaer Basen waren nun von den Rebellen bestzt. Das Hauptquartier der nationalen Verteidigung war den Rebellen in die Haende gefallen. Um Malacanang herum wurde heftig gekaempft.

Ploetzlich fielen draussen auf der Strasse einige Schuesse. Wir rannten alle hinaus um zu sehen was los war. Ein Lastwagen voller Soldaten war vor dem Camp angekommen und wartete, dass jemand das Tor oeffnen wuerde. Scheinbar hatten einige der Soldaten in die Luft geschossen. Ploetzlich sprangen einige Soldaten vom LKW und zielten mit ihren Waffen auf zahlreiche Zivilpersonen, die sich die ganze Sache ansahen, darunter auch auf uns. In Sekundenschnelle zogen wir uns alle ins Restaurant zurueck um vom Fenster aus weiter zu schauen. Nachdem der LKW ins Camp gefahren war, trat wieder Ruhe ein.

Wir skannten nun durch das Radio und stellten fest, dass wohl einige Stationen vom Militaer uebernommen worden waren und ihre eigenen Sendungen ausstrahlten. Man hoerte aber nur die uebliche politische Propaganda in solchen Faellen, aber es hoerte sich von Rebellenseite so an, als haetten diese schon die Regierungsgewalt uebernommen.

Gegen vier Uhr fuhren wir nach Hause. Dort angekommen hoerten wir im Radio, dass die Rebellion niedergeschlagen war und die Rebellen zum Teil festgenommen worden waren. Die Belagerung von Malacanang war zu Ende. Aber der Raedelsfuehrer Gregorio Honasan war den Haeschern entkommen.

Aber es gab doch  insgesamt 53  Tote und ueber 200 Verletzte in den Kaempfen. Unter den Verletzten befand sich auch Noynoy Aquino, Sohn der Praesidentin und heutiger Praesidentschaftskandidat fuer die Wahlen 2010.

Nach dieser Rebellion unterliess die Regierung jede Aktivitaet die nach „links“ ausgerichtet sein koennte und bekannte Liberale der Regierung wie Joker Arroyo, bis dahin Executive Secretary, wurden entlassen.

Den Beteiligten der Rebellion wurde nie der Prozess gemacht und Gregorio Honasan bewarb sich 1995 zum erstenmal um einen Sitz im Senat. 1992 hatte Praesident Ramos Honasan offiziell begnadigt und er tauchte wieder aus der Versenkung auf. Seitdem war er immer wieder in den Senat gewaehlt worden. Von 2004 – 2007 hatte er auf grund der „Term Limits“ eine dreijaehrige Auszeit. Gegenwaertig sitzt er einmal mehr als Senator.Da soll nochmal einer sagen dass  „Crime does not pay“ auf den Philippinen.

Ein kleines Nachspiel gab es noch: Praesident Aquino reichte eine Klage wegen Verleumdung gegen den Kolummnisten Louis Beltran vom Philippine Star ein, der in den Tagen nach dem Putschversuch behauptet hatte, dass die Praesidentin sich waehrend des Angriffs auf Malacanang unter dem Bett versteckt haette.

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1 Comment
  • Reply

    Besten Dank. Dies ist das erste Mal, dass ich lese, wie ein Expat die Ereignisse erlebt hat.
    Ich bin gespannt, wie sich die Wahlen im Mai entwickeln. Die Fernsehkanäle werden ja schon jetzt alle paar Minuten mit Politwerbung zugespammt.
    Gruss aus Camiguin
    waebi

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