Es gruent so gruen….. 7. Teil

Es war soweit. Die Tomaten sollten verpflanzt werden. 20.000 Pflanzen mussten in Schachteln und Kisten nach oben getragen werden. Natuerlich nicht alle auf einmal, aber innerhalb von drei Tagen sollte alles gepflanzt sein. Die Pflanzloecher waren fertig, der Huehnerdung schon vor zwei Wochen gestreut und wir stellten fuer drei Tage zehn Aushilfskraefte ein.

Morgens um sechs fingen wir an, um acht Uhr gab es Fruehstueck und dann wurde bis Mittag weiter gearbeitet. Ab ein Uhr ging es wieder los bis zum Einbruch der Dunkelheit. Die Bananendeckel machten wir nicht selbst, sondern kauften sie fuer 80 Pesos pro 1000 Stueck. Bei der Trockenheit war das einfach ein Muss. Zwischen vier und sechs Uhr am Nachmittag wurde nicht mehr gepflanzt sondern nur noch gegossen. Das ist mit Giesskannen ein ganz schoener Scheissjob. Aber wir schafften alles in den vorgesehenen drei Tagen.

Die Bohnen – und Erbsenernte unten am Haus war vorbei und nun begann auch die Ernte der Erbsen und Bohnen oben, dann dort hatten wir drei Wochen nach der ersten Pflanzung die zweite angelegt. Eine dritte gab es auch schon.

Und in einer Woche konnten wir den ersten Chinakohl ernten. Kohlarten bei dieser Trockenheit zu pflanzen ist eine teure Angelegenheit, da man laufend gegen die Diamondback Moth spritzen musste. Da diese Motte gegen viele Insektizide immun ist, verliessen wir uns auf Thuricide, ein biologisches Mittel. Das besteht aus Granulat des Bazillus thuringiensis und wird durch das Mischen mit Wasser aktiviert. Die Larven der Motten starben nicht sofort – ein Grund warum die Farmer dort oben das Mittel nicht verwenden wollen – aber die Larven hoeren in wenigen Stunden auf zu fressen, da die Bakterie den Magen – Darmtrakt zerstoert. Fuer andere Insekten ist das Mittel harmlos. Aber obwohl wir zweimal woechentlich spritzten, waren die Aussenblaetter des Chinakohl trotzdem ziemlich angefressen. Auch alle anderen Kreuzbluetler litten unter dieser Pest aber weniger stark als Chinakohl.

Unsere Melonen wuchsen auch sehr schoen und in zwei bis drei Wochen wuerde es dort wohl auch losgehen mit der Ernte.

Der Captain kam fast taeglich vorbei und gab uns auch gute Ratschlaege. Ich besuchte auch seinen Garten in dem er Kartoffeln gepflanzt hatte, aber wegen der Knollenfaeule schon viele Verluste erlitten hatte. Das war einer der Gruende, warum ich keine Kartoffeln in Bukidnon pflanzen wollte. Andere Farmer pflanzten immer wieder Kartoffeln auf „jungfraeulichem“ Land, aber es stoerte mich, dass dazu immer wieder Brandrodung (Kainigin auf den Philippinen genannt) betrieben wurde. Nach zwei oder drei Pflanzungen ist dort auch Knollenfaeule anzufinden und der Bauer rodet dann das naechste Stueck Urwald. Zum Glueck wird das heute immer weniger praktiziert, seitdem es harte Strafen fuer einige Farmer gegeben hatte.

Die Zeit verging und wir ernteten unseren Chinakohl. Vor dem Packen entfernten wir alle aeusseren Blaetter und sahen dass der Kohl darunter keinen Schaden genommen hatte. Mein Schwager Alex war auf Besuch und brachte die erste Ernte nach Valencia zum Verkauf. Dort war er dann ueberrascht, dass vom gesamten Gewicht 30% fuer die Aussenblaetter abgezogen wurden. Auf seinen Protest hin, dass die Aussenblaetter ja schon weg seien, ging der Haendler auf 25% runter. Aber die ersten 800 Kilo brachten nur einen Ertrag von 4200 Pesos. Das war nicht viel. Die zweite Kohlernte brachten wir nach Agora, aber dort war es das gleiche, wieder wurden uns 25% abgezogen. Das ist bei Kohl so ueblich wurde uns gesagt. Wir entschossen uns keinen Kohl mehr zu pflanzen.

Zwischenzeitlich hatte ich von Allied Botanical auch Samen fuer Broccoli und Eisbergsalat bekommen. Wir bereiteten Baggings vor, saeten aber vorerst noch nicht aus.

Die Melonen waren reif und unsere erste Ernte von 27 Melonen wurde gleich im Dorf verkauft. Keine der Melonen wog weniger als 10 Kilos. Zwei Tage spaeter stellten wir fest, dass viele Melonen im Feld V-foermig angeschnitten worden waren. da wollten Diebe wohl Melonen klauen und aus Ignoranz – sie wussten nicht, wie man fest stellt ob sie reif sind – wurden die Melonen einfach eingeschnitten und wenn sie innen rot waren mit genommen. Wir liessen Junjun und Bano dort oben uebernachten, nachdem wir schnell eine kleine Huette aus Bambus gebaut hatten. Bereits in ersten Nacht gab es eine Pruegelei zwischen den beiden und anderen jungen Leuten vom Dorf. Unsere beiden waren in der Lage die Diebe zu vertreiben. Junjun hatte ein blaues Auge davon getragen. In der naechsten Nacht rueckten die Jugendlichen wieder an und dieses Mal griffen Junjun und Bano zur Bolo, da die anderen auch Macheten dabei hatten.  Dabei wurde einer der Diebe verletzt und die Aerzte im Krankenhaus mussten einen Arm unterhalb des Ellbogen amputieren. Nun kamen die Eltern des 19 jaehrigen Verletzten zu uns und wollten die Krankenhauskosten erstattet haben. Wir weigerten uns, da der Junge mit den anderen ja auf einer Diebestour war, und sich somit die Konsequenzen wohl selbst zuzuschreiben haette.

Zwei Tage spaeter bekamen Bano und Junjun eine Vorladung zu einem Hearing beim Captain. Die Eltern hatten sich dort beschwert. Inday und ich begleiteten unsere beiden Mitarbeiter. Die Eltern wollten von den beiden und auch von uns die Kosten erstattet haben und zusaetzlich 50.000 Pesos Schadenersatz. Es ging ziemlich laut her, da wir uns weigerten und Junjun und Bano ebenso. Die beiden haetten eh nicht bezahlen koennen, da sie als Landarbeiter ja nun wirklich nicht viel verdienten. Wir machten Notwehr geltend, erinnerten immer wieder an die Diebereien der Gruppe, aber die Eltern waren uneinsichtig. Nun ja, ich sagte zu den Eltern sie sollten vor Gericht klagen, aber von uns wuerden sie keinen Peso sehen. Und jedes Gericht wuerde Notwehr anerkennen, da die gesamte Gruppe ja auch ihre Bolos geschwungen hatte. Als wir gingen schworen die Eltern sich zu raechen. Der Captain kam spaeter vorbei und warnte uns gut aufzupassen. Das waren einheimische Tala-andig und die griffen schnell zur Waffe.

Trotz der Schaeden an den Melonen ernteten wir in den naechsten Wochen noch eine ganz Menge. Wir verkauften die Melonen in Valencia und obwohl es nur 5 Pesos pro Kilo gab, verdienten wir etwas bei der Sache. Wir brauchten das Geld ja auch um die Tomaten zu finanzieren, die ziemlich viel verschlangen.

Fortsetzung folgt

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2 Comments
  • uwe
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    hallo Kai
    weisst du vielleicht wo ich in cebu-cityoder bohol größere mengen samen kaufen kann.einfach toll deinen blog zulesen
    gruß uwe

    • Kai
      Reply

      Samen findest in fast jedem Agri-supply, aber meist nur fuer lokales Gemuese. An europaeischen Samen hat sich Mauser im Hochland bewaehrt. Allied Botanical in MM kann dir auch dast alles liefern.

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