Es gruent so gruen….. 9. Teil

Wie gesagt kamen noch einige Aufregungen auf uns zu. Da war zuerst die Sache mit dem Fisch. Meine Frau hatte vom Fischauto „frischen“ Fisch gekauft, der dieses Praedikat wohl nicht verdiente. Wenige Minuten nach dem Abendessen begann ploetzlich Marions Gesicht nahezu monstroes anzuschwellen. Ich hatte keine Ahnung, was da los sei, und Rico meinte, dass er ploetzlich alles doppelt sehen wuerde. Auch die anderen klagten, dass sie sich nicht wohl fuehlten und da ich der einzige war, der keinen Fisch gegessen hatte, tippte ich sofort auf eine Fischvergiftung. Marions Gesicht schwoll immer weiter an und ich machte mir die groessten Sorgen. Aber wie ins Krankenhaus bringen, es war nachts und es gab keine Jeepneys um diese Zeit. Ich rief den Capatain und der kontaktierte den Krankenwagen in Lantapan, der fuer alles moegliche her genommen wurde aber nur sehr selten fuer Krankentransporte.  Aber der hatte keinen Sprit im Tank, den muesste man erst in Malaybalay besorgen. Damals gab es noch keine Tankstelle in Lantapan. Und auch von Lantapan fuhr um die Zeit nichts mehr nach Malaybalay.

Josef, der Barangay Sekretaer, meinte dass das Essen von Zucker helfen sollte. Wir kauften sofort zwei Kilo Zucker. Ich haette wohl jede Idee ausprobiert, denn Marions Gesicht war so verschwollen, dass die Augen geschlossen waren und die Lippen wie zwei dicke, groteske Wuerste ihr Gesicht verunstalteten. Sie haette ungeschminkt in jedem Horrorfilm die Menschen zum Schreien gebracht. Die Leute assen den Zucker loeffelweise und innerhalb von zehn Minuten begann die Schwellung sich zurueck zu bilden. Nach zwei Stunden sah Marion wieder normal aus. Auch Ricos Doppelsichtigkeit war verschwunden. Mir war das ganze schon ein Raetsel und ich glaube heute eher an einer Allergie als an eine Vegiftung, aber mich wunderts, weil mehrere Leute betroffen waren. So oder so, den Fischhaendlern hatten wir am naechsten Tag aber ordentlich die Meinung gegeigt. Und wir haben selbstverstaendlich nie mehr von ihnen gekauft.

Es war Anfang Mai geworden und wir lieferten nun bereits regelmaessig an Ororama aber leider nur Petersilie. Fuer die anderen Dinge hatten sie ja Lieferanten. In dieser Zeit – Anfang Mai 1991 – geschah ein Mord in Singapur und die Tatverdaechtige hiess Flor Contemplacion. Das war den Zeitungen, aber nur ein paar Zeilen auf der 16. Seite wert. Keiner dachte daran, dass 4 Jahre spaeter dieser Name durch die Medien gehen sollte und mir einige Erlebnisse der besonderen Art bescheren wuerde. Aber dazu werde ich zu einer spaeteren Zeit schreiben. Wollte das nur hier erwaehnen, da der Mord eben damals war.

Wir machten unsere Arbeit wie gehabt und der Erntetermin fuer die Tomaten naeherte sich. Aber bei jedem Besuch in Agora sagte mir Perla, dass Iloilo noch keine Tomaten bestellt haette, obwohl es sonst immer so Mitte Mai losginge.

Die Tomaten naeherten sich der Reife und wir ernteten am 24. Mai zum ersten Mal. Es war auch Zeit geworden, da es am 22. nach langer Trockenheit von 8 Monaten regnete. Die Regenzeit hatte begonnen und wir mussten frueh morgens ernten. Bei der ersten Ernte hatten wir 60 Kisten voller schoener Tomaten. Ich lieferte die Tomaten nach Agora und der Preis war mit 80 Pesos pro Kiste sehr enttaeuschend. Eine Kiste enthielt 25 Kilos und das waren gerade mal gute 3 Pesos pro Kilo brutto. Aber ich musste fuer die Kisten, den Transport, den Erntekosten und den naegeln etwa 40 Pesos pro Kiste rechnen. Dazu kamen die Produktionskosten und wir waren bereits im Minus.

Einige Tage spaeter kam die zweite Ernte mit 240 Kisten und dieses Mal war das Ergebnis noch schlimmer. Wir bekamen nur 100 Pesos fuer jeweils drei Kisten. Nun wurden nicht mal mehr die Ernte und Transportkosten abgedeckt. So ein Scheiss! Nach langem Ueberlegen und vielen Diskussionen entschlossen wir uns keine dritte Ernte mehr zu machen und die Tomaten auf dem Feld verfaulen zu lassen. Aber ohne die Tomaten, in die wir alles gesteckt hatten, waren wir pleite.

Nun war guter Rat teuer. Wir hatten noch etwa 2000 Pesos und keine Aussicht mehr Geld einzunehmen, da wir nichts mehr gepflanzt hatten ausser den Bohnen und Erbsen und da war nicht viel Erloes zu erwarten. Weitere Pflanzungen gab es im Moment keine. Wir mussten ausserdem Bano und Junjun  fuer den letzten Monat bezahlen. Dann verbleiben uns noch 400 Pesos. Die anderen Arbeiter waren zum Glueck schon bezahlt. Wir boten Bano und Junjun unser Schwein als Bezahlung an. Bano stimmte zu, aber Junjun machte einen Riesenzirkus. Er schrie vor dem Haus herum und zerriss sich sein T-Shirt und jammerte in einer Tour, dass wir ihn nicht bezahlen wollten. Bano nahm das Schwein und innerhalb von drei Stunden hatte er einen Kaeufer gefunden und hatte 2300 Pesos bekommen. Er gab uns 700 Pesos und bezahlte Junjun seine 800, und behielt seine 800 Pesos.

Nun mussten wir sehr kleine Broetchen backen, denn wir hatten kein Geld fuer Chemikalien oder Duenger. Wir entschlossen uns auf dem kleinen Feld neben dem Haus Broccoli und Eisbergsalat zu pflanzen. Nun mussten wir aber alles alleine machen, denn am naechsten Tag fuhren Rico, Minda und Alex nach Surigao zurueck. Zum Glueck blieb unsere Helferin und Kindermaedchen bei uns, auch wenn wir im Moment ihr Gehalt nicht bezahlen konnten.

Am naechsten Tag verabschiedeten wir Indays Brueder und anschliessend machten wir uns dran 1500 Baggings zu machen. Da wir wussten wie es geht, war das kein Problem fuer uns. Wir saeten auch gleich darauf aus, denn Zeit war nun ein Luxus, den wir uns nicht mehr leisten konnten.

Dann saeuberten wir das Feld von allem Bewuchs und liessen den Bewuchs umgedreht auf dem Feld liegen um Unkraut am Wachsen zu hindern. Es regnete nun jeden Nachmittag und wir konnten nur von 6 uhr morgens bis drei Uhr nachmittags arbeiten.

Wir gingen mit Saecken und Schaufel bewaffnet auf die Ranch von Rubio und sammelten dort Kuhdung ein. Natuerlich nahmen wir nur solchen, der schon angetrocknet war. Dann entfernten wir den Mulch von den Feldern und bereiteten auf bekannte Weise die Pflanzloecher vor, nur dass wir diesesmal eben selbst gesammelten Kuhdung statt Huehnerdung in die Erde mischten.

Fortsetzung folgt

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