Es gibt schon Typen

Wie ich schon einmal erwaehnt hatte, war ich nebenbei zwei Jahre im Multi Level Marketing taetig. Amway ist eine altbekannte Firma mit sehr guten Produkten und sie begannen 1997 auf den Philippinen und ich stiess in den ersten Tagen auch schon zu ihnen.

Durch diesen Job lernte ich natuerlich eine Menge Leute kennen und mit einigen verbindet mich heute noch eine Freundschaft. Unter anderem lernte ich einen Expat in Pagadian kennen, der so typisch Deutsch war, dass es „deutscher“ eben nicht mehr geht. Laut und rechthaberisch! Andreas hiess er und hier moechte ich mich bei allen, die auch Andreas heissen schon im vorhinein entschuldigen.

Wir hielten mit unserer amerikanischen Upline im Januar 1998 ein Seminar im Camilla Hotel (ich glaube wenigstens, dass es so hiess) und dort traf ich den Andreas zum ersten Mal, der von Filipinos eingeladen worden war. Andreas war ein geselliger Typ Ende 40, der aber eitel genug war, sich die frueh weiss gewordenen Haare schwarz zu faerben. Da er frueher mal blond war, passte das eigentlich gar nicht zu seiner hellen Haut. Er war im Seminar sehr aufmerksam und stellte danach auch die meisten Fragen. Als einziger aller Besucher hatte er ein Handy und so wurde er unsere Nummer eins in Pagadian und wir waren haeufig in Kontakt.

Einmal im Monat machte ich einen Trip nach Pagadian, um ihm beim Aufbau seiner Gruppe zu helfen und sehr bald hatte er ueber hundert Downlines. Allerdings wurden 99% der Arbeit von seiner Frau gemacht und er sass eigentlich meist nur dabei. Nach meiner dritten Fahrt bot er mir an, dass ich bei ihm naechtigen koenne, was ich auch dankend annahm, denn fianziell waren wir damals zwar ok, aber eben nicht auf Rosen gebettet.

Als ich also das naechste Mal wieder kam,  schlief ich wie ausgemacht bei ihm. Am Abend wurde ein Tennismatch im Fernsehen gezeigt mit Nikolas Kiefer und der fuehrte schon mit zwei Saetzen. (Es war, so glaube ich mich zu erinnern die French Open) Leider gab er am Ende das Spiel her und verlor nach ueber 4 Stunden hartem Kampf. Da haettet ihr den Andreas hoeren sollen wie er den „Scheisskerl“ fuer sein Verlieren beschimpfte und ‚runter machte. Damals bemerkte ich zum ersten Mal seine cholerische Ader.

Etwa ein Jahr vorher – sie waren gerade auf die Philippinen gekommen –  hatten sie die Anteile am  Haus der Eltern von den Geschwistern gekauft und dort eine Baeckerei mit einem kleinen Cafe gemacht. Und auch hier konnte ich Andreas mit dem Personal fast nur am schreien sehen. Ein normaler Tonfall schien fuer ihn nicht zu existieren.

Als ich am naechsten Tag abreiste, war ich dann sehr ueberrascht. Von wegen der gastfreundliche Andreas oder so; nein mir wurde die Rechnung praesentiert und ich musste das gleiche wie im Hotel bezahlen. Nur fuer das Fruehstueck – das bei mir ja eh nur Kaffee war – berechnete er nichts. Ich bezahlte, denn ich wollte nicht mit ihm streiten, aber beim naechsten Besuch schlief ich wieder im Hotel, was ihn sehr veraergerte und deshalb liess ich mich breit schlagen, wieder bei ihm im Haus zu naechtigen.

Seine Frau hies Rose und sie klagte mir des oefteren ihr Leid. Der Sohn ging nur auf Zehenspitzen durch das Haus und alle schienen sich vor ihm zu fuerchten. Auf Bitten von Rose versuchte ich dann mal mit ihm zu reden. Aber er meinte nur entruestend schreiend, dass er doch nie „schreien“ wuerde. Ich gab es auf!

Andreas und Rose hatten sich ein wenig ausserhalb von Pagadian ein sehr schoenes Haus auf einem grossen Grundstueck gebaut. Die Mauer und der Zaun sind noch nicht ganz fertig gewesen und gelegentlich lief eines der Nachbarkinder ueber sein Grundstueck um abzukuerzen. Da die Kinder aber immer ueber den noch ungepflegten Teil des Grundstueckes liefen, entstand keinerlei Schaden. Tagsueber war der Andreas ja fuer gewoehnlich in der Baeckerei und so bekam er das nicht mit. Aber eines Tages war er eben daheim und sah ein etwa 15 jaehriges Maedchen die Abkuerzung nehmen. Er lief sofort in den Garten und beschimpfte das Maedchen auf uebelste Weise in deutscher Sprache. Da sie Moslemin war musste das natuerlich mit in die Schimpferei hinein. Ansagen wie „Du Moslemfot…. ich bring dich um,“  gehoerten noch zum harmlosesten, was er dem Kind verbal um die Ohren haute. Ich hatte die Schnauze voll und packte meine Sachen, was ihn natuerlich entruestete. Ich machte ihm klar, dass ich mit der Amwaygruppe weiter helfen werde, aber mich privat distanzieren moechte, da ich mit seiner Schreierei und Schimpferei nicht zurecht kaeme. Und so zog ich wieder ins Hotel.

Am Abend hatten wir ein Amway Seminar und Andreas benahm sich, als ob nie etwas passiert sei. Nun mir sollte es recht sein, dann konnte sich zumindest der berufliche Teil einigermassen entwickeln.

Am naechsten Morgen noch vor meiner Rueckfahrt nach Cagayan kam Rose ins Hotel um sich wieder mal auszuweinen, denn der Vater des Maedchens hatte gedroht den Andreas abzustechen. Moslems sind ja bekannt fuer ihre Blutfehden und auch wenn dieser Molem zu einer armen Familie gehoerte, den Stolz hatte er trotzdem. Rose fragte um Rat und ich meinte Andreas sollte sich entschuldigen, was er aber nicht machte.

Zwei Wochen spaeter rief Rose mich an und erzaehlte mit weinender Stimme, das der Moslem den Andreas erstochen habe und der sei nun im Hospital und schwebe in Lebensgefahr. Ich hatte fast so etwas erwartet, denn man trampelt nicht auf Dauer auf der Ehre und den Gefuehlen anderer Menschen herum. Aber Mitleid hatte ich ehrlich gesagt keines.

Andreas ueberlebte und tat danach das beste was er tun konnte: Er ging mit seiner Familie zurueck nach Deutschland.

Ich habe seitdem nie mehr von ihm gehoert.

Share This Post
Related Posts
Lake Mainit – Caraga Region
Wie sieht es aus in der „neuen philippinischen Republik“?
Pandan und Sablayan – Mindoro
1 Comment
  • Dietmar Prinz
    Reply

    Was ist von so einem Menschen ..zu erwarten..In jedem land auf der Welt sollten alle Menschen ..erstmal mit Respekt behandelt werden..ich persönlich behandele Menschen so …wie ich gerne behandelt werden möchte..Akzeptanz und Toleranz ..sollten für jeden Menschen anderen gegenüber ..eigendlich normal sein.

Leave Your Comment

Your Name*
Your Webpage

Your Comment*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>