Es gruent so gruen…… 3. Teil

Heute durften wir Bano und Junjun zusehen, wie sie das Bagging machten. Zuerst holten sie sich aus diesen Waellen, die als Begrenzung der Felder dienten, etliche Saecke voll Erde. Alles an organischem Material, das waehrend der Landvorbereitung und des Jaetens anfiel, wurde von den Bauern auf diese Waelle geworfen, wo es verrottete und besten Kompost bildete. So war das natuerlich erstklassige Erde. Die beiden begannen das Bagging und ruckzuck waren schon an die hundert „Samenbecher“ fertig. Das ging so schnell, dass ich die genaue Prozedur zuerst gar nicht mit bekam. Ich liess mir das also zeigen. Man rollt eines dieser vorgeschnittenen Bananenblaetter um zwei Finger herum, nimmt es ab und stopft es gegen die Handflaeche mit Erde voll. Dann stellt man es in ein von Bambus begrenztes Rechteck, das vorher vorbeitet worden war. Das Rechteck zur Aufname der Samenbecher sollte auf ebenem Land sein, wo sich auch kein Wasser staut. Ich versuchte es und nach dem dritten Mal ging es mir schon ganz flott von der Hand. An Banos Tempo kam ich allerdings nie auch nur annaehernd ‚ran.

Ich liess die beiden mit ihrer Arbeit allein und besuchte den Captain. Der erzaehlte mir, dass man das Bagging auch gegen Mengenbezahlung machen kann. Dann wuerde das 40 Pesos pro 1000 Bags kosten einschliesslich der Bananenblaetter. Ansonsten unterhielten wir uns ueber unsere Plaene. Spaeter kam Luisa dazu und fragte ob sie bei uns arbeiten koenne. Ich bejahte, aber erst wenn die Pflanzungen begaennen. Sie bot mir dann zwei Gantang Zuckererbsensamen an fuer 300 Pesos pro Gantang, was der uebliche Preis war und ich kaufte die. Die sollten zusammen mit unseren gruenen Bohnen auf dem halben Hektar hinter dem Haus gepflanzt werden.

Gegen vier Uhr kam meine Frau mit ihren Einkaeufen aus Valencia zurueck. Bano checkte alles und war zufrieden mit dem Gekauften. Am Abend kam der Captain zum erstenmal auf einen Drink zu uns und wir hatten eine nette angeregte Unterhaltung.

Der naechste Tag war ein Sonntag und schon am morgen gegen sechs Uhr hoerte ich Stimmen hinter dem Haus. Ich sah zum Fenster raus und sah Bano und Junjun schon bei der Arbeit. 25000 Baggings wollten wir machen und etwa die Haelfte war schon fertig. Ich rief zum Fenster hinunter, dass es heute Sonntag sei, aber sie meinten sie wollten unbedingt das Bagging fertig machen, da morgen der Traktor komme zum pfluegen und sie hinter dem Traktor das groebste Busch und Grasszeugs entfernen wollten, damit sie im Laufe der kommenden Woche die Pflanzloecher machen konnten. Denn nach dem Einbringen des Huehnerdungs sollte der zwei Wochen verrotten, bevor man einpflanzt. Sonst koennten sich die jungen Pflanzen die Wurzeln verbrennen.

Wir verbrachten einen friedlichen Sonntag und am spaeten nachmittag meldete Bano, sie seien mit dem Bagging fertig. Mein Schwager hatte bis dahin noch nicht allzuviel gearbeitet, war aber immer beim Bagging dabei. Nun ich dachte mir, dass ich ihn als Zuschauer eigentlich nicht brauchen konnte, wollte mir aber das ganze noch ein wenig ansehen, bevor ich etwas sagte.

Am Montag morgen gegen neun Uhr kam der Traktor und wir sprangen alle auf um mit auf das Feld zu fahren. Oben angekommen, liess sich der Fahrer die Grenzen zeigen. Danach haengte er den „Pflug“ mit den kleinen Scheiben ab und begann mit dem grossen Pflug das Pfluegen. Wir liefen alle hinterher um das groebste an Gras und Buesche zu entfernen und auf grosse Haufen zu werfen. Alles zum Rand des Feldes zu tragen erschien mir ueberfluessige Arbeit und so machten wir pro Hektar etwa 4 Komposthaufen. Am Nachmittag war der Traktor mit dem Pfluegen fertig und nun spannte er den Pflug mit den kleinen Scheiben an und fuhr ein zweites Mal ueber das Feld und pulverisierte die grossen Schollen. Dabei wurde all das uebrig gebliebene Gruenzeug auch zerschnitten. Am Ende sah alles flach und durch das zerschnittene Gras teilweise wie gemulcht aus. Beendet hatte der Traktor die Arbeit am Dienstag gegen Mittag. Bevor er zurueckfuhr bezahlte ich die 6000 Pesos fuer das Pfluegen.

Am folgenden Tag begannen wir hinter dem Haus manuell sauber zu machen, denn hier wollten wir gruene Bohnen pflanzen und auch die Zuckererbsen. Mit Hacke ging das natuerlich sehr viel langsamer. Taeglich gossen wir auch unsere Baggings – es hatte seit September dort oben nicht geregnet – denn Bano erklaerte, dass wir das Unkraut zuerst keimen lassen sollten, bevor wir Samen eingeben. Alle zwei Tage zupfte ich dann mit meiner Frau die Keimlinge aus den Baggings heraus.

Am Freitag fuhr ich dann nach Impalutao in der Naehe von Malaybalay um einhundert Sack Huehnerdung zu bestellen. In dieser Ecke gab es jede Menge Gefluegelzuchten und so war die Konkurrenz gross und der Dung mit 35 Pesos pro Sack geliefert nach Maagnao auch preiswert. Die Haelfte bezahlte ich an und die zweite Haelfte sollte bei Anlieferung am Montag bezahlt werden.

Am Montag kam unsere „Huehnerscheisse“ an und wir lagerten sie wegen des „Duftes“ gute 100 Meter vom Haus entfernt in einer Ecke unseres Grundstueckes an der Strasse. Trotzdem konnte man bei der richtigen Windrichtung noch etwas riechen, aber das war nicht so schlimm. Das ist eben der „Duft“ der Landwirtschaft.

Nun mal eine kleine Nebengeschichte die mit der Farm nichts zu tun hatte, aber trotzdem zum Leben in den Bergen  dazu gehoert: Dort oben 1200 Meter ueber dem Meeresspiegel war es natuerlich recht kuehl und selbst tagsueber stieg das Thermometer selten ueber 26 Grad. Da aber der Wind recht stark blies, hatte ich fast immer eine Jacke  oder einen Pullover an und nur waehrend der Arbeit konnte man mich mit kurzen Aermeln sehen. Nach Sonnenuntergang  fiel die Temperatur schnell unter 20 Grad und abends um 10 hatten wir zwischen 12 und 16 Grad, wobei es an klaren Tagen wesentlich kaelter war. Dementsprechend kalt kam das Wasser aus der Leitung. Wir hatten kein fliessendes Wasser im Haus, aber am Strassenrand vor dem Haus war ein Wasserhahn von dem wir zapften. Mit einem Schlauch hatten wir die „Leitung“ zum Haus verlaengert.  Ueblicherweise wurde  – wir hatten keine Badezimmer und statt einem Klo nur ein „Out House“ –  im Freien auf philippinische Art mit Kuebel und Schoepfkelle geduscht, was bei den Wassertemperaturen eine sehr kalte Angelegenheit war. Bei einem der letzten Ausfluege nach Valencia kaufte meine Frau einen Riesentopf und eine Zinkwanne. Nun wurde vor dem Baden im Topf Wasser heiss gemacht und in die Wanne geschuettet. Dann kam kaltes Wasser dazu, bis man sich hinein setzen konnte und so wurde dann gebadet. Bano und Junjun fanden das sehr lustig, aber als sie auch einmal im warmen Wasser gesessen waren, wollten sie in Zukunft auch nur noch warm baden. Das war immer ein Riesenspass in unserem improvisierten, mit leeren Reissaecken verhaengten „Badezimmer“ hinter unserem Haus.

Ach ja, es gab da oben auch keinen Strom!

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3 Comments
  • uwe
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    hallo Kai
    das mit denn baggings ist eine gute idee.was ich nicht verstehe ist wie die erde gehalten wird. die baggings sollten doch unten geschlossen sein ,ebenfalls seitlich.
    wenn du dies mir noch kurz erklären könntest wäre gut
    danke und gruss uwe

    • Kai
      Reply

      die Baggings sind seitlich natuerlich geschlossen und unten offen und sie werden vor dem verpflanzen gegossen…das und die Wurzeln der jungen Pflanze halten die Erde zusammen…..

  • Reply

    nice post. thanks.

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