Erwin

Erwin war der einzige auf ganz Dinagat, der ein Boot hatte ohne Ausleger. Auch nach zwei Jahren wurde er noch oft gefragt, warum das Boot ohne Ausleger denn nicht kentern wuerde. Das Boot war etwa zehn Meter lang und drei Meter breit und er befoerderte ueberwiegend Fracht zwischen den Doerfern am Meer, fuhr aber auch auch gelegentlich nach Surigao City. Passagiere bekam er weniger, da die meisten Menschen dort dem Boot nicht vertrauten.

Nachdem wir unseren Stockyard in Wilson gebaut hatten  (siehe hier sind aber fuenf Teile) lieferte Erwin manchmal Chromerz von anderen Eigentuemern an, begann aber dann auch selbst Erz zu kaufen und zu liefern. Mindestens zweimal die Woche kam er und brachte jedes mal so 3-4 Tonnen Erz von zumeist sehr guter Qualitaet.

Eines Tages kam er zu uns ins Haus und erzaehlte er haette etwa 70 Tonnen hochwertiges Erz an der Pazifikseite zwischen Nonoc Island und Dinagat gekauft und wollte ein Angebot. Ohne die Qualitaet zu kennen, gab es natuerlich nichts und wir beschlossen am naechsten Tag hinzufahren und uns das Erz anzusehen.

Puenktlich am naechsten Morgen war Erwin da um mit uns zusammen hinzufahren. Die Durchquerung der engen Passage zwischen Nonoc ist manchmal sehr schwierig insbesondere bei Hoechst- oder Tiefststand von Ebbe und Flut, da sich in der nur flussbreiten Meeresenge gewaltige Wellen und Strudel bilden koennen und das ganze dann eher an einen Wildwasserfluss als an einen Meeresarm erinnert. Das liegt daran, weil sich an verschiedenen Seiten der Insel verschieden Tiden bilden; hat man Flut an der Ostkueste, dann ist eben Ebbe an der Westseite der Insel.

Die Stroemung war aber nur maessig und wir kamen auf der anderen Seite an. Da noch Amihan herschte, waere es Selbstmord gewesen mit dem Boot auf das offene Meer hinaus zu fahren, aber das Erz war zum Glueck ziemlich im inneren der Bucht. Ich schaute mir das Erz an, fand es hochwertig und wir verhandelten ueber den Preis. Nachdem wir uns einig geworden waren, fuhren wir wieder zurueck und in San Jose angekommen bezahlte ich 50% des voraussichtlichen Erzwertes.

Da wir das Erz am naechsten Morgen laden wollten, trafen wir Vereinbarungen mit der Rosan und der Viving, das Erz am naechsten Morgen zu laden.

Schon frueh um sechs waren die beiden Boote da und wir fuhren los. Als wir drei Stunden spaeter beim Erz ankamen, war es weg. Da war absolut nichts mehr, aber man sah deutlich die Spuren, das Haufens. Erwin hatte das Erz entweder zweimal verkauft, oder es selbbst nach Surigao zu Horizon bringen lassen. Man muss dazu erwaehnen, dass Horizon seit etwa drei Monaten einen Lagerplatz in Surigao City hatte.  Wir waren natuerlich stinksauer und fuhren unter ziemlichem Fluchen nach San Jose zurueck. Dort angekommen rief ich nach Ramon, unserem Pumpboot Operator und machte ich mich sofort nach Surigao City auf dem Weg um mit Horizon zu reden, da ich vermutete, dass das Erz entweder dort oder an ihrer Verladestelle in Cugman angekommen waere. Cugman liegt in Cagayan de Oro.

In Surigao fuhr ich dann sofort mit dem Tricycle zu Horizon um festzustellen, dass das Erz in der Tat am fruehen Morgen dort angeliefert worden war. Ich schimpfte mit Felix, dass er das Ez angenommen hatte, ohne wie ueblich erst mal die Eigentumsverhaeltnisse zu checken. Felix zuckte mit den Schultern – ihm war das so ziemlich egal, da er nach Menge bezahlt wurde – und ich ging dann zur PT&T um in Cagayan anzurufen. Ungluecklicherweise war Ric abwesend und so rief ich Rolly de Guzman in Manila an, der mir auch sofort zusagte, das zu ueberpruefen.Das wuerde wohl ein oder zwei Tage dauern.

Als ich nachts in San Jose eintraf erzaehlte mit meine Frau, dass Erwin nicht aufzufinden war. Das blieb auch in den naechsten zwei Tagen so; der „gute Erwin“ war verschwunden.  Ich war immer noch stinksauer, da ich 60k bezahlt hatte von dem Erz, und das war damals so viel wie heute eine viertel Million.

Zwei Tage spaeter fuhr ich zurueck nach Surigao und rief in Manila an. Dort hoerte ich dann, dass Felix entgegen der ueblichen Weise sofort in bar bezahlte und nicht einen Scheck ausstellte, der drei Tage vordatiert war. Das machte auch Rolly sauer und er sagte, er wuerde jemanden – einen Expolizisten –  schicken, der sich das ansehen sollte, da ihm das nicht koscher vor kam. Der kam auch zwei Tage spaeter an und stellte innerhalb von drei Tagen fest, dass Felix zusammen mit Erwin auf eigene Rechnung arbeite. Meiner war schon der dritte Fall, wo Erwin Erz verkaufte, das ihm gar nicht gehoerte und das sofort nach dem Verkauf selbst nach Surigao lieferte. Felix zahlte ihn sofort in bar und das erschwindelte Geld wurde geteilt. Rolly warf Felix natuerlich sofort hinaus und es wurde Strafanzeige gegen die beiden erstattet.  Aber es erwischte nur Felix, denn Erwin blieb verschwunden. Insgesamt hatten die beiden ueber 600k ergaunert und Erwin hatte sich mit seiner Haelfte abgesetzt. Felix bekannte sich schuldig beim Arraignment und wurde zu 20 Jahren Freiheitsentzug verknackt. Horizon zahlte mir drei Wochen spaeter die 60k zurueck.

Drei Monate spaeter hoerten wir dann, dass Erwin in Leyte erschossen worden war. Im Zusammenhang mit der Tat wurde immer wieder der Name Cesar Calondre erwaehnt. Allerdings wurde Cesar selbst auch einige Monate spaeter ermordet.

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